<< zurück

Deutsch-Russischer agrarpolititscher Dialog – wir können einander hören und verstehen!

Im Rahmen des Kooperationsprojektes des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Deutschlands mit dem Namen „Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“ hat der Russische Getreideverband von 11. bis 15. Januar 2011 eine Informationsreise/-seminar zu deutschen Betrieben veranstaltet, die mit modernsten Technologien im Anbau, bei der Lagerung und Verarbeitung von Getreide arbeiten.

Unter anderem besuchte die Delegation des Russischen Getreideverbandes industrielle Getreidemühlen in Magdeburg und Alsleben besucht. Mitglieder der Delegation waren die Leiter der folgenden Betriebe: „Moskovsky Melnichny Kombinat №3“ AG (Moskau), „Mehlkombinat“ AG, „Lenkhlebprodukt“ AG, getreideverarbeitender Betrieb „Zolotoy Kolos“ GmbH, bäuerlicher Betrieb „Agat“ GmbH, „Upravlyauschaya Kompaniya ASB“ GmbH (Gebiet Stavropol). Diese Mühlenbetreiber sind mit deutschen und schweizerischen Anlagen ausgestattet, die Weich- und Hartweizen sowie Roggen verarbeiten.

Die oben genannten Betriebe, die im Rahmen der Exkursion besichtigt wurden, produzieren 15 Sorten Mehl nach den Wünschen der Kunden (für verschiedene Back-, Teig- oder Süßwaren sowie für eingefrorene kochfertige Teiggerichte). Die Betriebe haben eigene Qualitätsmanagementsysteme, die durch den TÜV zzertifiziert sind. Um die Qualität des eintreffenden Getreides und der Endproduktion im betriebseigenen Labor zu kontrollieren, wird moderne Labortechnik eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Infrarotspektrometer zur Bestimmung von Feuchte, Stärke- und Proteingehalt, führen den Zeleny Test zur bestimmung des Sedimentationswertes durch. Darüber hinaus verfügen die Betriebslaboratorien über Geräte zum Auswaschen von Gluten, eine Anlage zur Bestimmung der Fallzahl nach Hagberg, Trockenschränke und Muffelöfen zur Bestimmung von Feuchtigkeit und Aschewertzahl. Die Aschewertzahl ist einer der wesentlichen Qualitätsmerkmale von Mehl (das alternative Merkmal der „Weisse“ wird nicht bestimmt). Beide Betriebe haben Versuchsmühlen nicht nur für die Probenvorbereitung zur Analyse, sondern auch Mühlen für Mahlversuche unterschiedlicher Mehltypen. Brot und Backwaren, für die ein bestimmtes Mehl produziert wird, werden im Labor zur Probe gebacken.

Die Betriebe verarbeiten mit regionalen Getreiden und versorgen die angrenzenden Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit Mehlprodukten.

Die russische Delegation wurde zudem in mehreren anderen Betrieben empfangen. Dazu zählen der Knäckebrot backende Betrieb in Burg (Roggenmühle, kontinuierliche Bandfertigung, Zweilinienbäckerei), der Malzbetrieb und Brauerei in Landsberg, der Extrudatehersteller in Wurzen (Frühstückscerealien, Mais- und Haferflocken, Perlgraupen) und der Gebäckfabrikant und Hersteller von Süßwaren mit langer Haltbarkeitsdauer in Wittenberg.

Alle Betriebe haben eine lange Tradition. Sie wurden vor mehr als hundert Jahren gegründet und haben den Zweiten Weltkrieg und zwei Sozialordnungswenden überstanden. Die alten Gebäude wurden saniert, die Betriebe werden regelmäßig technisch aufgerüstet und produzieren Waren, die seit Jahrzehnten zum alltäglichen Bedarf gehören. Die Teig- und Süßwarenbetriebe haben schwierige Zeiten überstanden, die auf die Senkung der Nachfrage nach herkömmlichen Waren zurückzuführen sind. Als die Berliner Mauer fiel, wurde Ostdeutschland mit neuen Produkten überflutet. Aber nach einigen Jahren stieg die Nachfrage nach traditionellen Produkten wieder gestiegen und die Betriebe bekamen die Möglichkeit, sich zu entwickeln.

Zwei von den vier Tagen haben die Teilnehmer in Potsdam, am Institut für Getreideverarbeitung in Rehbrücke verbracht, dort haben mehrere Seminare stattgefunden.

Das Institut erhält Aufträge von Betrieben der Branche und erarbeitet neue Technologien der Getreideverarbeitung sowie neue Waren und Geräte.

Die Delegation wurde vom Leiter des Institut Herrn Dr. Peter Kretschmer begrüßt. Er berichtete über die Rolle des Instituts bei der Vervollkommnung der Prozesse im Bereich der Erzeugung und des Verbrauchs von Getreideerzeugnissen.

Das Seminar zum Thema „Mahlverfahren, Mehlqualität und Forschungsmethoden“ wurde von Herrn Ralf Thomann durchgeführt. Die Mitarbeiter des Instituts haben zu den folgenden Themen vorgetragen:

− Verwendung des einheimischen Getreides: national und international

− Mühlen in Deutschland: Mahltechnik und Mehlqualität

− Methoden der Qualitätsbewertung für Getreide und Mehl.

Die Besuche des Labors und der Versuchsabteilung und die Besichtigung der Anlagen für Mehlqualitätskontrolle standen ebenfalls auf dem Programm.

Am meisten hat sich das Publikum für die Ergebnisse zur Entwicklung neuer Mehlsorten mit erhöhtem Proteingehalt und mit einem hohem Grad der Zerstörung der Stärke interessiert.

Das Seminar zum Thema „Produktion von Back- und Teigwaren: Extraktion, die neusten Trends und Innovationen in der Produktion, Bildung, und Hazard Analysis Critical Control Point (HACCP) “ hat auch großes Interesse erweckt.

Es wurde zu den folgenden Themen vorgetragen:

− Gebäckmarkt in Deutschland

− Befeuchtung von Mehl und Staubunterdrückung

− Mehlerzeugnisse und Extrusion, Rohstoffe, Technik, Waren

− HACCP in Mühlen und in der Backproduktion

Die Teilnehmer haben die Versuchsabteilungen für die Produktion von Backwaren und Extrudaten sowie eine Präsentation von innovativen Roggenbackwaren besucht.

Dieses Seminar war insofern besonders interessant, weil die dargestellte Methode der Mehlvorbereitung zur Vorbereitung des Teiges eine Erhöhung des Ertrages des fertigen Brotes um 12-18% ermöglicht. Die Mehleinweichungsanlagen und die Methode der Vorbefeuchtung sind die neusten Entwicklungen des Instituts, die erfolgreich in Bäckereien eingeführt werden.

Die Besucher haben auch Interesse für das Zertifizierungssystem und die Einführung von Hazard Analysis Critical Control Point „HACCP“ das in den Betrieben der Branche angewendet wird, gezeigt.

Das Problem der Roggenverwertung (Roggen wird in Deutschland im Überschuss angebaut) kann dadurch gelöst werden, dass Roggengebäck mit Hypoazidität beworben bekannt gemacht wird. Der Grund dafür ist, dass das traditionelle Roggensauerteigbrot in Deutschland nicht mehr so populär ist. Die Mitarbeiter des Instituts lösen dieses Problem, indem sie Brotsorten am Markt einführen, die ursprünglich mit Grobweizenmehl gebacken werden, und Rezepte mit Zusatz von Roggenmehl spezieller Korngrößenverteilung (mit teilweise zerstörten Stärkekörnern) erarbeiten.

Der Personalausbildung wird in Deutschland viel Aufmerksamkeit gewidmet, nicht nur Forschungsinstitute (Fortbildung), sondern auch unmittelbar Betriebe beschäftigen sich mit der Fachausbildung. Bei allen Betrieben, die die russische Delegation besucht hat, arbeiten Auszubildende und Studenten von Fach- und Fachhochschulen.

Die Rückmeldung der Teilnehmer bezüglich des Seminars war sehr positiv und es wäre gut, wenn solche Seminare regelmäßig durchgeführt würden.

Die Mitarbeiter des Instituts für Getreideverarbeitung Rehbrücke Dr. Ralf Tomann, Uwe Lerak, Dorothea Klotz, Iness Gromes, Frank Zelle, Gertrud Schramm und Ulrike German waren dem Leiter des Projektes Harald Hoppe bei der Organisation der Veranstaltungen sehr behilflich. Die professionelle Übersetzung von Frau Natalia Busch ermöglichte den Teilnehmern das volle Verständnis der Informationen, die von der deutschen Seite des „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialog“ zur Verfügung gestellt wurde.

Besedina E.

Scheptschugova I.

Fotogalerie