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Saatgutwesen und Saatzüchtung - Zukunft für die Pflanzenzucht

Im Rahmen des Kooperationsprojektes des BMELV „Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“ wurde eine Fachinformationsreise nach Deutschland zu Fragen des Saatgutwesens und der Saatgutzüchtung durchgeführt. Die europäischen Erfahrungen im Saatgutbereich wurden während der Fachinformationsfahrt den Vertretern der Agrarausschüsse der Staatsduma und des Föderationsrates, des russischen Landwirtschaftsministeriums, des Ministeriums für Wirtschaft sowie den Vertretern der föderalen Agenturen „ Gossortkomission“ und „Rosselchoszentr“ präsentiert.

Zur Zeit werden Änderungen im Gesetz „Über den Saatgutverkehr“ ausgearbeitet und aktiv diskutiert, und unter diesen Umständen sind deutsche Erfahrungen in diesem Bereich sehr hilfreich.

Ein wichtiges Ziel der Fachinformationsreise war, den Teilnehmer die Möglichkeit zu geben, sich mit der Struktur des deutschen Saatgutverkehrsmarktes bekannt zu machen. Dafür standen unter anderem Termine beim Bundessortenamt bis hin zu den Branchenverbänden und Saatgutunternehmen auf der Tagesordnung.

Das erste Treffen fand im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz statt. Herr Lutz Tenner, Referatsleiter „Acker- und Pflanzenbau“ stellte deutsche Gesetze und Verordnungen vor, die den Saatgutverkehr und die Saatguterzeugung regeln. Die Mitglieder der russischen Delegation hatten ein grosses Interesse daran zu erfahren, wie die Gesetze und Verordnungen umgesetzt werden: ob die Saatgutfirmen eine Akkreditierung benötigen, wie im Gesetz eine Saatgutvermehrung ohne Lizenz bezeichnet wird, ob die Saatgutunternehmen Subventionen bekommen und wie die Nutzung der genmanipulierten Saatgutsorten geprüft und kontrolliert wird. Diese und die anderen Fragen wurden während des Treffens im Bundessortenamt von den Teilnehmern der russischen Delegation sowie den Vertretern des Bundesverbandes der deutschen Pflanzenzüchter und Vertretern unter anderem der Unternehmen Norika, Saaten Union, Strube, Dickmann, BayWa, Rapool lebhaft diskutiert.

Herr Dieter Rücker, Direktor der Abteilung „Internationale Beziehungen“ des Bundesverbandes Deutscher Pflanzenzüchter e.V. bestimmte drei Themen für die Besprechung und weitere Zusammenarbeit: Harmonisierung russischer Gesetzgebung, Integration der Russischen Föderation in die internationalen Gremien OECD und ISTA sowie das wichtigste Thema, den Schutz des geistigen Eigentums.

- Der Schutz der Rechte der Patentinhaber sei die Grundlage für die erfolgreiche Tätigkeit der Vermehrungsunternehmen, - so Herr Dieter Rücker.

Sowohl deutsche als auch russische Saatgutexperten waren sich einig, dass ein schneller Übergang zur Liberalisierung der Saatgutgesetzgebung in Russland zu negativen Folgen führen würde.

- Heute ist Russland mit einer grosser Menge von Saatgut aus der ganzen Welt überschwemmt und die Saatgutqualität ist oft schlecht, - so Herr Peter Tschekmarev, Abteilungsleiter für Pflanzenzucht und Pflanzenschutz des russischen Landwirtschaftsministeriums. Wir können die Lebensmittelsicherheit nicht gewährleisten, falls wir kein strenges Verfahren zur Saatgutauslese haben werden. Deswegen benötigen wir eine Beschaffenheitsprüfung, sowie eine Zertifizierung zumindest von den Getreidekulturen, von denen die Lebensmittelsicherheit abhängt. Sonst riskieren wir grosse Verluste.

Neben den politischen Fragen wurden auch praktische Probleme während der Fachinformationsfahrt behandelt.

Die Teilnehmer der russischen Delegation besuchten die Saatgutaufbereitungsanlage der AGRAVIS Raiffeisen AG und das Saatgutunternehmen KWS. In 2 Monaten findet in Lipezk die offizielle Eröffnung der Züchtungstation der KWS statt. KWS ist das erste ausländische Züchtungsunternehmen, das mit der Saatgutzüchtung in Russland beginnt.

Zum Abschluss der Fachinformationsreise betonten die Delegationsteilnehmer, dass die Organisation und Regulierung des Saatgutmarktes in Deutschland und in Russland ähnlich sind. Die positiven deutschen Erfahrungen, die durch den „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialog“ seit 16 Jahren an die politischen Entscheidungsträger der Russischen Föderation vermittelt wurde, trug zur Ausarbeitung der russischen Gesetzgebung und zur erfolgreichen Entwicklung des Saatgutwesens bei. Die Vertreter der Delegation äusserten den Wunsch, dass russische Branchenverbände den gleichen Einfluss auf politische Entscheidungen haben, wie in Deutschland.

Von: Swetlana Veber