<< zurück

Agrarpolitik im Dialog mit der Wirtschaft

Etwas besonderes war die erste Sitzung des Agrobusinessklubs nach den Ferien, denn es war eine gemeinsame Sitzung der Agrarausschüsse der Staatsduma und des Föderationsrates, des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und des Kooperationsprojektes des BMELV „Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“ zum Thema „Möglichkeiten und Probleme des Engagements deutscher Unternehmer im Agrarsektor Russlands“.

An der Diskussion beteiligten sich Parlamentarier, Leiter der Branchenverbände, Vertreter der wissenschaftlichen Einrichtungen sowie Geschäftsführer erfolgreicher deutscher Unternehmen, die im Agrarsektor Russlands tätig sind.

Als Ausgangspunkt diente ein Beitrag von Herr Dr. Kirchberg, Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. In seinem Beitrag wies er auf die Bedeutung und auf das große Potenzial Russlands in Bezug auf die Welternährungssicherheit hin.

Nikolaj Kalinin, Sekretariatsleiter des Agrarausschusses der Staatsduma berichtete über die Folgen der Brände und Dürre basierend auf den Informationen des analytischen Dienstes des russischen Landwirtschaftsministeriums. Nach seinen Worten ist in 15 Regionen der Russischen Föderation ein Überfluss an Getreide vorhanden, der auf die 23 Regionen, wo es dürre und brandbedingte Engpässe gibt, umverteilt werden soll. Insgesamt bezeichnete Nikolaj Kalinin die heutige Situation als stabil und beglaubigte anhand konkreter Zahlen, dass es landesweit in Russland keinen Mangel an Getreide geben wird.

Alexey Ugarov (KWS Saat AG) benannte in seinem Beitrag die wichtigsten Herausforderungen im Saatgutwesen. Erstens seien die Bereiche des Saatgutwesens und der Saatzüchtung im russischen Agrarsektor wegen ihrer mangelhaften Entwicklung für russische Investoren nicht attraktiv. Die zweite Herausforderung sei die schlecht entwickelte Infrastruktur im ländlichen Raum, was zur Bevölkerungsabwanderung besonders der frischgebackenen Absolventen der Agraruniversitäten beitrage.

Sergey Penner (Claas KGaA mbH) wendete sich an die Vertreter des Parlamentes und des Landwirtschaftsministeriums mit der Bitte, die stabile Lage des russischen Landwirtes sowie feste Preise für Milch und Getreide in der Russischen Föderation zu sichern (gewährleisten). Dies würde die Lage der Produzenten von Landmaschinen verbessern, denn die Landwirte würden mehr Geld in die Modernisierung ihrer landwirtschaftlichen Betriebe investieren.

Es muss betont werden, dass Herr Alexander Sysoev, stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses der Staatsduma, versprach alle Anliegen und Herausforderungen seitens der deutsch-russischen Wirtschaftsvertreter zu berücksichtigen.

Dr. Peter Müller (Münchner Rück AG) erläuterte die Probleme des bestehenden Versicherungssystems von landwirtschaftlichen Grundstücken und betonte, dass dieses Problem die Anwendung nicht nur von deutschen, sondern von europäischen Erfahrungen in diesem Bereich erfordere.

Stefan Dürr (Unternehmensgruppe EkoNiva) bezeichnete als Hauptproblem im russischen Agrarsektor das Defizit an ausgebildeten Fachleuten im ländlichen Raum. Er berichtete über den Beitrag seiner Unternehmensgruppe zur Entwicklung der Infrastruktur im ländlichen Raum.

Das wichtigste Fazit von Herr Dürr wurde von den meisten Teilnehmern geteilt: Falls es seitens des Investors eine wirkliche Motivation gibt, stehen der Entwicklung des Geschäfts in Russland auch für ausländische Investoren keine unüberwindbare Hindernisse entgegen.

Große Aufmerksamkeit der Teilnehmer wurde den Herausforderungen der deutsch-russischen Unternehmen im Agrarsektor geschenkt, aber die Möglichkeiten, die sich für deutsche Unternehmer in Russland eröffnen, wurden nicht so stark thematisiert. Alle Anwesenden betonten die Rolle der deutsch-russischen Unternehmen und die Wichtigkeit der Gründung solcher gemeinsamen Unternehmen. In diesem Zusammenhang initiierte Herr Dr. Harald Hoppe, Leiter des Projektes „Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“ die Erstellung eines „Leitfadens für deutsche Unternehmer“, die ihre Tätigkeit im russischen Agrarsektor aufnehmen. Dieser Leitfaden soll eine Art Wegweiser in Bezug auf die Besonderheiten des Geschäfts im Agrarsektor Russlands darstellen, der auch auf die regionalen Unterschiede des Landes eingeht.