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Organisation der Verköstigung von Kindern und Schülern in öffentlichen Einrichtungen der Russischen Föderation

Gesamtsituation

In den letzten Jahren war die Ernährungsstruktur der Bevölkerung der Russischen Föderation die Ernährungsstruktur wesentlich verändert. Insbesondere betrifft dies den Überschuss des Nahrungsenergiewertes infolge eines hohen Fett-, Salz- und Zuckerverzehrs sowie einer Mangelversorgung mit einer Reihe von Mikronährstoffen wie den Vitaminen С, В1 und В2, β-Carotin, Eisen, Kalzium und Jod.

Erkrankungen der Verdauungsorgane treten bei Schülern nach Erkrankungen der Atemorgane am zweithäufigsten auf, was in starkem Maße auf unausgewogene Ernährung zurückzuführen ist.

Zur Risikogruppe gehören auch Kinder im Alter von bis zu drei Jahren. Ein Verzicht auf das Stillen, ungesunde Ernährung von Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern in den ersten Lebensjahren bedingen eine negative Dynamik bei Gesundheitsindikatoren von Kindern und bei der Gesamtbevölkerung. In diesem Zusammenhang gilt die Sorge um eine sichere und vollwertige Ernährung der Kinder in Russland nunmehr als eine strategische nationale Priorität.[1]

Der Zeitraum zwischen 2017 und 2027 wird in der Russischen Föderation als „Jahrzehnt der Kindheit“ promotet und ist mit einem speziellen Aktionsprogramm verknüpft, das besonders gravierende Probleme im Bereich Kinder und Familie verringern helfen will. Die Gewährleistung eines gesunden Nahrungsangebots für Kinder ist eines der Aktivitätsschwerpunkte im Rahmen des „Jahrzehnts der Kindheit“. So wurde ein mehrstufiges Qualitätssystem mit ständigen Stichprobenuntersuchungen bei Nahrungsmitteln und von Gesundheitsindikatoren verschiedener Bevölkerungsgruppen, darunter auch von Kindern, eingeführt.

Die Gesundheitsvor- und -fürsorge für die Bevölkerung sowie die Vorbeugung von Krankheiten infolge mangelhafter und unausgewogener Ernährung wird in Russland als einer der Hauptaufgaben staatlicher Politik gesehen. Die derzeitigen Bemühungen zielen u.a. ab auf:

- Steigerung des Marktanteils inländischer Erzeugnisse für Kinder durch Modernisierung der industriellen Fertigung von Kindernahrungsmitteln,

- Expansion der inländischen Produktion grundlegender Lebensmittelrohstoffe, die moderne Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen,

- Entwicklung der Produktion angereicherter Lebensmittel, spezialisierter Kindernahrungsmittel, zweckbestimmter Produktlösungen, diätetischer (heilfördernder und vorbeugender) Lebensmittel, von Nahrungsmitteln und -ergänzungsstoffen, insbesondere auch für die Verpflegung von Kindern in öffentlichen Einrichtungen,

- Neuentwicklung und Einführung innovativer Techniken, einschließlich Bio- und Nanotechnologien, in die landwirtschaftliche Produktion und Lebensmittelindustrie.

Trotz dieser Maßnahmen und ungeachtet dessen, dass die Qualität und Sicherheit von Kindernahrungsmitteln als überdurchschnittlich gelten, besteht in der Organisation der Verpflegung für die Kinder des Vorschul- und Schulalters mit Lebensmitteln fortgesetzt eine Reihe gravierender Probleme, die u.a. auf eine Unterfinanzierung im Bereich der Ernährung in den haushaltsfinanzierten öffentlichen sozialen Einrichtungen, auf Defizite bei der Verfügbarkeit und Ausstattung zuverlässiger Mess- und Prüfgeräte zur Kontrolle der Bestandteile und Eigenschaften der (Kinder-) Nahrung, auf eine fehlende Überwachung der bestimmungskonformen Mittelverwendung nach der Zuweisung für die Organisation der Kinderverköstigung, die Nichteinhaltung lebensmitteltechnischer Vorschriften für allgemeine und Kinderlebensmittel sowie veraltete und abgenutzte technische Ausstattung in lebensmittelproduzierenden und -verarbeitenden Betrieben für Kindernahrung zurückzuführen ist.

Laut Angaben der russischen Agraraufsichtsbehörde Rosselchosnadsor stellt sich bei der Untersuchung der Nahrungsqualität in den sozialen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäusern, Truppenquartieren usw.) häufig heraus, dass ein erheblicher Teil (bis 30 %) der Produkte den Anforderungen nicht entspricht, insbesondere falsche Inhaltsangaben aufweist. Nach Auffassung der Behörde sollte das geltende Versorgungssystem in den sozialen Einrichtungen geändert werden, da die Ausschreibungsrichtlinien nicht auf die Qualität und Sicherheit abzielen, sondern einseitig auf den Preis der zu liefernden Lebensmittel.[2]

Weiterentwicklung der rechtlichen Grundlagen

In der Staatsduma steht aktuell ein Gesetzentwurf vor der Verabschiedung, der speziell ein Konzept zur gesunden Ernährung für Kinder vorsieht.[3] So sollen einheitliche methodische Empfehlungen für die in Kindergärten, Schulen und Ferienlagern angebotene Nahrung entwickelt werden, einschließlich diätetischer Ernährung. Auch wird die Ausarbeitung einer einheitlichen und verbindlichen Terminologie vorgeschlagen, die Begriffe wie “gesunde Kindernahrung“, „Sicherheit, Qualität und Echtheit der Lebensmittel für Kinder“, u.a. konkretisiert. Das Gesetz soll auch einzelne in den bisher geltenden normativen Regelungen enthaltene Forderungen aktualisieren, wie z.B. Verbot gentechnischer veränderter Organismen bei Kindernahrung sowie das Verbot der Verwendung von Agrochemikalien, Antibiotika, Hormonpräparaten und anderer Gefahrstoffe.

Zur Steigerung der Überwachungseffizienz sieht der Gesetzentwurf die Möglichkeit zur Bildung von Sonderkommissionen zur Qualitätsbewertung von Dienstleistungen für die Ernährung in Schulen, Kindergärten und Ferienlagern vor. Ferner wird vorgeschlagen, das jährliche Sicherheits- und Qualitätsmonitoring für Lebensmittel und die Beschaffung bzw. Zubereitung gesunder Nahrung für Kinder mittels fachspezialisierter Aufsichtsbehörden durchzuführen. Dabei soll die staatliche Aufsicht der Kinderverpflegung dem risikoorientierten Ansatz folgen. Die Abgeordneten schlagen auch die Einführung eines einheitlichen “Gütezeichens” für die Hersteller vor, das die Normkonformität der Kindernahrung bestätigen soll.

Anfang April 2019 wurde ein Gesetzentwurf über das Werbeverbot für Säuglingsnahrung (Anfangsmilch) in die Staatsduma eingebracht. Der Zweck dieses Entwurfs besteht in der Reduzierung von Umstellungen auf künstliche Säuglingsnahrung ohne schwerwiegende Gründe und ohne medizinische Indikation. Bei seiner planmäßigen Verabschiedung soll das Gesetz zum Januar 2020 in Kraft treten.

Am 05.04.19 fanden in der Staatsduma parlamentarische Anhörungen zum Thema „Verfügbarkeit, Sicherheit und Qualität der Schul- und Vorschulverpflegung“ statt, bei denen darauf hingewiesen wurde, dass das Recht auf die Überwachung der Nahrung in den Bildungseinrichtungen nicht nur den Schulleitern, sondern auch den Eltern eingeräumt werden soll.[4] [5]

Kinderernährung in den Bildungseinrichtungen

Seit 2005 wird in der Russischen Föderation das „Schulmilch“-Programm umgesetzt, dessen Hauptanliegen in der täglichen Versorgung mit Milch als Ergänzungsnahrung der Kinder in den allgemeinbildenden Einrichtungen besteht und das zur Gesundheitsförderung bei Kindern beitragen und ihr Bewusstsein für gesunde Ernährung stärken soll. Die tägliche Portion von 200 Gramm Milch erhalten hauptsächlich Schüler der ersten bis vierten Klasse. Das Programm wird bisher in 49 Regionen durchgeführt und hat seit 2005 mehr als 19,6 Mio. Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren erreicht. [6] [7]

Ein in den Jahren 2017 und 2018 vom Unterrichtsministerium in Auftrag gegebenes Monitoring ergab, dass 63,8 % der Schüler einmal pro Tag in der Schule eine Mahlzeit erhielten und 25,7 % zweimal.

Die Gründe dieser als unbefriedigend erachteten Versorgung der Kinder mit warmen Mahlzeiten sieht das Unterrichtsministerium in der unzureichenden Kompetenz der Regionen, im Mangel an ganzheitlichen Programmen für die Organisation der Schulverpflegung in einigen Regionen, in der schwachen Ausstattung der Schulküchen, in der Einseitigkeit der angebotenen Kost sowie im Mangel von Angeboten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Darüber hinaus führt die Behörde den Angebotsrückgang bei warmer Kost auf Buffet-Produkte und die ungenügende Qualität der Schulverpflegung auf Lieferantenprobleme zurück.

Zur Konzipierung eines einheitlichen Systems zur Verköstigung in Schulen veranlasste das Ministerium einen Wettbewerb, in dessen Rahmen die Rechtsvorschriften im Bereich der Schulverpflegung bis November 2019 analysiert, eine Auswahl der besten Projekte regionaler und kommunaler Systemen zur Schülerverköstigung getroffen sowie eine Tagung mit einer entsprechenden Ergebnispräsentation durchgeführt werden soll. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen bei der Ausgestaltung eines einheitlichen Systems zur Organisation der warmen Schulverpflegung zugrunde gelegt werden. [8]

Das Unterrichtsministerium beabsichtigt ferner auch eine Prüfung des Systems zur Verköstigung in Schulen in den einzelnen Regionen des Landes zur Evaluierung und ggf. Verbreitung bereits bewährter Lösungen. Die ermittelten Informationen sollen ebenfalls zur Ausgestaltung rechtlicher Grundlagen für die Verköstigung an Schulen herangezogen werden. [9]


[1] https://materirossii.ru/o-pravovyx-i-organizacionnyx-aspektax-obespecheniya-zdorovogo-pitaniya-detej-doshkolnogo-i-shkolnogo-vozrasta-v-rossijskoj-federacii-sovet-federacii-20-oktyabrya-2017-goda/

[2] https://news.rambler.ru/other/41991063-rosselhoznadzor-tret-produktov-pitaniya-ne-sootvetstvuet-standartam-kachestva/?updated

[3] https://www.pnp.ru/social/yarovaya-rasskazala-o-podgotovke-zakonoproekta-o-detskom-pitanii.html

[4] http://www.mosoblduma.ru/O_dume/Fractions/kprf/Novosti/278604#tab-text

[5] http://www.pediatr-russia.ru/sites/default/files/nacprog.pdf

[6] https://schoolmilk.info/o-programme/sut-programmy/

[7] https://schoolmilk.info/o-programme/rezultaty-programmy/

[8] https://newdaynews.ru/policy/661751.html

[9] https://tass.ru/obschestvo/6412036