<< zurück

Zur Entwicklung der russischen Landwirtschaft 2019: Allgemeine Trends und Marktentwicklung

Allgemeine Trends

Die Konjunktur der staatlich geförderten Agrarwirtschaft der Russischen Föderation, die in den letzten Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber der russischen Wirtschaft war, ließ im Jahr 2018 erste Anzeichen einer Abkühlung erkennen. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Deloitte schätzen lediglich 30 % aller russischen Agrarunternehmen die Entwicklungsperspektiven für 2019 in der Branche als „positiv“ ein – der niedrigste Wert der vergangenen vier Jahre.[1]

Das seit 2014 bestehende Lebensmittelembargo wurde abermals verlängert. Das zuvor strategisch verfolgte Ziel für die Branche, die Importsubstitution möglichst voranzutreiben, wurde von der Priorisierung abgelöst, das Agrarexportvolumen bis zum Jahr 2024 zu verdoppeln und auf bis zu 45 Mrd. USD zu erhöhen. Die Neuorientierung von der Importsubstitution hin zu einer aktiven Exportentwicklung wurde im nationalen Projekt „Export von Agrarerzeugnissen“ kodifiziert.

Das geltende staatliche Programm zur Entwicklung der Landwirtschaft (2013 - 2020) wurde bis 2025 verlängert. Das russische Landwirtschaftsministerium arbeitet gegenwärtig an Änderungen der einheitlichen Subventionsbeihilfen, die künftig auch die Besonderheiten der Regionen besser berücksichtigen. Die Subvention soll in eine kompensatorische und eine fördernde Komponente unterteilt werden. Der fördernde Teil soll dabei auf die Umsetzung der regionalen Programme abzielen, die zuvor auf der Basis von Wettbewerben ausgewählt werden. Die Unterteilung tritt 2020 in Kraft. Die Gesamtfinanzierung des staatlichen Programms zur Förderung im Agrarsektor für 2019 - 2025 beträgt mehr als 2,5 Billionen Rubel, davon 2,3 Billionen Rubel aus dem föderalen Haushalt.

Ein bedeutendes Ereignis stellte die Einführung des Systems der obligatorischen elektronischen tierärztlichen Zertifizierung dar - ein wichtiger Schritt für eine effektive Nachverfolgbarkeit in der Tierhaltung im Rahmen einer umfassenden Lebensmittelkontrolle. In der Branche wurden Aktivitäten zur praktischen umfangreichen Einführung digitaler Technologien und im Sinne einer beschleunigten Modernisierung sowie Entwicklung der einheimischen Selektion und Pflanzenzucht aktiviert.

Den positiven Trends in der Agrarwirtschaft stehen das Fehlen transparenter Spielregeln, eine stagnierende Nachfrage auf dem Binnenmarkt, Probleme bei der Zugänglichkeit zu Refinanzierungsinstrumenten (Krediten) sowie bei der Infrastruktur und Logistik, eine erhöhte administrative und steuerliche Belastung, der negative Einfluss von Sanktionen und politischen Turbulenzen sowie ein Kostenanstieg bei wichtigen Produktionsfaktoren (insbesondere Treibstoffen) gegenüber.[2]

Vor diesem Hintergrund schätzen Agrarproduzenten wie auch Fachexperten die Entwicklung 2019 für die russischen Landwirte verhaltener ein als im Vorjahr und sehen hierbei sowohl den anhaltenden Sanktionsdruck als auch die sich abkühlende Konjunktur als Hauptursachen. [3]

Pflanzenbau

Nach Informationen des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation werden 2019 die Saatflächen um 1,2 Mio. Hektar auf 80,5 Mio. Hektar erweitert, darunter 52,3 Mio. Hektar Sommerkulturen.[4] Die Anbauflächen für Zuckerrüben sollen in etwa dem Niveau des Vorjahres entsprechen, mit einer erwarteten Ernte von 5,9 Millionen Tonnen.[5]

Die Getreideernte soll im laufenden Jahr laut Angaben des Ministeriums einen Umfang von ca. 118 Mio. Tonnen (+ 5 % im Vergleich zu 2018) erreichen. Dabei soll der Ertrag von Weizen etwa 75 bis 78 Mio. Tonnen betragen, ca. 4 % mehr als 2018. Das Ministerium beziffert die prognostizierte Menge des exportierten Getreides in der laufenden Saison auf 42 Mio. Tonnen, darunter 37 Mio. Tonnen Weizen.[6]

Tierzucht

Für das Jahr 2019 prognostiziert das russische Landwirtschaftsministerium eine anhaltend positive Entwicklungsdynamik in der Milchbranche. Es geht von einer Steigerung der Rohmilcherzeugung um 1,6 % auf bis zu 31,1 Mio. Tonnen aus. 2018 erreichte die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh in landwirtschaftlichen Betrieben 5850 kg. Es wird das Ziel verfolgt, diese bis 2020 auf 6400 kg und bis zum Jahr 2024 auf 7100 kg zu erhöhen. Im Zuge der zunehmenden Milchproduktion in der Russischen Föderation wird eine Tendenz zur Verringerung von Zukäufen im Ausland festgestellt.[7]

Schätzungen zufolge wird 2019 die Herstellung von behandelter Milch um 2,5 bis 3 % steigen.[8] Grundlage hierfür sind eine Angleichung zwischen Angebot und Nachfrage, die Inbetriebnahme neuer Anlagen sowie eine Produktionsintensivierung.[9]

Beim Rohmilchpreis wird dagegen zum Sommer 2019 mit einem Rückgang um 2,00 bis 2,50 Rubel/kg im Vergleich zum aktuell geltenden Preis von 24,50 bis 25,60 Rubel/kg gerechnet.[10] Milchpreisinterventionen sind laut einer Verlautbarung des Landwirtschaftsministeriums nicht geplant.[11]

Für die erste Jahreshälfte 2019 erwarten Experten eine Preiserhöhung für verarbeitete Milchprodukte um 5 bis 10 %, bedingt durch verschärfte Anforderungen an die Kennzeichnung der Produkte mit Butterfettersatzstoffen, eine Steigerung der Mehrwertsteuer sowie höhere Treibstoffpreise.[12]

Nach den vorläufigen Prognosen des russischen Landwirtschaftsministeriums soll die Produktion von Schweinefleisch 2019 im Lebendgewicht etwa 5 Mio. Tonnen betragen, was eine Steigerung von ca. 4 % im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das Ministerium erwartet, dass das Preisniveau für Schweinefleisch 2019 im Rahmen der allgemeinen Inflation stabil bleibt.[13]

Der Ausbruch der Vogelgrippe zwang die größten Anbieter von Geflügel in Russland zur Vernichtung von ca. 10 % des Gesamtbestands. Dieser Rückschlag hat zu einer deutlichen Preissteigerung bei Hühnerfleisch um bis zu 20 % geführt.[14] Es wird erwartet, dass 2019 der Produktionsumfang bei Hühnerfleisch bestenfalls die Höhe des Vorjahres (4,9 Mio. Tonnen) erreicht oder sich um 2 bis 3 % verringert. Ein Preisrückgang ist vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten.[15]

Das Angebot an russischem Rindfleisch verbessert sich im Hinblick auf die Qualität, allerdings wächst der Produktionsumfang langsam. Das Importvolumen bei Rindfleisch ist daher nach wie vor bedeutend größer als bei Geflügel- und Schweinefleisch.[16] 2018 wurde Rindfleisch im Umfang von 1 645,1 Tausend Tonnen produziert, entsprechend 1,9 % mehr als im Vorjahr.[17]

Das Landwirtschaftsministerium geht bei einer entsprechenden Produktionssteigerung von einem großen Exportpotential für russisches Rindfleisch aus. So wird für das Jahr 2020 die Öffnung des chinesischen Marktes für russisches Rindfleisch erwartet, was der Rindfleischproduktion in Russland weiteren Auftrieb geben könnte.[18]



[1] https://agro.ru/news/31473-agrarii-rasskazali-o-svoih-ozhidaniyah

[2] https://www.interfax.ru/business/644108

[3] http://www.dairynews.ru/news/marina-petrova-2019-god-budet-dlya-agrariev-slozhn.html

[4] http://www.dairynews.ru/news/posevnaya-ploshchad-v-2019-godu-sostavit-80-5-mln-.html

[5] https://www.zol.ru/n/2e155

[6] https://www.zol.ru/n/2e14a

[7] http://mcx.ru/press-service/news/proizvodstvo-moloka-v-2019-godu-uvelichitsya-na-500-tys-tonn/

[8] http://kvedomosti.ru/news/v-2019-godu-proizvodstvo-tovarnogo-moloka-mozhet-vyrasti-na-3.html

[9] http://www.dairynews.ru/news/proizvodstvo-tovarnogo-moloka-v-rf-vyroslo-na-3-2.html

[10] http://www.dairynews.ru/news/kakoy-budet-tsena-na-syroe-moloko.html

[11] http://www.dairynews.ru/news/v-2019-godu-minselkhoz-ne-budet-provodit-molochnye.html

[12] http://www.dairynews.ru/news/moloku-predrekayut-podorozhanie.html

[13] http://mcx.ru/press-service/news/minselkhoz-ozhidaet-rost-proizvodstva-svininy-v-2019-godu/

[14] http://kvedomosti.ru/news/zdorovye-kury-podorozhali-iz-za-bolnyx.html

[15] https://metagazeta.ru/business/kury-ne-klyuyut/

[16] https://agrarii.com/miratorg-na-tret-uvelichil-proizvodstvo-govjadiny/

[17] https://agrovesti.net/lib/industries/beef-cattle/o-proizvodstve-myasa-i-myasoproduktov-v-rossii-v-2018-godu.html

[18] https://agro.ru/news/31722-rossiiskaya-govyadina-otpravitsya-v-kitai-v-2020-godu