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Ergebnisse des Landwirtschaftsjahres 2018 in der Russischen Föderation – Rückblick und Ausblick

Das russische Landwirtschaftsministerium zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2018: Es erwartet zum Jahresende ein umsatzbezogenes Wachstum der russischen Agrarbranche von 1 % im Vergleich zum Vorjahr. Trotz regional ungünstiger Witterungsbedingungen erfüllte die russische Landwirtschaft im Jahr 2018 bei Getreide und Körnerleguminosen die vom Landwirtschaftsministerium eingeplanten Mengen für die Verarbeitung im Binnenmarkt sowie für den Export. Die Aussaatfläche bei Winterfrüchten übersteigt in der gegenwärtigen Saison zum ersten Mal seit 2002 die Fläche von 80 Mio. ha. Auch bei den Ölfrüchten ist mit einem Umfang von etwa 18 Mio. Tonnen eine gute Ernte zu verzeichnen: Bei den Importeuren russischer Ölfrüchte wächst die Bedeutung Chinas, während die Türkei weiterhin ein wichtiges Abnehmerland bleibt. Der Gesamtexport russischer Agrarprodukte wird für 2018 auf rund 26 Mrd. US-Dollar prognostiziert. Trotz gesunkener Erzeugerpreise in der Milchproduktion stieg die Produktionsmenge aufgrund eines Wachstums der durchschnittlichen Milchleistung pro Kuh bei Milch um 1,2 %. Die Fleischproduktion bei Nutztieren und Geflügel stieg im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 insgesamt um 3 % auf 11,7 Mio. Tonnen Lebendgewicht. Bei Schweinefleisch und Geflügel kann die landesweite Nachfrage nunmehr durch die eigene Produktion gedeckt werden. Bei Rindfleisch beträgt der Selbstversorgungsgrad knapp 79 %.

Ungeachtet regional ungünstiger Witterungsbedingungen konnte der russische Agrarsektor im Jahr 2018 ein robustes Wachstum verzeichnen. Zum Jahresende erwartet der russische Landwirtschaftsminister Dmitrij Patruschew bei der landwirtschaftlichen Produktion eine Gesamtwachstumsrate in Höhe von ca. 1 % (2017: + 2,5 %, v.a. aufgrund der großen Ernte).

Das Landwirtschaftsministerium gab bekannt, dass die Ernte auch bei Getreide und Körnerleguminosen sehr erfolgreich war: Die Menge umfasst 110 Mio. Tonnen Lagergewicht bei 100 % abgeernteten Flächen und liegt damit über 11 % über dem Jahresdurchschnitt der letzten fünf Jahre. Im Jahr 2017 hatte Russland rekordfähige 135,4 Mio. Tonnen Getreide geerntet.[1]

Die diesjährige Erntemenge bei Getreide und Körnerleguminosen deckt sowohl den Binnenbedarf des Landes an diesen Gütern als auch die vom Landwirtschaftsministerium eingeplanten Mengen für den Export. Den Schätzungen des Ministeriums zufolge liegt das Exportpotential Russlands bei Getreide bei 39 Mio. Tonnen, davon 34 Mio. Tonnen Weizen. Der Gesamtgetreideexport im landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahr 2017-2018 (vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018) betrug 52,422 Mio. Tonnen, davon 40,449 Mio. Tonnen Weizen.[2] Einer Prognose des Landwirtschaftsministeriums der USA zufolge dürfte Russland 2018 mehr Getreide verkaufen als die Europäische Union und die USA zusammen.[3]

Dabei zeigt die qualitative Analyse des Getreides aus der Ernte 2018, dass fast die Hälfte des in Russland geernteten Weizens (46,3%) Weizen der 4. Klasse beinhaltet. Der Anteil des Qualitätsweizens wird auf 29,7 % geschätzt, und Weizen der 5. Klasse auf 23,6%. Der Anteil des Roggens der Brotroggenklasse beträgt je nach Region zwischen 88,5 % und 100,0 %.[4]

Die Aussaat der Winterfrüchte wurde in dieser Saison auf einer Fläche von über 17,5 Mio. ha durchgeführt – ein Zuwachs um 0,5 Mio. ha Fläche im Vergleich zum letzten Jahr.[5] Die Gesamtaussaatfläche für die Ernte 2019 wird in Russland voraussichtlich 80,5 Mio. ha betragen, ein Plus von 1,3 Mio. ha oder 1,6 % im Vergleich 2018. Sommerungen werden 2019 voraussichtlich auf einer Fläche von 52,9 Mio. ha ausgesät, 0,8 % mehr als im laufenden Jahr. Die Anbaufläche soll nach Angaben des russischen Statistikamts Rosstat zum ersten Mal seit 2002 80 Mio. ha überschreiten.[6]

Die Ernte von Ölpflanzen für das Jahr 2018 wird mit einem Umfang von 18 Mio. Tonnen (+ 1,5 Mio. Tonnen im Vergleich zum Vorjahr) angegeben, wobei bis Anfang Dezember ca. 90 % der Ölpflanzenflächen abgeerntet wurden.[7] Bei der Sonnenblumenernte prognostiziert die Marktforschungsagentur „SovEcon“ einen Umfang von 11,8 Mio. Tonnen im Lagergewicht (entsprechend + 1,3 Mio. Tonnen im Vergleich zum Vorjahr).[8] Die Erntemengen betrugen bei Sojabohnen 3,5 Mio. Tonnen, bei Sonnenblumenkernen 10,8 Mio. Tonnen und bei Raps 2,1 Mio. Tonnen.[9]

Ölpflanzen und Produkte ihrer Verarbeitung sind ein wichtiges Geschäftsfeld des russischen Exports. Allein in die Türkei liefert Russland jährlich ungefähr 0,5 Mio. Tonnen Erzeugnisse.[10] Dabei finden beim Export von Ölsamen und Pflanzenöl strukturelle Verschiebungen statt. Sojabohnen und Raps werden zu Spitzenreitern im Export von Ölsamen, während der Anteil des Ölleins zurückgeht. Sonnenblumenöl bleibt bei der Ausfuhr von Pflanzenöl führend, jedoch sinkt sein Anteil bedingt durch das dynamische Exportwachstum bei Soja- und Rapsöl. China ist für Russland heute nicht nur der größte Abnehmer beim Export von Sojabohnen, sondern wird allmählich auch zum führenden Handelspartner beim Export von Raps- sowie Soja- und Sonnenblumenöl.[11]

Auch ist die Zuckerrübenernte in Russland praktisch abgeschlossen. Die Erntemenge belief sich auf über 41 Mio. Tonnen. Die Kartoffelernte betrug 6,7 Mio. Tonnen, die Erntemenge bei Freilandgemüse 4,2 Mio. Tonnen und bei Treibhausgemüse knapp eine Million Tonnen. Bei Obst und Beeren betrug die Erntemenge über eine Million Tonnen.[12]

Die prognostizierte Ernte bei Treibhausgemüse erreicht damit einen neuen Rekord (Vorjahreswert 2017: 920.000 Tonnen). Dank der Erfolge des Gemüseanbaus unter Glas beträgt der Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung bei diesen Erzeugnissen nunmehr etwa 57 % gegenüber 40 % im 2015.[13]

Die Fleischproduktion bei Nutztieren und Geflügel stieg im Zeitraum Januar bis Oktober 2018 in Betrieben aller Rechtsformen um 3 % auf 11,7 Mio. Tonnen (Lebendgewicht). Der Anstieg bei der Eierproduktion betrug im Zeitraum von Januar bis Oktober 38 Mrd. Stück bzw. 0,6 %. [14]

Der Selbstversorgungsgrad bei Fleisch betrug in Russland im Jahr 2018 insgesamt 94,6 %[15] und konnte damit im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 % gesteigert werden. Bei Schweinefleisch wurde ein Selbstversorgungsgrad von 100,7 % erreicht, bei Geflügel in Höhe von 99,6 % und bei Rindfleisch in Höhe von 78,9 %[16].

Das fortgesetzte Angebotsdefizit auf dem Markt für Rindfleisch besteht aufgrund des Angebotsrückgangs einheimischer Produzenten und einer geringeren Importmenge. Der Geflügelmarkt zeigte als erstes Anzeichen der Marktsättigung mit einem Preisverfall. Zudem wirken sich aktuell hohe Preise für Futtermittel und Tierarznei dämpfend auf das weitere Marktwachstum aus.

2018 stand die Schweinefleischproduktion an der Spitze beim Produktionswachstum. Die Gründe hierfür sind ein höherer Tierbestand bzw. die fortgesetzte Aufstockung von Produktionskapazitäten bzw. der Neueinstieg weiterer Großproduzenten in den Markt.

Beeinflusst wurde die Fleischbranche 2018 u.a. von dämpfenden Faktoren, wie der Afrikanischen Schweinepest und Vogelgrippe, die Verteuerung von Treibstoffen und Futtermittelbestandteilen sowie durch Exportbeschränkungen. Positiven Einfluss dagegen zeigten ein besserer Zugang der Produzenten zu Krediten und die Stabilisierung (mit leichter Wachstumstendenz) des Kaufkraftniveaus der Bevölkerung. [17]

Ungeachtet einer deutlichen Erzeugerpreissenkung bei Milch stieg die Milchproduktion weiterhin an. Den Angaben des Landwirtschaftsministeriums zufolge betrug die gesamte Milchproduktion in Betrieben aller Rechtsformen 27,1 Mio. Tonnen und stieg damit im Vergleich zum Vorjahrswert um 1,2 % an, darunter in landwirtschaftlichen Großbetrieben um 3,6 % auf 13,6 Millionen Tonnen. Dies ist vor allem auf die Erhöhung der Milchleistung zurückzuführen. So lag die Milchleistung je Kuh von Januar bis Oktober 2018 in landwirtschaftlichen Großbetrieben bei 5.450 kg (+ 3,1 % zum vergleichbaren Zeitraum 2017). Gemäß der Prognose des Instituts für Konjunktur für Agrarmärkte (IKAR) könnte die Milchproduktion zum Jahresende insgesamt ca. 31,4 Mio. Tonnen erreichen, davon in landwirtschaftlichen Großbetrieben ungefähr 16 Mio. Tonnen.[18] Zuvor prognostizierte das russische Landwirtschaftsministerium für 2018 ein Wachstum der Milchproduktion um 2 % im Vergleich zum Jahr 2017 mit 31,2 Mio. Tonnen.[19]

Den Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums zufolge erreicht das Gesamtexportvolumen von Agrargütern aus Russland zum Jahresende 2018 einen Umfang von ca. 26 Mrd. US-Dollar.[20] Bis Ende Oktober belief sich das Volumen auf 21 Mrd. US-Dollar. Das Dekret des russischen Präsidenten vom Mai 2018 sieht eine Erhöhung der russischen Agrarexporte auf 45 Mrd. US-Dollar pro Jahr bis zum Jahr 2024 vor. Dies entspricht mehr als einer Verdopplung des Wertes von 20,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017.[21]

Einschätzungen von Branchenexperten zufolge entwickelten sich zwischenzeitlich die Bedingungen für die Produktionssteigerung bei ökologischen Erzeugnissen in Russland besonders gut, so dass der Ökolandbau zu einem neuen Exporttreiber werden könnte. Noch liegt der Anteil der russischen Ökoproduzenten unter 5 % aller Agrarbetriebe des Landes. Doch verzeichnet genau dieses Segment der landwirtschaftlichen Produktion ein besonders aktives Wachstum. Die russischen Ökolandbauproduzenten liefern ihre Erzeugnisse bereits nicht nur für den Binnenmarkt, sondern auch ins Ausland. So haben bereits über 50 russische landwirtschaftliche Ökoproduzenten eine Zertifizierung nach den Vorschriften der Europäischen Union erfolgreich abgeschlossen. [22]

Insgesamt startet die russische Landwirtschaft optimistisch ins Jahr 2019. Es wird erwartet, dass das Verfahren bei der „einheitlichen Agrarsubvention“, den Zuschüssen für eine teilweise Erstattung direkter Bau- sowie Modernisierungskosten für Objekte des Agrarsektors sowie das staatliche Programm zur Förderung der Agrarversicherung geändert wird. Zudem sollen die drei neue Projekte „Export der Agrarerzeugnisse“, „Etablierung eines Systems zur Förderung der Landwirte und Agrargenossenschaften“ sowie das ressortgebundene Projekt „Digitalisierung der Landwirtschaft“ in das staatliche Sonderprogramm zur Entwicklung der Landwirtschaft aufgenommen werden. Damit soll die Effizienz des staatlichen Sonderprogramms erhöht und die vorrangigen Ziele des Agrarsektors, wie z.B. die Steigerung des Agrarexports, die Entwicklung der Agrargenossenschaften und Digitalisierung fokussiert werden. Auch die Einbindung der Regionen bei der Agrarförderung wird 2019 voraussichtlich ein wichtiges Thema bleiben.


[1] https://www.zol.ru/n/2d7a9

[2] https://www.zol.ru/n/2d7ad

[3] http://www.dairynews.ru/news/rossiya-uvelichivaet-eksport-selkhozproduktsii.html

[4] https://www.zol.ru/n/2d7fe

[5] http://kremlin.ru/events/president/news/59293

[6] https://www.zol.ru/n/2d6a7

[7] https://www.zol.ru/n/2d7a9

[8] http://www.sovecon.ru/analytics/market/2018/12/06/news_17133.html

[9] https://www.zol.ru/n/2d78f

[10] http://www.dairynews.ru/news/rossiya-uvelichivaet-eksport-selkhozproduktsii.html

[11] http://www.sovecon.ru/analytics/market/2018/12/06/news_17133.html

[12] http://kremlin.ru/events/president/news/59293

[13] http://mcx.ru/press-service/news/minselkhoz-prognoziruet-udvoenie-proizvodstva-teplichnykh-ovoshchey-k-2024-godu/

[14] http://www.dairynews.ru/news/selkhozproizvodstvo-v-rf-v-oktyabre-vozobnovilo-ro.html

[15] (http://www.gks.ru/free_doc/doc_2018/bul_dr/sx/sx-potr18.rar

[16] https://docs.eaeunion.org/pd/ru-ru/0121890/pd_17072017_att.pdf

[17] https://www.agroinvestor.ru/analytics/article/30893-myasnye-rynki-doshli-do-tochki/

[18] http://kvedomosti.ru/news/rentabelnost-molochnyx-ferm-v-2018-godu-snizitsya.html

[19] https://milknews.ru/index/proizvodstvo-moloka-prognoz-mehr.html

[20] https://www.zol.ru/n/2d7ad

[21] https://www.zol.ru/n/2d72d

[22] http://www.dairynews.ru/news/rossiya-uvelichivaet-eksport-selkhozproduktsii.html