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Zur aktuellen Lage der Milchproduktion in der Russischen Föderation

Überblick

Lange befand sich die russische Milchproduktion in einer Phase der Stagnation. Die niedrige Wirtschaftlichkeit und eine lange Refinanzierungsdauer der Produktionsrichtung beeinträchtigten die Attraktivität für Investoren und somit auch die Steigerung der Produktionsmenge. Jedoch reduzierten die Einführung des Lebensmittelembargos durch Marktzutrittsbarrieren für ausländische Lieferanten und die Abwertung des Rubels auch das Importvolumen und die Importquote. Dies setzte Anreize für mehr inländische Investitionen in die Milchproduktion. Zusätzliche staatliche Förderprogramme hatten ebenfalls positive Auswirkungen auf die Erweiterung der Milchproduktion.

Seit dem Jahr 2014 stieg die Produktion von Rohmilch um 2 Millionen Tonnen oder etwa 10 %.[1] Im Jahr 2017 betrug das Wachstum in Betrieben aller Rechtsformen 1,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Die insgesamt produzierte Menge lag bei 31,12 Mio. Tonnen. Davon stieg die Produktion in den landwirtschaftlichen Großbetrieben um 3,8 % (bzw. 578.400 t), bei den bäuerlichen Betrieben um 7,9 % (bzw. 173.800 t), und ging dagegen in den Hauswirtschaften der Bevölkerung um 2,9 % (bzw. 390.500 t) zurück.

In Betrieben aller Rechtsformen gingen der Milchkuhbestand im Jahr 2017 um ca. 61.000 Tiere im Vergleich zum Vorjahr zurück (entsprechend - 0,7 %) und betrug insgesamt 8,2 Millionen Tiere.

Derzeit sind ca. 19.500 große Milcherzeugerbetriebe tätig (Betriebsformen außer „Hauswirtschaften der Bevölkerung“). Der Anteil der Kleinbetriebe (mit weniger als 400 Kühen) beträgt 88 % aller Milchbetriebe. Hier werden 45 % der gesamten Milchmenge produziert. Der Anteil der mittleren Betriebe (400 - 800 Kühe) beträgt 7,7 % und produziert 22 % der Milchmenge.

Der Anteil großer Milchviehanlagen mit einem Kuhbestand von 800 und mehr Tieren mit modernen Verfahren für Haltung und Fütterung beträgt nur etwa 4 %, allerdings werden hier etwa 33 % der gesamten Milchmenge produziert. Die Durchschnittliche Milchleistung pro Kuh und Jahr in großen Anlagen übersteigt die von Kleinbetrieben um etwa 2.000 kg Milch pro Kuh und Jahr.[2]

Von Januar bis Juli 2018 betrug die Bruttomilchmenge in Betrieben aller Rechtskategorien 18,8 Mio. Tonnen (+ 1,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum). In landwirtschaftlichen Großbetrieben stieg die Menge um 3,7 % auf 9,7 Mio. Tonnen, wobei das Wachstum auf eine Steigerung der Milchleistung zurückzuführen ist. Diese lag im betrachteten Zeitraum in landwirtschaftlichen Großbetrieben bei 3.856 kg pro Kuh und Jahr (+ 2.7 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum).[3]

2017 betrug der Anteil inländischer Erzeugnisse in der Kategorie "Milch" 82,4 %. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs um 2,1 %, allerdings wird der Schwellenzielwert von 90 % noch deutlich verfehlt. Jedoch liegt der Index über dem vorab prognostizierten Wert von 80,1 %. Im Vergleich dazu betrug der Selbstversorgungsgrad mit einheimischen Milchprodukten Jahr 2013 noch 76,5 %.[4]

Probleme und Perspektiven des Milchsektors

Das Tempo der Entwicklung der Milchproduktion in Russland bleibt hinsichtlich der Vorgaben durch die Doktrin der Ernährungssicherheit und das Entwicklungsprogramms für die Landwirtschaft im Rückstand. Aufgrund ihrer Spezifika verändert sich die Milchbranche langsamer als erwartet. [5]

Experten nennen hier folgende entwicklungshemmende Faktoren des Milchsektors:

- das Fehlen eines Systems für Investitionszuschüsse auf föderaler Ebene für Erzeuger, die eine technologische Modernisierung durchführen, jedoch nicht für das System der Projektfinanzierung oder das System der zinsgünstigen Investitionskredite ausgewählt wurden,

- begrenzte Unterstützung für den Einsatz von importierter Technik und Verfahren,

- das Fehlen wirksamer Mechanismen zur Gewährleistung einer effizienteren Nutzung landwirtschaftlicher Nutzflächen, die brach liegen,

- die Ausrichtung der staatlichen Förderung große und sehr große Produzenten, vor allem in Regionen mit hohem agrarbiologischem Potenzial.[6]

Vertreter der Branche weisen auf folgende Aspekte hin, die sich negativ auf die Situation im Milchsektor und Milchmarkt der Russischen Föderation auswirken: "Verschleierte Lieferungen" zur Umgehung des Embargos über die bzw. aus der Republik Weißrussland, Produktfälschungen, billiges Milchpulver (einschließlich weißrussischer Produktion), ein Rückgang der Verbrauchernachfrage[7] und damit verbundene Angebotsüberschüsse auf dem Markt, Rückgang von Erzeugerpreisen (besonders akut im ersten Halbjahr 2017)[8] und eine unzureichende Effektivität der staatlichen Förderungspolitik. [9]

Aktuell verfolgt das russische Landwirtschaftsministerium das Ziel, weitere Investitionen in die Milchproduktion zu fördern, d.h. in die Gründung sowohl von großen High-Tech-Unternehmen als auch kleinerer und mittlerer Betriebe (Milchviehanlagen) mit modernen Technologien für die Haltung und Fütterung. Hierzu sind erforderlich:

1. Eine grundlegende Lösung von Fragen zur Entwicklung des Futteranbaus und der Futteraufbereitung,

2. Die Weiterentwicklung und Verbesserung der Zuchtbasis für Milchrinderrassen,

3. Die technische Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe unter Berücksichtigung der Faktoren für die Wirtschaftlichkeit des Herstellungsprozesses.[10]

Im vergangenen Jahr haben Experten zum ersten Mal seit vielen Jahren die Milchviehhaltung als eine der für Investitionen attraktivsten landwirtschaftlichen Branchen bewertet. Der Milchmarkt weist in Bezug auf die wachsende Nachfrage nach Molkereiprodukten (innerhalb der nächsten 8 bis 10 Jahre gilt ein Anstieg um 25 – 30 % als möglich) und durch die Exportentwicklung ein hohes Wachstumspotenzial auf.

Die zuständigen Aufsichtsbehörden (Rospotrebnadsor, Rosselchosnadsor) erarbeiten Konzepte zur Verbesserung der Lebensmittelqualität von Milchprodukten und in diesem Zusammenhang auch zur Eindämmung von Produktfälschungen.[11] [12] Konkret in der Planung befindet sich in der Russischen Föderation bereits das Vorhaben, ab 2019 das Auslegen milchhaltiger Produkte mit Milchfettersatz unmittelbar neben Milchprodukten in den Ladenregalen zu untersagen.[13]

Seit dem 1. Juli 2018 ist in Russland die obligatorische elektronische Veterinärzertifizierung (EVZ) in Kraft, um den Herstellungsprozess tierischer Produkte "vom Stall bis zur Ladentheke" transparent verfolgen zu können. Unter ihren Geltungsbereich fallen Rohmilch und Milchprodukte, die aus nicht pasteurisierter Rohmilch produziert werden. [14] Fertige Milchprodukte, die aus pasteurisierter Milch hergestellt werden, unterliegen nicht dem EVZ-Verfahren, sondern werden statt dessen mit einem speziellen Data Matrix-Code gekennzeichnet, der alle Informationen über die einzelnen Produktions- und Verarbeitungsschritte in der Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Kauf an der Kasse enthalten soll. [15]

Auswirkungen des Embargos auf die Branche

In den vier Jahren seit der Einführung des Lebensmittelembargos gab es keine revolutionären Veränderungen in der Milchbranche. Es gelang, kritische Folgen für den Markt zu vermeiden, allerdings hat sich die Struktur des Marktes verändert. Der Anteil der Produkte aus Weißrussland am Gesamtimport für Milchprodukte hat sich fast verdoppelt und erreicht nun über 80 %. Vorteilhaft war das Embargo auch für Hersteller milchintensiver Produkte: Das Produktionsvolumen von Käse ist deutlich gewachsen, ebenso verzeichnete die Produktion von Sahne, Butter und Vollmilchpulver einen Anstieg.

Die Abwertung des Rubels zeitigte dagegen negative Auswirkungen auf die Kaufkraft - und infolgedessen auf die Nachfrage von Milch - und führte zu höheren Produktionskosten bei Milch- und Fertigprodukten. Ungeachtet dessen erwies sich aufgrund günstiger Preisbedingungen und Maßnahmen der staatlichen Förderung (einschließlich der Erstattung von Investitionskosten und der Beihilfe pro Liter abgelieferter Milch) das Wachstum der Rohmilchproduktion während der gesamten vierjährigen Periode als kontinuierlich positiv. Für die weitere Entwicklung des Milchsektors ist aber auch zu berücksichtigen, dass die stimulierende Wirkung der Sanktionen als bereits ausgeschöpft gilt.[16]

Prognosen für die Entwicklung der Branche

Heute bestimmt die Nachfrage die Entwicklung des Milchmarktes. Das Einkommenswachstum der Bevölkerung, das nach mehreren Jahren der Rezession wieder einen leichten Anstieg verzeichnet, schafft die Voraussetzungen für eine Stabilisierung und einen zunehmenden Konsum von Molkereiprodukten (für den Zeitraum der nächsten 10 Jahre wird ein Nachfragewachstum von bis zu 30 % erwartet).[17] [18] Zwischenzeitlich hat der Verbrauch von Milcherzeugnissen in Russland den Wert von 250 kg pro Person und Jahr aus der Zeit vor der Krise ab 2014 erreicht (die vom Gesundheitsministerium empfohlene Norm beträgt 325 kg).[19]

Nach den Schätzungen des russischen Landwirtschaftsministeriums kann Russland in diesem Jahr die Milchproduktion um knapp 2 % auf 31,630 Millionen Tonnen steigern[20]. Um den angestrebten Selbstversorgungsgrad bei Milch von 90 % zu erreichen, benötigen die russischen Landwirte voraussichtlich noch etwa sechs bis acht Jahre.[21]

Experten und Branchenvertreter erwarten Ende 2018 ein Wachstum der Marktmilchproduktion in einer Größenordnung von 2,5 – 3 %. Der Anstieg des Konsums von Milchprodukten wird auf eine Größenordnung von 0,8 bis 2 % geschätzt.[22][23]

Das Landwirtschaftsministerium prognostiziert ein Exportwachstum bei Milchprodukten auf bis zu 1,8 Mio. Tonnen (bezogen auf Rohmilch) bis 2024 (Stand 2017: 700.000 Tonnen). Vorrange Absatzmärkte im Export von Milchprodukten sind China, Südostasien, GUS-Staaten und Länder des Nahen Ostens.[24] Branchenexperten und Analysten schätzen vor dem Hintergrund der bestehenden Herausforderungen, u.a. im Zusammenhang mit der Qualität von Milchprodukten, die Aussichten für die Exportentwicklung bei Milchprodukten dagegen zurückhaltender ein.[25]


[1] http://www.dairynews.ru/news/obzor-rossiyskogo-rynka-molochnoy-produktsii.html

[2] http://council.gov.ru/activity/activities/parliamentary/91585/

[3] http://mcx.ru/upload/iblock/dae/daeb1d72eec31d3a5161f20b97461fcd.pdf

[4] http://www.dairynews.ru/news/rossiya-obespechena-otechestvennym-molokom-na-82-4.html

[5] http://www.dairynews.ru/news/andrey-sizov-molochnuyu-otrasl-nelzya-nazvat-otsta.html

[6] http://www.dairynews.ru/news/molochnoe-zhivotnovodstvo-rossii-faktory-razvitiya.html

[7] http://www.dairynews.ru/news/nispadayushchie-trendy.html

[8] https://milknews.ru/index/proizvodstvo-tovarnoe-moloko-rf.html

[9] http://www.dairynews.ru/news/minimum-na-moloko.html

[10] http://council.gov.ru/activity/activities/parliamentary/91585/

[11] http://www.dairynews.ru/news/pravitelstvo-initsiirovalo-masshtabnuyu-proverku-m.html

[12] https://agro.ru/news/30688-roskachestvo-opredelilo-masshtaby-narushenii-na-molochnom-rynke

[13] http://www.dairynews.ru/news/v-rf-s-2019-goda-planiruetsya-zapretit-vykladku-mo.html

[14] http://www.dairynews.ru/news/poklonenie-merkuriyu-v-rossii-nachinaet-rabotat-pr.html

[15] https://milknews.ru/spetsproekti/prostymi-slovami/markirovka-crpt.html

[16] https://milknews.ru/analitika-rinka-moloka/rinok-moloka-v-Rossii/4-goda-prodembargo.html

[17] http://www.dairynews.ru/news/obzor-rossiyskogo-rynka-molochnoy-produktsii.html

[18] https://milknews.ru/index/proizvodstvo-tovarnoe-moloko-rf.html

[19] http://www.dairynews.ru/news/uroven-potrebleniya-molochnoy-produktsii-v-rossii-.html

[20] https://milknews.ru/index/rf-moloko-proizvodstvo-plany.html

[21] https://milknews.ru/index/patrushev-samoobespechenie-moloko.html

[22] https://milknews.ru/index/proizvodstvo-tovarnoe-moloko-rf.html

[23] http://www.dairynews.ru/news/proizvodstvo-molochnykh-produktov-vyrastet-na-3-po.html

[24] http://kvedomosti.ru/news/minselxoz-ozhidaet-rosta-rossijskogo-molochnogo-eksporta-do-1-8-mln-tonn-k-2024-godu.html

[25] http://www.dairynews.ru/news/mayskoe-moloko-na-eksport.html