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Workshop „Best Practices von Einzelbetrieben und überbetrieblichen Zusammenschlüssen für die Produktion und Vermarktung von Rindfleisch in Deutschland“

Die Rinderhaltung liefert einen sehr wichtigen Beitrag zur globalen Ernährungssicherung und zu einer effizienten Nutzung unserer globalen Landressourcen. Die Zahl der Rinder in Russland hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Ausgehend von der Bedeutung und Relevanz der Rindfleischproduktion und dem Interesse russischer Landwirte an den Erfahrungen mit der Organisation von landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland, Familienbetrieben und insbesondere Genossenschaften, organisierte das Projekt Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog einen Workshop zum Thema "Erfolgreiche Erfahrungen einzelner landwirtschaftlicher Produzenten und Genossenschaften in der Rindfleischproduktion und -vermarktung in Deutschland", der von Olga Bashmachnikova, Vizepräsidentin von AKKOR, Jens Schaps, Experte des Deutschen Bauernverbandes und Tatjana Damm, stellv. Leiterin des Projektes moderiert wurde.

In vielen Regionen der EU werden Rinder einer Zweinutzungsrasse (Fleisch und Milch) gehalten, in anderen spezialisierte Milch- und Fleischrassen. Von den gut 10 Millionen landwirtschaftlichen Betrieben halten etwa 17% Rinder zur Fleischerzeugung mit einem durchschnittlichen Besatz von 60 VE je Betrieb. Die wichtigsten Erzeuger sind Deutschland, Frankreich, Italien und Polen, die zusammen etwa die Hälfte der Rinderbestände in der EU auf sich vereinen.

Die Einkommenssituation der Rindermastbetriebe ist traditionell eine der niedrigsten im Vergleich zu anderen ladwirtschaftlich betrieblichen Spezialisierungen. Ohne die aktuelle Betriebsprämie aus den Stützungsprogrammen der aktuellen GAP wäre für viele Betriebe das Betriebseinkommen negativ. Gleichzeitig hat die Konzentration der Schlachtbetriebe enorm zugenommen, in vielen Regionen gibt es für die Landwirte kaum Schlachtalternativen und die Transportwege der Tiere sind im Einzelfall sehr lang. In Deutschland werden mehr als 80% der Schlachtungen in den größten zehn Schlachtbetrieben durchgeführt.

Die Alternativen zu der stark konzentrierten Schlachtindustrie haben Herr Michael Lampl und Herr Konrad Ammon anhand ihrer Schlachtbetriebe demonstriert.

Michael Lampl teilte den AKKOR-Mitgliedern seine Erfahrungen aus der Arbeit in einem klassischen deutschen Familienbetrieb mit. Er führt die Tradition seiner Familie fort. Im Jahr 2013 stieg Michael Lampl in die Metzgerei ein und baute den Betriebszweig zur heutigen Form aus. Ab Januar 2022 wird die Schlachtung im hofeigenen Schlachthausdurchgeführt. Durch den Bau des eigenen Schlachthauses ist der Betrieb vom freien Markt unabhängig. Regionalität und Qualität sind somit auch für die Zukunft gesichert. Die Vertriebswege laufen über ein Ladengeschäft direkt am Hof (ca. 60% des Umsatzes), über Widerverkäufer und Gastronomie (ca. 30% des Umsatzes) sowie über einen Onlineshop (ca. 10% des Umsatzes). Um neue Kunden zu akquirieren, werden Seminare organisiert und Einblicke in die Fleischproduktion gewährt.

Der Schlachthof Fürth-Burgfarrnbach wurde 1990/1991 auf Initiative von Metzgern gegründet. 107 Anteilseigner (Metzger, Direktvermarkter, Landwirte, Schlachter, Viehhändler) engagieren sich darin für eine erfolgreiche Zukunft der Schlachtstätte. Ab 2020 wurden Investitionen von 5,5 Mio. Euro u.a. für Maßnahmen für den Tierschutz, Vergrößerung der Stallflächen, ein Kühlhaus mit umweltfreundlichem Kühlsystem, eine neue Zufahrt etc. getätigt. Der Schlachthof verwendet eine moderne, tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode. Die Tiere werden von regionalen Erzeugern geliefert. Alle Transportkosten gehen zu Lasten der Lieferanten. In seiner Rede hob Herr Ammon die Erfolgsfaktoren der Unternehmensentwicklung hervor, erwähnte aber auch mögliche zukünftige Probleme bei der Rohstoffversorgung.

Die russischen Teilnehmer interessierten sich für die erfolgreichen Erfahrungen der deutschen Landwirte. Kamijar Baitemirow, Präsident des Verbandes der Landwirte und Bauernhöfe der Republik Tatarstan, lud deutsche Experten in die Republik ein, um ihre Kenntnisse in Bezug auf Zerlegung und Verarbeitung von Fleisch in der Praxis weiterzugeben und schlug außerdem vor, einen Film oder Broschüren zu produzieren, um eine größere Anzahl von Landwirten mit dem aktuellen Thema vertraut zu machen.

Das nächste Seminar zum Thema Milchviehhaltung ist für Dezember 2021 geplant.