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Messebesuch der Russischen Delegation auf der Internationalen Fachmesse ANUGA in Köln

Vom 8. bis zum 11. Oktober reiste eine russische Delegation mit Unterstützung des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs zur Weltleitmesse für Ernährung und Lebensmittel ANUGA nach Köln. Aufgrund der strengen Einreisebeschränkungen durch die Corona-Pandemie, konnte nur eine relativ kleine Gruppe teilnehmen. Zu dieser gehörten Maxim Uwajdow, stellvertretender Landwirtschaftsminister der Russischen Föderation, und andere Kollegen des Landwirtschaftsministeriums, sowie Vertreter der Botschaft und des Generalkonsulats der Russischen Föderation.

Am 9. Oktober fand die offizielle Eröffnungsfeier der ANUGA 2021, bei der die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, Henriette Recker, die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen Ursula Heinen-Esser sowie die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner die Gäste der Messe begrüßten, statt. Noch vor der feierlichen Eröffnung der ANUGA kam es zu einem erfolgreichen kurzen Austausch von Herrn Uwajdow mit der deutschen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Frau Klöckner und Herr Uwajdow sind sich bereits mehrere Mal begegnet und wechselten vertraut einige persönliche und berufliche Worte. Ebenfalls anwesend waren Vertreter des BMEL.

Direkt im Anschluss folgte die offizielle Eröffnungsfeier der russischen Exposition, bei der Herr Uwajdow und der Generalkonsul Alexej Dronow ihre Grußworte sprachen. Trotz strenger Einreisebedingungen war es u.a. mithilfe des APD gelungen, über 40 russische Aussteller zur ANUGA anreisen und ihre Produkte vorstellen zu lassen. Nach einem Rundgang durch die russische Exposition ging es für die Delegation weiter zu einem Besuch der Messeausstellung.

Neben dem Messebesuch wurden vorab zwei Themenschwerpunkte für die Reise definiert: zum einen diente die FIF der Kenntniserweiterung und dem internationalen Erfahrungsaustausch im Bereich des ökologischen Landbaus und des Agrotourismus als Potenziale für Familienbetriebe. Zum anderen sollte der russischen Delegation Erfahrungen aus Deutschland im Bereich der Agrarausbildung allgemein und der dualen Agrarausbildung nähergebracht werden.

Als Vize-Landwirtschaftsminister hält Herr Uwajdow u.a. die Zuständigkeit der Agrarausbildung im Russischen Landwirtschaftsministerium inne. Ihm unterstehen 56 Agrarausbildungsstätten. Vor dem Hintergrund der laufenden APD-Initiative zum Aufbau eines dualen Agrarausbildungssystems in Russland in Zusammenarbeit mit Dr. Feiter, Franz-Josef, Staatssekretär a.D. BMEL und ehemaliger Generalsekretär des Europäischen Bauernverbands, war ein Arbeitsgespräch zwischen den Herren Uwajdow und Dr. Feiter angesetzt. Das Gespräch verlief lebhaft und effizient. Dr. Feiter konnte das Interesse von Herrn Uwajdow für die APD-Initiative zur Stärkung der dualen Ausbildung in Russland gewinnen.

Am Sonntag, 10. Oktober, standen unter der Leitung von Dr. Feiter zwei Betriebsbesuche auf landwirtschaftlichen Familienbetrieben auf dem Programm, die sich neben der „reinen“ Landwirtschaft alternative Standbeine aufgebaut haben. Die Diversifizierung von Einkommensquellen im ländlichen Raum ist zurzeit ein sehr aktuelles Thema in der russischen Landwirtschaftspolitik. In mehreren Online-Veranstaltungen hat der APD bereits dieses Thema aufgegriffen. Der Besuch der Delegation gab nach einer langen Corona-bedingten Pause den russischen Partnern nun endlich die Möglichkeit, sich anhand von Praxisbeispielen vor Ort ein Bild zu machen.

Die erste Besichtigung führte zum über 500 Jahre alten Berderhof in Willich-Schiefbahn. Die Eigentümer Anja und Georg Heyes zeigten der Delegation ihr eignes Hofrestaurant, das mit einer gehobenen Küche mit hofeigenen Produkten sowie regionalen Partnern in eine entspannte, ländliche Atmosphäre einlädt.

Die zweite Besichtigung führte auf den Familienbetrieb Stautenhof von Familie Leiders. Zu dem Biohof gehören ein großer Hofladen mit Metzgerei, Käsetheke, Bäckerei, Obst- und Gemüsebereich sowie ein Bistro. Die Familie Leiders bewirtschaften ihren Hof nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Ihre Produkte verkaufen sie ab Hof Verkauf in einem großen Hofladen.

Die Anwesenden waren mit dem Verlauf der Besuche auf den Betrieben sehr zufrieden. Es ist deutlich geworden, dass die Ausweitung der Landwirtschaft auf die agrartouristischen Bereiche gute Chancen für die Betriebe und im zweiten Schritt auch für den ländlichen Raum insgesamt bieten. Bei den beiden Familien ist aber auch genauso klar geworden, dass dieser Wandel nur gelingt mit Personen und Persönlichkeiten, die zum einen veränderungsbereit und risikofreudig, zum anderen offen und kontaktfähig und vor allem gut ausgebildet sind.

Insgesamt waren alle Beteiligten trotz erschwerter Bedingungen sehr zufrieden mit dem Ablauf des Messebesuchs, der Gespräche und Betriebsbesuche. Es konnte ein fachlich ansprechendes und vielseitiges Programm für die Fachinformationsfahrt realisiert werden. Die Delegation des Russischen Landwirtschaftsministeriums zeigten großes fachliche Interesse am Agrotourismus. Der APD nutzte die Gelegenheit, ergänzend zu den kürzlich erstellten Materialien, Beispiele für erfolgreichen Agrartourismus und Förderpolitik in Deutschland, auch in der Praxis vorzuzeigen. Ebenfalls zielführend und fruchtbar bewertet der APD das Gespräch zum Thema duale Ausbildung, bei dem neue und interessante Ansatzpunkte erarbeitet wurden. Die Erkenntnisse werden in den bestehenden Konzeptentwurf des APD zur Status Quo Analyse der dualen Agrarausbildung eingearbeitet.