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Plenarsitzung der Internationalen Konferenz "Strategische Richtungen zur Entwicklung des technischen Potenzials der Agrarwirtschaft. Innovationen und Digitalisierung"

Am 25. Mai 2021 fand an der Staatlichen Agraruniversität Timiryazev eine Plenarsitzung der Internationalen Konferenz "Strategische Richtungen zur Entwicklung des technischen Potenzials der Agrarwirtschaft. Innovationen und Digitalisierung" statt. Sie zu Ehren des Lebenswerks in der Lehre und Forschung des Akademiemitglieds der Russischen Akademie der Wissenschaften von Herrn Prof. Juri Konkin gewidmet. An der Sitzung nahmen über 180 Personen im Hybridformat teil, darunter internationale Fachexperten aus Deutschland, Tschechien, China, Irak, Weißrussland, Ukraine, Australien.

Die Plenarsitzung wurde von Frau Prof. Dr. Dr. Lyudmila Khoruzhy, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Agrarmanagement, Staatliche Agraruniversität Timiryazev moderiert. Die Veranstaltung wurde durch das BMEL Projekt „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ und das Schulungszentrum des Russischen Landjugendverbands RSSM[1] fachlich und organisatorisch unterstützt.

Prof. Dr. Dr. Igor Konstantinov, Vize-Rektor für Wissenschaft und innovative Entwicklung der Staatlichen Agraruniversität Timiryazev sprach in seiner Begrüßungsrede im Namen der Staatliche Agraruniversität Timiryazev über das erfolgreiche Bestehen der russischen und internationalen Akkreditierung der Universität, über laufende Programme zur Modernisierung der wissenschaftlichen und Bildungsinfrastruktur, über die Eröffnung des Wissenschaftszentrums "Agrotechnologien der Zukunft" für Grundlagenforschung zu aktuellen Themen, die Aufnahme der Tätigkeit des Timiryazevsky-Engineering-Center im Bereich Agrartechnik und Melioration, Förderprojekte im Pflanzenbau, der Tierhaltung, den Wirtschaftswissenschaften, der Digitalisierung und der Nachwuchsförderung.

Prof. Dr. Dr. Vladimir Vodyannikov, Lehrstuhl für Organisation der Produktion hielt das Grußwort im Namen seines Lehrers - Herrn Prof. Juri Konkin. Er sprach über seine Biographie und den Beitrag von Herrn Prof. Juri Konkin zur Gründung und Entwicklung der wissenschaftlichen Fachrichtung der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften in Timiryazevka.

Der Dipl.-Agr.Biol. Sebastian Bökle, Experte des Projekts "Deutsch-Russischer Agrar-Politischer Dialog", Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Agrartechnik, Fachrichtung Verfahrenstechnik in der Pflanzenproduktion Universität Hohenheim, präsentierte einen Vortrag über Anwendungen und Projekte der digitalen Landwirtschaft an der Universität Hohenheim, den er zusammen mit Prof. Dr. Hans W. Griepentrog vorbereitet hat.

Sebastian Böckle leitete davor über 7 Jahre die Versuchsstation der Universität Hohenheim und beschäftige sich insbesondere mit Parzellenexakt- und Precision Farming Versuchen.

In seiner Rede sprach er über Chancen und Risiken der Digitalisierung aus deutscher Erfahrung:

Chancen der Digitalisierung in der Landwirtschaft:

  • Verbesserung betriebliche Dokumentation
  • Höhere Produktionseffizienz
  • Reduzierung von Kosten (Diesel, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel)
  • Geringere Umwelteinflüsse
  • Besseres Verständnis von natürlichen / biologischen Zusammenhängen durch umfangreiches Monitoring mit anschließender Anpassung der Anbaustruktur und Fruchtfolgen
  • Ortsspezifische Prognose von Umweltzuständen zur Berücksichtigung in Produktionsprozessen
  • Verbesserungen entlang der Wertschöpfungskette (vor- als auch nachgelagert, von Einkauf von Dienstleistungen, Ausrüstungen und Materialien für die landwirtschaftliche Produktion bis hin zur Verarbeitung und zum Verkauf landwirtschaftlicher Produkte). Rückverfolgbarkeit stärkt das Vertrauen der Verbraucher.

Risiken und Herausforderungen der Digitalisierung in der Landwirtschaft:

  • Mangelnde Infrastruktur (Kommunikation, IT- Infrastruktur) - schwaches Internet in ländlichen Gebieten
  • Ausfallsicherheit der Systeme
  • Bereitstellung von öffentlichen Daten inkl. Geodaten, die oft schwer zu bekommen sind
  • Datenschutz (fehlt oft oder das Verfahren ist nicht transparent). Die im Betrieb gewonnenen Daten müssen im Eigentum des Landwirts bleiben! Er muss vollständige Informationen darüber haben, wer Zugriff auf seine Daten hat und wer diese verwendet. Der landwirtschaftliche Erzeuger sollte ein Auskunftsrecht haben, wenn die Daten ohne sein Wissen und seine Zustimmung verwendet werden.
  • Ansprüche an neue Fähigkeiten Landwirte
  • Unsichere Rentabilität einiger digitaler Lösungen.

Im Weiteren sprach Herr Böckle über den Einsatz bewährter Precision Farming Technologien an der Universität Hohenheim (automatische Lenksysteme, Ernte und Ertragskartierung von Getreide und Futterpflanzen, Anlage von Feldversuchen mit Parzellentechnik, VRA (Variable Rate Application) mineralische Dünung und die 10-jährige Erfahrung der Universität Hohenheim beim teilflächenspezifischen Herbizideinsatz, insbesondere in Mais- und Zuckerrübenkulturen anhand der wirtschaftlichen Schadschwellen).

Besonders betonte er das Potenzial der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis (von der Forschung in die Praxis) anhand einiger Beispiele:

  • studentisches Start-up zur Erstellung von Applikationskarten zur teilflächenspezifischen Unkrautbekämpfung;
  • Projekte mit Maschinenbauern zur automatischen Steuerung und Maschinenkoordination von Feldhäckslern bei der Ernte von Anwelksilage;
  • ein Projekt zur teilflächenspezifischen Düngung basierend auf einem System der künstlichen Intelligenz unter Nutzung des gesammelten Wissens / der Erfahrung von Landwirten,

sowie Beispiele von Forschungsprojekten der Universität Hoeinham

  • Digitalisierung des überbetrieblichen Maschineneinsatzes im Rahmen von Maschinenringen (das Hauptprojekt von Herrn Böckle), der einen Zugang zu modernen Technologien für kleine landwirtschaftliche Betriebe und eine stabile Kommunikation ohne Internetverbindung im lokalen Netzwerk ermöglicht - eine nachhaltige Infrastruktur LoRaWan.


[1] https://www.rssm.su/sveden/