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Runder Tisch zum Thema „Die Rolle der Bürgerinitiative und des Ehrenamtes bei der integrierten Entwicklung ländlicher Räume“

Am 24. Juni 2021 fand ein Runder Tisch zum Thema „Die Rolle der Bürgerinitiative und des Ehrenamtes bei der integrierten Entwicklung ländlicher Räume“ im Ausschuss des Föderationsrates für Agrar- und Ernährungspolitik und Naturnutzung statt. An der digitalen Veranstaltung nahmen Vertreter der Politik der föderalen und regionalen Ebene, der Wissenschaft, des Russischen Landjugendverbandes, ehrenamtliche Aktivisten sowie zwei Experten des Projekts „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ teil.

Ländliche Räume nehmen etwa 90 Prozent des Territoriums der Russischen Föderation ein, sie verbinden Wirtschaftszentren mit der Peripherie, Forschungs- und Produktionszentren mit der Ressourcenbasis. Mit ca. 37 Millionen Menschen wohnen 25,3 % der Bevölkerung des Landes in peripheren Gebieten. Gleichzeitig unterscheiden sich die Lebensbedingungen in den ländlichen Gebieten deutlich von den städtischen Standards.

In der Russischen Föderation wurden vor einem Jahr nationale Entwicklungsziele für das Land definiert. Das Hauptziel aller Reformen ist es, den Lebensstandard der Menschen zu verbessern. Im sozialen Bereich wurden nationale Projekte sowie das staatliche Programm der Russischen Föderation „Integrierte Entwicklung des ländlichen Raums“ umgesetzt. Dabei ist das Engagement der Bürger bei der Umsetzung, bei dem jedes in ländlichen Gebieten geplante Projekt unterstützt werden muss, von großer Bedeutung.

Sergej Beloussow, der stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Agrar- und Ernährungspolitik und Naturnutzung des Föderationsrates, wies darauf hin, dass laut internationalen Erfahrungen in verschiedenen Ländern eine solche Einbindung der Bürger in öffentliche Projekte wichtig für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume sei und Chancengleichheit für Stadt- und Landbewohner schaffe.

Die aktive Position der Bürger im ländlichen Raum, ihre Sorge und ihr gesteigertes Verantwortungsgefühl für das Schicksal ihrer kleinen Heimat können nicht nur ihr eigenes Leben stark verändern, sondern auch die Entwicklung des gesamten Gebietes positiv beeinflussen.

Anna Korpen von der Abteilung für ländliche Entwicklung des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation hob hervor, dass das Ministerium die Rolle der lokalen bürgerlichen Initiativen in der ländlichen Entwicklung sehr schätze. Das Ziel des staatlichen Programms sei, bürgerliche Initiativen so breit wie möglich zu fördern.

Katarina Peranic, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt, betonte, dass die bürgerliche Initiative in Deutschland gerade in den ländlichen Räumen eine lange Tradition habe. Das bürgerschaftliche Engagement sei zudem eine wichtige Stütze zur Sicherung der Daseinsvorsorge und der allgemeinen Lebensqualität in Form von Kultur- und Freizeitangeboten, wirtschaftlichen, sozialen und karitativen Dienstleistungen sowie Brandschutz und technischen Hilfeleistungen. Es trage erheblich zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse bei.

Die Stärkung lokaler und regionaler Strukturen allein sei gut und hilfreich für das Engagement vor Ort. Die (Weiter-)Entwicklung von Engagement- und Ehrenamtsstrukturen allerdings gelinge umso besser, wenn es überregionale oder gar internationale Bezüge gebe.

Larisa Skljarowa, Leiterin der ländlichen Siedlung Novopavlovskoje im Beloglinski Bezirk (Krasnodar) widmete ihre emotionale Rede dem Thema „der Initiativbudgetierung“. „Die Initiativbudgetierung oder das Volksbudget“ sei eine Hilfe für kleine ländliche Siedlungen bei der Lösung von sozialen Fragen. Das Hauptziel sei die Beteiligung der Bewohner am öffentlichen Leben der Siedlung. Im Jahr 2020 haben die Einwohner von Mekleta eine Initiative zur Verbesserung des Platzes in der Nähe des Hauses der Kultur vorgeschlagen, wo Veranstaltungen im Freien stattfinden sollten. Für die Umsetzung des Initiativprojekts wurden Gelder in Höhe von 1,1 Million Rubel aus dem regionalen Haushalt zur Verfügung gestellt. Nach einem Online-Wettbewerb wurde der Auftragnehmer ausgewählt. Die Initiativgruppe führte gemeinsam mit den Bewohnern der Siedlung eine öffentliche Kontrolle in allen Phasen der Arbeiten durch. Gerade in kleinen Gemeinschaften wird die Bedeutung von "Gemeinsam sind wir stark" am besten verstanden.

Georg Rabl, Vorsitzender des Bayerischen Landjugendverbandes, Experte des Kooperationsprojektes „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ stellte den Teilnehmern der Sitzung die erfolgreichen Erfahrungen des Verbandes dar. Die Bayerische Jungbauernschaft e.V. ist die Nachwuchsorganisation im ländlichen Raum, die der landwirtschaftlichen Produktion und den vor- und nachgelagerten Bereichen am nächsten steht.

Seit der Gründung der Bayerischen Jungbauernschaft seien die Strukturen immer den herrschenden Bedingungen sowie den Ansprüchen und Anforderungen seiner Mitglieder angepasst worden, um den Verband auf Dauer für die aktiven und zukünftigen Mitglieder attraktiv zu halten.

Dabei sei es besonders wichtig, den sozialen Austausch in der Region zu fördern, den Zusammenhalt und das „Wir-Gefühl“ in der Gemeinschaft zu stärken.

Das erreiche man am besten durch Projekte, die Spaß machen, begeistern und einen sinnvollen Mehrwert für alle Projektbeteiligten mit sich bringen, berichtete Rabl. Der Mehrwert sei erkennbar, wenn sich Gruppen aktiv zusammentun und mit Leidenschaft bei der Sache seien..

Die Fördergelder kommen vomLand, dem Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dem Staatsministerium für Unterricht und Kultus, dem Bayerischer Jugendring etc. sowie aus der EU und vom Bund (BMFSFJ).

Dmitrij Pekurowskij, der erste stellvertretende Vorsitzende des Russischen Landjugendverbandes (RSSM), informierte über die RSSM-Projekte – „Inkubator der ländlichen Initiativen" und „Dorf - Territorium der Entwicklung“, die darauf abzielen, neue Ansätze für die Entwicklung des ländlichen Raums durch aktive Beteiligung der Bürger zu verfolgen. Mehr als 7.000 Bewohner und 160 öffentliche Vereine erhielten Unterstützung für ihre Initiativen im ländlichen Raum. Darüber hinaus schlägt Dmitrij vor, Maßnahmen zur Unterstützung und Ausbildung von engagierten Menschen und ländlichen, öffentlichen Vereinigungen in das Programm „Integrierte Entwicklung des ländlichen Raums“ und in andere Programme, die in ländlichen Räumen durchgeführt werden, aufzunehmen. Er wies auch auf die Notwendigkeit hin, gesellschaftliche Organisationen und lokale Gemeinden zu fördern sowie junge qualifizierte Mitarbeiter für den Non-Profit-Sektor des Dorfes zu gewinnen.

Die große Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements und der lokalen Bürgerinitiative als wirksame Instrumente zur Verbesserung der Lebensqualität der Bürger in ländlichen Gebieten, wurde von allen Teilnehmern der Veranstaltung hervorgehoben.