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Runder Tisch zum Thema „Agrotourismus und gesunde Lebensweise“

Am 19. Mai 2021 nahmen Experten des Projekts „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ am Runden Tisch zum Thema „Agrotourismus und gesunde Lebensweise“ im Rahmen der internationalen Ausstellung AGROS EXPO 2021 teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Renata Bibarsova, stellvertretender Leiterin der Abteilung für ländliche Entwicklung des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation.

Am Runden Tisch diskutierten führende Branchenexperten über die Entwicklung des ländlichen Tourismus im Rahmen des nationalen Projekts „Tourismus und Gastgewerbe“ und dessen gesetzgeberische Regelung, über die Möglichkeiten für landwirtschaftliche Produzenten, den Absatz zu steigern, sowie über Programme zur Entwicklung des ländlichen Tourismus auf regionaler Ebene und die bereits erfolgreich umgesetzten Projekte, darunter eines der deutschen Bundesländer.

Martin Schüßler, Mitarbeiter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Experte des APD, stellte fest, dass die Ausgestaltung der Fördermaßnahmen in Deutschland ganz wesentlich den Regionen obliege. Die Fördermaßnahmen zielten historisch auf die Diversifikation der Wirtschaftsaktivitäten im ländlichen Raum, unter Einschluss von nicht landwirtschaftlichen Investitionen und des lokalen Handwerks bzw. der touristischen Infrastruktur ab. Die LEADER-Initiativgruppen (ein EU-Förderinstrument für die Entwicklung des ländlichen Raums) entwickelten viele regionale Projekte, die mit Mitteln der ländlichen Gemeinschaften praktisch umgesetzt werden. Die neue Förderperiode (ab 2023) lasse den Regionen noch größeren Spielraum, regionale Förderschwerpunkte zu setzen. In Bayern bieten 80 % der Betriebe Urlaub auf dem Bauernhof an. Wenn das touristische Angebot - Unterkunft, Verpflegung, Erholungsmöglichkeiten, lokale kulinarische Köstlichkeiten, Verkauf von Bioprodukten auf dem Bauernhof - vielfältiger wäre, würde der Anteil dieser Art von Aktivität an der Wertschöpfung des landwirtschaftlichen Betriebs steigen.

Ramil Pokrow, Vertreter der Agentur für die Entwicklung des ländlichen Tourismus im Gebiet Uljanowsk, berichtete über Erfolge und Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Agrotourismus in der Region. Trotz des Mangels an Arbeitskräften, staatlichen Fördermaßnahmen, notwendiger Infrastruktur im ländlichen Raum werden in der Region bereits Projekte auf dem Gebiet des ländlichen Tourismus erfolgreich umgesetzt. Auf dem Kongress der Landwirte (mehr als 800 Betriebe) im Gebiet Uljanowsk wurden im April 2021 Vorschläge für die Entwicklung eines föderalen Programms, Änderungen im Baugesetzbuch, Vereinfachung der Verfahren für die Zuteilung von Grundstücken für die Umsetzung von Projekten diskutiert. Die Landwirte werden regional unterstützt. Für die Region ist der Agrotourismus eine strategische und vielversprechende Richtung.

Der Agrotourismus ist eine der Möglichkeiten, dem Stadtalltag zu entfliehen und sich nicht nur mit den Traditionen der Einheimischen und ihrer Geschichte vertraut zu machen, sondern auch neue Fertigkeiten zu erlernen, wie z.B. Reiten zu lernen, sich um die Tiere zu kümmern, Fische zu fangen. Die Erfahrungen der europäischen Länder, einschließlich Deutschlands, können zu einem unschätzbaren Beitrag zur Entwicklung der neuen Richtungen des Tourismus in Russland werden, was zur Diversifizierung der Aktivitäten in ländlichen Gebieten führen und folglich die Stabilität der kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Unternehmen erhöhen würde.