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Forum „Zertifizierung von ökologisch erzeugten Produkten für Exporteure und Importeure“

Am 22. April organisierte RusQuality, die Russische Organisation für Qualitätskontrolle, im Rahmen der Internationalen Tage des Im- und Exportes eine Konferenz über die Zertifizierung von ökologisch erzeugten Produkten im internationalen Handelsverkehr. Unter dem Thema „Zertifizierung von Bio- Produkten für Exporteure und Importeure“ erörterten acht Fachexperten aus Russland, Italien und Deutschland die aktuellen rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen rund um den Bereich Anbau, Handel, Kontrolle und Zertifizierungen von Bio-Produkten. Das Forum fand erstmals in einem hybriden Format statt. Einige Teilnehmer waren vor Ort in Moskau anwesend, während sich die Redner aus dem Ausland online zuschalteten. Das 90-minütige Forum wurde auf der Homepage der Internationalen Tage des Im- und Exportes sowie über einen YouTube Kanal live übertragen.

„Der Schlüssel zum Export ist die Zertifizierung“ - mit diesem Titel präsentierte der APD-Experte Herr Frank Rumpe seinen Fachvortrag. Als selbständiger Experte für Zertifizierung im Ökolandbau verfügt Herr Rumpe, der selber mehrere Jahre in Russland in der Zertifizierung tätig war, über ein breites Know-How in der Branche. In seinem Vortrag hob er zunächst die weltweit wachsende Bedeutung des Ökolandbaus hervor. Aus Sicht der russischen Exporteure seien ökologisch hergestellte Güter wie Ölsaaten (Sonnenblumen, Raps, Leinsaat) und Eiweißpflanzen wie Soja besonders interessant, da für die eine hohe Nachfrage in der EU bestünde. Aber auch diverse Beeren, Früchte und Gemüsesorten seien auf dem europäischen Markt beliebt. Schwieriger sehe es hingegen bei Getreide wie z.B. Bio-Weizen aus. Der Anbau und Export ökologischer Produkte sei laut Rumpe durchaus attraktiv, da im Vergleich zu konventionellen Produkten ein 10-50%ig höherer Preis generiert werden kann. Zudem steige weltweit das Bewusstsein für eine nachhaltigere Produktionsform in der Landwirtschaft.

Jedoch dämpften auch einige Herausforderungen ein zügiges Wachstum der Branche, berichtete Rumpe. Zum einen seien es länderspezifische Anforderungen und Standards zum Anbau von Bio-Produkten, die den Handel mit den Produkten erschweren würden. Zudem liege in der Landwirtschaft die Umstellungsphase von einer konventionellen zu einer ökologisch bewirtschafteten Betriebsform zwischen ein bis drei Jahre. Er ergänzte, dass die Biobetriebe in der Regel einen tieferen Ertrag bei höheren Risiko und Aufwand als die konventionellen Landwirte haben. Außerdem müssen Betriebe von einer anerkannten Zertifizierungsstelle zertifiziert werden. Weitere Herausforderungen bestünden laut Rumpe an einem globalen Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften im Ökolandbau sowie an einer höheren Anzahl an Vor-Ort-Kontrollen v.a. zur Rückverfolgbarkeit und zu Pflanzenschutzmittelrückständen.
Ganz besonders wichtig ist es, sich bewusst zu machen, dass es sich bei einer Zertifizierung um eine Prozesskontrolle entlang der gesamten Wertschöpfungskette handelt und nicht um eine Endproduktkontrolle.

Im nächsten Schritt veranschaulichte Frank Rumpe, dass für den Import in die EU die meisten russischen Produkte zum Zeitpunkt des Beitritts zur Union beprobt würden. Wenn Pestizidspuren gefunden werden, ist das Produkt vorerst gesperrt und eine Untersuchung wird eingeleitet werden. Deren Ergebnis entscheidet, ob das Produkt seinen Biostatus behält oder verliert.

Herr Rumpe stellte zudem klar, dass noch keine russische Inspektionsstelle für die Zertifizierung von EU Organic oder USA Organic akkreditiert sei. Dafür habe die EU 20 ausländische Inspektionsstellen zugelassen, um russische Bioprodukte nach dem EU-Standard zu zertifizieren.

Herr Rumpe wies auch auf die Umweltziele der EU hin. So solle die nach ökologischem Standard bewirtschaftete Fläche bis 2030 von jetzt 10% auf mindestens 25% gesteigert werden. Dieses Ziel sei ohne eine finanzielle Unterstützung für die Landwirte zur Umstellung sowie ohne eine Ausgleichszahlung für die geringen Erträge nicht zu erreichen. Wichtig dabei sei betonte Rumpe, dass die Akteure staatliche Unterstützung bei der Ausbildung von Fachkräften, in der Forschung und bei Marketingmaßnahmen erhalten.

Abschließend betonte Herr Rumpe, dass ein kollektiver Austausch und eine größtmögliche Transparenz sehr wichtig seien, um mehr über ökologische Produktion und Märkte zu lernen. Hier setzt die Arbeit des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs (APD) an, der sich u.a. für die Zusammenarbeit zwischen deutschen und russischen Experten im Bereich des Ökolandbaus sowie für faire und transparente Rahmenbedingungen für den ökologischen Landbau in Russland einsetzt. Darüber hinaus strebt er im Sinne der Wirtschaftsakteure eine Harmonisierung der Rahmenbedingungen zwischen der EU bzw. Deutschlands und Russlands an. So diente auch dieses Forum als Plattform, um den Erfahrungsaustausch zu fördern und die Potentiale der Deutsch-Russische Kooperation hervorzuheben.