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„Die Rolle der Frauen in der ländlichen Entwicklung“, Runder Tisch in der Staatsduma der RF am 23. März 2021

Am 23. März 2021 fand auf Initiative von Swetlana Maximowa, Mitglied des Ausschusses der Staatsduma der Russischen Föderation für Agrarfragen, ein Runder Tisch zum Thema „Die Rolle der Landfrauen bei der Entwicklung ländlicher Räume“ statt. An der Veranstaltung nahmen der Leiter der Fraktion „Einiges Russland“, Sergej Newerow, der erste stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Agrarfragen Wladimir Plotnikow, Vertreter der föderalen und regionalen Fachbehörden, landwirtschaftlicher Betriebe, ländlicher Bildungseinrichtungen, Mitglieder der öffentlichen Bewegung der Landfrauen Russlands sowie die stellvertretende Leiterin des Projekts „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ Tatjana Damm teil.

In seinen Einführungsworten informierte Sergej Newerow die Teilnehmer des Runden Tisches, dass bei der Verabschiedung des Haushalts für 2021 und für die Planungsperiode 2022-2023 die Finanzierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität auf dem Lande die Hauptpriorität der Fraktion „Einiges Russland“ gewesen sei. Herr Newerow wies darauf hin, dass im föderalen Haushalt für das Jahr 2021 für das Staatsprogramm „Integrierte Entwicklung der ländlichen Räume“ mehr als 34 Mrd. Rubel sowie für staatliche Programme und nationale Projekte etwa 186 Mrd. Rubel für die ländliche Entwicklung vorgesehen seien.

Der Parlamentarier wies auf die Rolle der Frauen bei der Entwicklung des Agrarsektors hin und betonte, wie wichtig es sei, Bedingungen für die vollständige Ausschöpfung des Potenzials der Frauen auf dem Land zu schaffen. Dazu sei es notwendig, Kindergärten, Schulen, Sportabteilungen und Kunstkreise zur Verfügung zu stellen, eine erschwingliche und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu garantieren, Freizeitmöglichkeiten und ein komfortables Wohnumfeld zu schaffen.

Wladimir Plotnikow merkte an, dass der Staat der Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume große Aufmerksamkeit schenke, aber für die Lösung lokaler Probleme sei auch die Initiative der Bürger selbst, von denen die meisten Frauen auf dem Land seien, wichtig.

Die Vorsitzende der allrussischen öffentlichen Bewegung der Landfrauen Russlands, Nadegschda Besbudko (Allrussische öffentliche Bewegung der Landfrauen Russlands wurde im Rahmen des Verbands bäuerlicher Betriebe und landwirtschaftlicher Genossenschaften Russlands – AKKOR- gegründet), erklärte, dass ihrer Organisation die Frauen angehören, die auf dem Land leben und arbeiten. Die Ziele der Bewegung seien das Wohlergehen ländlicher Familien, die Kindererziehung und die Unterstützung der nachwachsenden Generation bei der Berufsorientierung. Die Stärkung der ländlichen Familien als Grundlage des Staates sollte eine Priorität bei der Entwicklung ländlicher Räume werden, dafür müssen auch attraktive Bedingungen für die unternehmerische Tätigkeit der Familienbetriebe geschaffen werden.

Nadegschda Besbudko ist der Ansicht, dass es wichtig sei, die Bemühungen von Frauen auf dem Land und den Behörden zur Lösung bestehender Probleme zu vereinen. Es sei notwendig, die Arbeit an der sozialen Entwicklung der ländlichen Räume fortzusetzen, ihre Attraktivität für Leben und Arbeiten zu erhöhen, die jungen Leute auszubilden und die qualifizierten Fachkräfte anzuziehen. Es sei auch äußerst relevant, die schulische Berufsausbildung an ländlichen Schulen in das Programm aufzunehmen und den Kindern auf dem Lande eine kostenlose berufliche Ausbildung zu ermöglichen.

Als Mitglied der Bewegung der Landfrauen nahm an der Sitzung Frau Tatjana Sorokina aus Rostow Gebiet teil. In 30 Jahren zog sie 83 Adoptivkinder mit schweren Krankheiten groß. Ihrer Meinung nach müssen die Mehrkindfamilien auf dem Land insbesondere bei der Vorbereitung ihrer Kinder auf eine berufliche Ausbildung im Agrarsektor unterstützt werden.

Tatjana Damm präsentierte den Teilnehmern der Veranstaltung die wichtigsten Initiativen des Deutschen Landfrauenverbands (DLV) auf dem Gebiet der ländlichen Entwicklung (der Deutsche LandFrauenverband e.V. ist der bundesweit größte Verband für Frauen, die auf dem Lande leben, und deren Familien, insgesamt fast 500.000 Mitglieder). Das Ziel des Verbandes sei, die Lebensqualität, die Arbeitsbedingungen und die gesellschaftliche Teilhabe in den ländlichen Räumen zu verbessern. Zu den aktuellen Themenschwerpunkten des Verbands gehören vor allem Frauen in der Landwirtschaft, Gerechte Chancen, Zukunft Ehrenamt, Ländlicher Raum, Kompetent im Alltag.

Die Corona Krise habe den Deutschen LandFrauenverband vor neue Herausforderungen gestellt. Trotz der Pandemie setze der Verband zahlreiche Initiativen im Bereich der ländlichen Entwicklung um. Von November 2020 bis April 2021 fände eine Online-Befragung statt. Das Forschungsprojekt zur „Lebenssituation von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben in ländlichen Regionen Deutschlands — Eine sozio-ökonomische Analyse“ werde gemeinsam vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und dem Lehrstuhl für Soziologie Ländlicher Räume der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit dem DLV durchgeführt. Gefördert werde es vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Im Rahmen seiner Mitgliederversammlung starte der DLV seine Unterschriftenaktion und Online-Petition „Geburtshilfe. Im ländlichen Raum. Jetzt!“. Damit fordere der Deutsche LandFrauenverband Bundesminister Jens Spahn und die Mitglieder der Gesundheitsministerkonferenz auf, das Schließen von Geburtsstationen zu stoppen, die Ansiedlung von Hebammen aktiv zu fördern und Geburtshilfe politisch zum Thema zu machen.

Swetlana Maximowa bedankte sich beim DLV und äußerte die Hoffnung auf weitere Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch. Sie stellte fest, dass Frauen auf dem Land sowohl in Deutschland als auch in Russland mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind.

Basierend auf den Ergebnissen des Runden Tisches wurden Vorschläge und Handlungsempfehlungen erarbeitet, die an die zuständigen Behörden weitergeleitet werden.