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Wirtschaftsagrarinformatikkonferenz an der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev anlässlich des 85. Jubiläums von Prof. A.M. Gataulin - dem ersten Leiter des Lehrstuhls für angewandte Agrarinformatik an der Timirjazew-Akademie

Am 22. Dezember 2020 veranstaltete der Lehrstuhl für angewandte Informatik des Instituts für Wirtschaft und Management der Agrarwirtschaft der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev eine Wirtschaftsagrarinformatikkonferenz anlässlich des 85. Jubiläums von Prof. A.M. Gataulin – dem ersten Leiter des jetzigen Lehrstuhls für angewandte Agrarinformatik an der Timirjazew-Akademie im Online-Format.

Der im Jahr 2015 verstorbene Prof. Dr. Akhiyar Gataulin, Lehrstuhlinhaber von 1972 bis 2006 und korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Agrarwissenschaften, hatte durch seine Verdienste in Forschung und Lehre die Entwicklung der russischen Wirtschaftskybernetik im Agrarbereich maßgeblich mitgeprägt.

Weitere Themen der Konferenz umfassten Systemanalyse, wirtschaftliche und mathematische Modellierung, Informationsinfrastruktur und digitale Technologien in der Agrarwirtschaft.

Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Elena Khudyakova, Lehrstuhlinhaberin für angewandte Agrarinformatik der Staatlichen Agraruniversität Timiryazev moderiert.

In seiner Ausführung „Kreativer Beitrag von A.M. Gataulin in der Agrarökonomie" lobte Dr. Anatoly Filatov (Petrovskaya Akademie der Wissenschaften und Künste) die hohen Ergebnisse der Forschungstätigkeit von Prof. Dr. Gataulin. Er betreute 40 Dissertationen und 7 Habilitationen, veröffentlichte über 380 wissenschaftliche Publikationen, einige davon in Fremdsprachen. Prof. Dr. Gataulin entwickelte Kursprogramme für Studenten den Themen wie Wirtschaftskybernetik, Input-Output-Analyse, Theorie der statistischen Hypothesenprüfung u.a. Zu seinen Fachpublikationen zählten u.a. „Mathematik für ländliche Ökonomen“, sowie „System angewandter statistischer und mathematischer Methoden zur Verarbeitung experimenteller Daten in der Landwirtschaft“. In den 90-er Jahren erarbeitete A.M. Gataulin für die Timiryazev-Akademie ein Konzept zur Computerisierung des Bildungsprozesses. Viele Aspekte dieses Konzepts wurden umgesetzt.

Prof. Dr. Alexander Petrikow, Leiter des Nikonow-Instituts für Agrarforschung und Akademiker der Russischen Akademie der Wissenschaften, sprach über die 25-jährige fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Prof. Dr. Gataulin und dem Nikonow-Institut. Dieses enge Zusammenwirken wurde durch zwei Faktoren gefördert: zum ersten – dem persönlichen Kontakt zum damaligen Institutsleiter Herrn A.A. Nikonow und zum zweiten – einem gemeinsamen Forschungsgebiet – der Anwendung wirtschaftlicher und mathematischer Methoden in der Wirtschaftsforschung der Agrarwirtschaft. Die Timiryazev-Akademie unterstützt im Lehrangebot der agrarökonomischen Disziplinen stets innovative Ansätze zur Erstellung moderner Lehrbücher zur Agrarökonomie. Herr Gataulin war einer der ersten, der die Grundlagen der Mikro- und Makroökonomie im Universitätssystem anwendete.

Weiterhin merkte A.V. Petrikov an, dass in Russland bis dato noch kein nationales Modell für die Bewertung der Auswirkungen der Umweltpolitik auf die Agrarwirtschaft erarbeitet wurde. Die Arbeiten in diesem Bereich müssten fortgesetzt werden.

Es wäre zudem auch notwendig, die Anwendung von ökonomischen und mathematischen Methoden zur Prognose von Lebensmittelmärkten aktiver einzusetzen, um die Einflussfaktoren auf den Binnenmarkt zu untersuchen. Der derzeitige Anstieg der Lebensmittelpreise auf dem Binnenmarkt wäre in großem Maße auf die wachsende Exportorientierung russischer Agrarwirtschaft zurückzuführen. Die Anwendung mathematischer Methoden zu den Marktprognosen könnte dazu beitragen, rechtzeitig Unterstützungsmaßnahmen zur Regulierung dieser Märkte zu ergreifen.

In den letzten 5 Jahren machte die Digitalisierung der Agrarwirtschaft große Fortschritte, aber es müsse noch viel getan werden, damit digitale Instrumente zur Lösung spezifischer wirtschaftlichen Probleme eingesetzt werden könnten. Diese Arbeit von A.M. Gataulin und Ökonomen der älteren Generation sollte in diesen Handlungsfeldern fortgesetzt werden.

Der Redner äußerte den Wunsch zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Wirtschaft und Management der Agrarwirtschaft der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev und dem Nikonow-Institut für Agrarforschung.

Prof. Dr. Alexey Zinchenko, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev, der über 60 Jahre mit Herrn Gataulin zusammenarbeitete, erinnerte an die Meilensteine im Leben dieses zielgerichteten und selbstbewussten Menschen, an seine wissenschaftlichen Werke und seine einzigartige Fähigkeit, die komplexen Forschungsergebnisse dem breiten Publikum verständlich zu kommunizieren.

Prof. Dr. Yuri Agirbov, Vorsitzender des Veteranenrates der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev, erinnerte mit Bewunderung an die menschlichen Qualitäten von A.M. Gataulin, seine Begeisterung für verschiedene Sportarten, seine Fähigkeit, Schwachstellen und Potenziale in der Agrarwirtschaft identifizieren zu können.

Prof. Dr. Vladimir Bautin, Akademiker der Russischen Akademie der Wissenschaften, sprach über A.M. Gataulin als einen sehr hilfsbereiten Menschen, einen wahren Patrioten der Timiryazev-Akademie, einen bekannten Begründer der Wirtschaftskybernetik im Agrarbereich der Staatlichen Agraruniversität K.A. Timiryazev. Die Akademie förderte auch seine persönliche Entwicklung und die wissenschaftliche Laufbahn. Prof. Dr. Gataulin tat viel für die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Timiryazev-Akademie und ihres Rufs. Die Absolventen seines Lehrstuhls für Wirtschaftskybernetik sind erfolgreich in Praxis, Wissenschaft und Lehre tätig.

Prof. Dr. Alexey Golubev, Staatliche Agraruniversität K.A. Timiryazev, betonte die wichtige „Leuchtturm“-Rolle von Persönlichkeiten und Fachexperten wie Prof. Gataulin bei der Nachwuchsförderung in Forschung und Lehre.

Prof. Dr. Valery Koshelev, Staatliche Agraruniversität K.A. Timiryazev, der bei Herrn Dr. Gataulin promovierte, erinnerte sich an ihn als einen Schriftsteller, exzellenten Organisator, weltoffenen Menschen und Unternehmer.

Frau Dr. Galina Gataulina, Nikonow-Institut für Agrarforschung - Ehefrau von Herrn Dr. Gataulin, bedankte sich bei den Organisatoren und Teilnehmern der Konferenz sowie allen ehemaligen Studenten / Doktoranden und Mitarbeitern ihres Mannes.

Im wissenschaftlichen Teil der Konferenz referierte der Experte des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs - Prof. Dr. Rainer Langosch (Fachhochschule Neubrandenburg) zum Thema "Digitalisierung: Herausforderung für die Führung landwirtschaftlicher Großunternehmen“. In seinen Ausführungen erläuterte er die Besonderheiten der Einführung moderner Technologien in landwirtschaftlichen Betrieben unter Berücksichtigung ihrer Größe und Spezialisierung und präsentierte die Struktur der Landwirtschaft in Deutschland insgesamt sowie strukturelle Unterschiede in West- und Ostdeutschland (landwirtschaftliche Nutzfläche, Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe, Anzahl Familienunternehmen usw.). Einer der zentralen landwirtschaftlichen Unterschiede zwischen Deutschland und Russland, laut Prof. Langosch, wäre u.a. die durchschnittliche Größe Ackerland pro Kopf: In Deutschland sind es 0,143 ha, in Russland 0,853 ha.

Für die erfolgreiche Entwicklung der Landwirtschaft müssten folgende ausgewählte Herausforderungen behandelt werden:

  • Investitions- und Innovationsstrategien,
  • Personalentwicklung und Beratung,
  • landwirtschaftliche Wertschöpfungsstrategien.

Produktivitätstreiber ist eine moderne innovative technische Ausstattung, vor allem Software, Arbeitsteilung, leistungsfähige Infrastruktur. Die rasante technische Entwicklung führe zum Wandel der Geschäftsmodelle – vom Besitz zum Nutzen. Zu diesem Zweck wird die Lebensmittelversorgungskette mit Hilfe hochentwickelter technologischer Systeme von einer Kette in ein Netzwerk umgewandelt, an dem Lieferanten, landwirtschaftliche Erzeuger, Verbraucher und die Gesellschaft insgesamt beteiligt sind. Solche Netzwerke entwickeln sich auf der ganzen Welt.

Am Beispiel der Unternehmensführung in der Pflanzenproduktion erläuterte Prof. Langosch den Bereich Personalentwicklung und Beratung. Hier entwickeln sich immer mehr Informationsmanagementsysteme, die Datenströme zwischen Maschinenhändlern und weiteren Partnern der Landwirtschaft aus dem vorgelagerten Bereich; Maschinen im Feldeinsatz; Maschinenführern und einzelnen Feldern steuern und Unternehmensentscheidungen optimieren. Daher sollte der Produktionsprozess Menschen, Technik, Technologien und Informationen in einem Netzwerk verbinden.

In seiner Zusammenfassung betonte Prof. Dr. Langosch, dass die Digitalisierung die Geschäftsmodelle über alle Branchen hinweg, Investitions- und Innovationszyklen, Transparenz und Geschwindigkeit verändert. Es hängt alles von den Menschen ab, die der Digitalisierung entgegengehen und nicht hinterherlaufen und das die Mitarbeiter eines Unternehmens durch Schulung und Vertrauensbildung in diesen Prozess einbezogen werden. Die Wertschöpfung findet im Rahmen globaler Netzwerke, mit wachsender Tendenz zu hochspezialisierter Arbeitsteilung und mit Wettbewerbsvorteilen für Netzwerker und Teamplayer statt.

Darüber hinaus ist Digitalisierung und Automatisierung der Schlüssel zur Verwirklichung einer angewandten landwirtschaftlichen Nachhaltigkeit:

  • aus wirtschaftlicher Sicht ist dies ein zusätzliches Entwicklungspotential,
  • aus ökologischer Sicht können Ressourcen durch Anwendung des Prinzips "So viel wie nötig – so wenig wie möglich " geschont werden und
  • aus sozialer Sicht bedeutet die Einführung von Automatisierung und Digitalisierung Chancen für den ländlichen Raum durch qualitativ hochwertige, hochqualifizierte Arbeitsplätze mit angemessenen Löhnen.

Frau Dr. Nadezhda Orlova, Referatsleiterin des Referats für Innovationsökonomie am Institut für Agrarforschung der Nationalen Forschungsuniversität Higher School of Economics, hielt einen Vortrag über die „Innovative Entwicklung der Agrarwirtschaft in Russland. Landwirtschaft 4.0 ".

In ihrer Rede gab sie einen Überblick darüber, wie die digitalen Technologien die moderne Landwirtschaft beeinflussen, wo sie eingesetzt werden und welche Perspektiven sie weltweit und in Russland bieten. Der weltweite Übergang zur Industrie 4.0 und Landwirtschaft 4.0 bedeute eine neue Stufe der technologischen Entwicklung, die auf der Einführung „intelligenter“ Lösungen (Robotik, Präzisionslandwirtschaft, Internet der Dinge), Biotechnologien, alternativen Technologien und Rohstoffquellen basiere. Russland müsse dem neuen technologischen Niveau entsprechen.

Als globale Herausforderungen im Zeitraum von 2025 bis 2030 nannte Frau Dr. Orlova die Umwelt- und Ressourcenschonung, die phytosanitäre Sicherung im grenzüberschreitenden Warenverkehr angesichts möglicher Gefahren der Ausbreitung von Pflanzen- und Tierkrankheiten sowie die Lebensmittelverschwendung.

Die Volatilität der Lebensmittelpreise nehme weltweit zu, ebenso wie die wachsende Rolle großer vertikaler Unternehmensstrukturen, die Produkte vom Feld bis zum Endverbraucher produzieren und anbieten. Es zeichne sich weltweit der Trend zur Umsetzung des Prinzips der Nachhaltigkeit, der Übergang zu einer wissensbasierten Wirtschaft ab. In Zukunft sollten Wege gesucht werden, um die Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion von Umwelt- und Klimafaktoren zu verringern. Einen möglichen Lösungsansatz biete die vertikale, überdachte Landwirtschaft, um Ernteverluste zu senken und die Produktivität zu steigern.

Der Übergang zu einer wissensbasierten Wirtschaft führe zu Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur, der Bildung und dem Arbeitsmarkt. Der Wandel vom traditionellen Landwirtschaftsmodell 3.0 zum Modell 4.0 erfordere zusätzliche Investitionen. Hierbei handle es sich hauptsächlich um Verfahren der Wertschöpfungsketten „vom Acker bis zum Handel“ und „vom Handel bis zum Teller“. Das Investitionsvolumen in diesen Bereichen belief sich 2019 weltweit auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

Nach Expertenschätzungen werde bis 2025 der zukünftige Weltmarkt für Technologien in der Agrarwirtschaft voraussichtlich 2,3 bis 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr betragen.

Ein Wachstumspotenzial zur Steigerung der Agrarproduktion bis 2030 sah Frau Dr. Orlova im effektiven Einsatz von vorhandenen genetischen Ressourcen sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenproduktion. In Russland werden außerdem Verfahren der City-Farms und die Einführung von geschlossenen Kreisläufen bei der Verarbeitung getestet.

Als Schlüsseltechnologien der Zukunft werden IT- und kognitive Technologien, Biotechnologien, Robotik und neue Geräte, innovative Lebensmittel und neue Anbausysteme eingeschätzt.

In ihrer Bewertung des russischen Agrarforschungspotenzials stellte die Rednerin fest, dass Russland in Bezug auf das Volumen der staatlichen Finanzierung der Agrarforschung zu den führenden Ländern gehört (nach Deutschland weltweit auf dem 2. Platz). Die Privatwirtschaft beginne gerade erst, in diesen Bereich zu investieren (weniger als 1% der Gesamtinvestitionen). Gleichzeitig besteht in der russischen Agrarwissenschaft und -bildung ein erhebliches Potenzial, den Beitrag russischer Autoren zum weltweiten Fachpublikationsvolumen auf dem Gebiet der Agrarwissenschaften zu erhöhen, auch den Anteil russischer Patentanmeldungen zu vergrößern. Ein wichtiges Handlungsfeld bleibt die Verbesserung der Fachausbildung (Ausbildung von Spezialisten für die Digitalisierung der Agrarwirtschaft, Bioinformatik u.a.). Im QS- Universitätsranking "Landwirtschaft 2018" erreichte noch keine der russischen Agraruniversitäten die Top 200. Nach Ansicht der Sprecherin sollten in Russland bestimmte Elemente des Wissenstransfersystems, d. h. der Transfer eines wissenschaftlichen Produkts von einer Universität oder einem Forschungsinstitut in die Praxis, verbessert werden.

In ihren Schlussfolgerungen betonte Frau Dr. Orlova, dass die Digitalisierung der Landwirtschaft zu den vorrangigen Handlungsfeldern gehöre, dabei spiele die Verbesserung der Bildungsprogramme von Fachkräften eine wichtige Rolle.

In der anschließenden Diskussion zum Vortrag von Frau N.V. Orlova zur Bewertung der Verbreitung von Innovationen in der russischen Landwirtschaft, wies Herr Dr. A.V. Petrikow auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen der Märkte für innovative Produkte in Russland hin.

Dr. Sergei Kosogor, Leiter des Technologietransferzentrums der russischen Higher School of Economics (HSE), sprach über die Auswirkungen der Pandemie auf die Entwicklung der Landwirtschaft in der Russischen Föderation und weltweit. In seiner Präsentation ging er vor allem auf die Perspektiven der Digitalisierung der Agrarwirtschaft während einer Pandemie und innovative Technologien der Lebensmittelproduktion ein.

Die COVID-19-Pandemie wäre ein soziales Problem, das auch in Zukunft auf die eine oder andere Weise auftreten werde und benötige daher eine Berücksichtigung in der weiteren Planung. Die mit der De-Globalisierung verbundenen Risiken sollten analysiert werden, und es müsse überlegt werden, wie die Erfolge der Industrie 4.0 optimaler genutzt werden können, um Maßnahmen vorzuschlagen, die den landwirtschaftlichen Erzeugern umfassende Informationen und Infrastruktur bieten könnten. Es wäre wichtig, die bestehenden digitalen Lösungen in die Produktionsprozesse zu integrieren.

Das HSE Transfer Center trete für eine beschleunigte Schaffung der Plattform „Digitale Landwirtschaft“ in Russland ein, die eine möglichst vollständige Information über die Entwicklungen der Landwirtschaft liefern könnte. Laut Herrn Dr. S. N. Kosogor brauche Russland eine solche Plattform, um einen Überblick über Produktionsprozesse zu haben. Diese Informationsversorgung könne einen Beitrag zur Risikominimierung leisten. Als ein bereits funktionierendes Fallbeispiel führte der Redner eine privatwirtschaftliche Datenplattform „DIGITAL AGRO“ auf, die zum Wissenstransfer für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion dient. Im Rahmen der Plattform gibt es in Zusammenarbeit mit mehreren russischen Agrarhochschulen ein Modul zur Fortbildung "Offene Agraruniversität“. Diese Plattform solle landwirtschaftlichen Erzeugern das notwendige Wissen zu Technologien und Management vermitteln.

Die Plattform „Digitale Landwirtschaft“ der Russischen Föderation könnte nach Ansicht von Herrn Kosogor zur wichtigsten zentralisierten Informationsdatenbank der russischen Landwirtschaft werden. Das russische Landwirtschaftsministerium könnte die Plattform nutzen, um diesen Wirtschaftszweig umfassend zu analysieren und anhand der Informationen wissensbasierte Entscheidungen zu treffen, die zur weiteren Entwicklung der Landwirtschaft und Verbesserung des Lebensniveaus der Bevölkerung beitragen könnten.

Damit eine solche Plattform funktioniere, wäre eine entsprechende Infrastruktur erforderlich, einschließlich Telekommunikation.

Abschließend präsentierte der Redner Ergebnisse unterschiedlicher russischer Wirtschaftszweige in Zeiten der Pandemie. Die Landwirtschaft zeige dabei nach wie vor eine positive Dynamik.

Es wäre auch notwendig, weiter am Image der Landwirtschaft und ihren Zukunftsaussichten - unter anderem als eine alternative Einnahmequelle zu fossilen Energieträgern für den russischen Staatshaushalt - zu arbeiten.

Auf die Frage von Dr. A.V. Petrikow zu möglichen zusätzlichen staatlichen Fördermaßnahmen für die breite Masse der landwirtschaftlichen Betriebe, schlug S.N. Kosogor vor, das Thema der Gründung eines technischen Komitees zur Entwicklung der Digitalisierung der Landwirtschaft auf der Basis der Timiryazev-Akademie zu prüfen.

Frau Prof. Dr. Elena Khudyakova, Lehrstuhlinhaberin für angewandte Agrarinformatik der Staatlichen Agraruniversität Timiryazev, hielt einen Vortrag zum Thema „Anwendung mathematischer Methoden zur Bewertung staatlicher Förderinstrumente für die Entwicklung der landwirtschaftlichen Kooperationen“. Sie berichtete, dass derzeit eine große Anzahl landwirtschaftlicher Erzeuger kleine landwirtschaftliche Erzeuger sind. Um eine Reihe von Funktionen außerhalb der bäuerlichen Wirtschaft zu verlagern, gibt es das Gesetz 193-FZ "Über landwirtschaftliche genossenschaftliche Kooperation". In Bezug auf das bestehende System der Zuschussunterstützung stellte die Rednerin fest, dass die Hauptgenossenschaften gemeinnützige Organisationen sind. Ein wichtiges Merkmal der Aktivitäten von Genossenschaften ist die Umsetzung sozialer Funktionen. Daher sind sozioökonomische und soziale Effizienz wichtige Indikatoren für die Aktivitäten von Genossenschaften. Zur Bewertung der Aktivität wird vorgeschlagen, die Hierarchieanalysemethode anzuwenden, bei der verschiedene Alternativen verglichen werden. E.V. Khudyakova sprach ausführlich über die Bewertungsmethode (die Methode zur Analyse von Hierarchien), über die Prioritätsgruppen von Indikatoren und Indikatoren für die Leistung von Bezug-, Absatz-, Verarbeitungsgenossenschaften. Am Beispiel der Molkereigenossenschaften der Region Uljanowsk habe sie die Indikatoren zur Bewertung und die Ergebnisse der Berechnung der Bewertungen berücksichtigt.

Prof. Dr. Anatoly Zeyliger (Staatliche Agraruniversität Timiryazev) stellte das Thema "Modell eines intelligenten cyber-physicalen Informationssystems für Management von Landwirtschaft und Pflanzenproduktion mit GIS-Fernerkundung-GNSS-IV“ vor. Der Referent, sprach in Fortsetzung des Themas der Konferenz zur Erinnerung an Prof. A.M. Gataulin über seine Arbeit mit ihm. Im wissenschaftlichen Teil des Berichts machte er auf die globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die Suche nach Wegen zur Transformation der landwirtschaftlichen Produktion, die Lieferketten in der Agrarwirtschaft, die Cybersysteme in der Agrarwirtschaft und Volkswirtschaft. Er umriss das Problem des Informationsmangels für Hochschullehrer bei der Vorbereitung von Agro-IT-Spezialisten.

Der Redner machte auf die Notwendigkeit aufmerksam, in Timiryazevka eine intellektuelle Infrastruktur zu schaffen, die dazu beitragen könnte, dass alle Technologien untersucht, getestet und verbessert werden können. Eine sehr wichtige Frage aus seiner Sicht - zu versuchen, eine Diskussion über die Schaffung von cyber-physicalen Systemen der Versuchsfelder zu starten und dieses Vorhaben dem Andenken an Herrn Prof. Gataulin zu widmen. Am Ende seiner Ausführung betonte er die Notwendigkeit, das in der Vorbereitung befindende Konzept einer föderalen Plattform für digitale Landwirtschaft zu verbessern und dieses Thema weiter mit der Fachöffentlichkeit zu erörtern.

Dr. Viktor Medennikov (Föderales Dorodnitsyn A.A. Rechenzentrum „Informatik und Management“ der Russischen Akademie der Wissenschaften) hielt einen Vortrag zum Thema „Grundprinzipien der digitalen Transformation informationswissenschaftlicher und pädagogischer Ressourcen“. In seiner Rede ging er auf die Formulierung des Problems der digitalen Transformation in Russland ein, die allgemeinen Prinzipien der digitalen Transformation und ihre Umsetzung, sprach über zwei digitale Plattformen, die in der Landwirtschaft auf der Basis von Cloud-Technologien entstehen: Plattform-Aggregatoren von IR (Primärsammlung und -akkumulation von Daten) und angewandte Plattformen über die Merkmale der digitalen Transformation der Landwirtschaft, ergänzende Vermögenswerte in der Landwirtschaft[1], komplementäre Verbindungen und die digitale Transformation landwirtschaftlicher Unternehmen. Als Beispiel sprach V.I. Medennikov über das ehrgeizige Ziel Großbritanniens, auch in der Landwirtschaft neue digitale Technologien zu schaffen und in die ganze Welt zu exportieren, d. h. führend in dieser Richtung zu werden. Er zeigte weiterhin ein Schema der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Produktion durch Innovationszentren am Beispiel Großbritanniens.

Der Redner schlug vor, dass nur wenige inländische Unternehmen (nur etwa 17%) digitale Systeme und Technologien in einem Komplex einsetzen können. Am Beispiel des landwirtschaftlichen Betriebs Kuban zeigte er einen dreidimensionalen Ansatz für Standards und ein Diagramm zur Beziehung zwischen Wissenschaft und Produktion durch einen Integrator. Er ging auf das Problem der Informations- und Bildungsressourcen ein. Darüber hinaus wies er auf die Notwendigkeit hin, neben dem vom Landwirtschaftsministerium entwickelten Konzept der Digitalisierung der Landwirtschaft ein einheitliches integriertes wissenschaftliches und pädagogisches Umfeld des Landes und des agroindustriellen Komplexes zu schaffen. Er präsentierte die Struktur eines einzigen Internetraums für wissenschaftliche und pädagogische Ressourcen.

Basierend auf den Ergebnissen seines Berichts schlug V.I. Medennikov vor, dass das Ministerium für Bildung und Wissenschaft und die Aufsichtsbehörde „Rosobrnadzor“ als ersten Schritt bei der Integration aller wissenschaftlichen und pädagogischen Ressourcen (INOR) zur Schaffung eines wirksamen Systems für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft des Landes INOR-Indikatoren in die Anforderungen für das Land aufnehmen sollte. Die Inhalte der Websites von Universitäten und Forschungsinstituten sollten mit einem anschließenden Übergang zu Standardwebsites im Rahmen eines einzigen Informationsinternetraums mit wissenschaftlichen und pädagogischen Ressourcen erfolgen.

Prof. Dr. Farit Mukhametgaliev, Lehrstuhlinhaber (Staatliche Agraruniversität Kazan) hielt einen Vortrag zum Thema " Agrarwirtschaft der Republik Tatarstan: wichtigste Entwicklungstrends".

Das Thema Erinnerung fortsetzend, erinnerte F.N. Mukhametgaliev daran, dass A.M. Gataulin häufig die Republik Tatarstan besuchte, insbesondere die Kasaner Agraruniversität, auf Konferenzen sprach, Vorträge vor Studenten hielt und sich an der Entwicklung der Entwicklungsstrategie von Tatarstan – 2030 beteiligte. Hauptverdienst von A.M. Gataulin ist, dass er seine Schüler auf die digitale Wirtschaft in der Landwirtschaft vorbereitet hat.

Im wissenschaftlichen Teil seines Berichts teilte F.N. Mukhametgaliev die Erfahrungen der Republik Tatarstan in Fragen der Digitalisierung. Der agroindustrielle Komplex von Tatarstan wächst jährlich um 3 bis 5% und belegt in Bezug auf landwirtschaftliche Produkte den 4. Platz in der Russischen Föderation. Die Republik ist in Bezug auf Lebensmittel völlig autark. Für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft ist die Digitalisierung eine der vorrangigen Richtungen in der Republik Tatarstan. Die Umsetzung begann 2019 auf Basis von 54 Betrieben, 2020 waren es dann bereits 200 Betriebe. Im Anschluss wurde die Frage nach einer 100-prozentigen Digitalisierung aller Bereiche der Landwirtschaft aufgeworfen. Das republikanische Informations- und Rechenzentrum ist in Tatarstan tätig. Die Spezialisten der Innopolis University beschäftigen sich hauptsächlich mit Digitalisierung und IT- Technologien[2].

Laut Aussagen des Referenten ist die Produktionssphäre immer das Rückgrat des agrarisch-industriellen Komplexes und die Digitalisierung wird als Dienstleistungssphäre betrachtet. Spezialisten haben Priorität. Es ist einfach unmöglich, Programme zu entwickeln, ohne die Technologie zu kennen.

Beispielsweise wurde in der Pflanzenproduktion ein Programm entwickelt, 96% des Ackerlandes wurden digitalisiert, seit 1985 wurden Feldpässe erstellt, Bodenkarten und Fruchtfolgen auf diesen Feldern wurden erfasst. Die Spezialisten der Innopolis University haben ein elektronisches Informationssystem entwickelt, das jedem Agronomen entsprechende Empfehlungen geben kann. Dieses geschaffene System ermöglicht es, die Entwicklung von Krankheiten in landwirtschaftlichen Kulturen vorherzusagen, zu diagnostizieren und den Bedarf an Düngemitteln zu berechnen. Ein solches System zum Schutz und Anbau von Kulturpflanzen umfasst etwa 15 Faktoren, die hohe Erträge ermöglichen. Die Ergebnisse der Arbeiten der Jahre 2019-2020 zeigen, dass der Einsatz einer solchen digitalen Technologie eine Steigerung des Getreideertrags um bis zu 40%, des Kartoffelertrages um bis zu 40%, eine Erhöhung des Massenanteils an Protein um 20% und eine Verbesserung des pflanzengesundheitlichen Zustands des Bodens um 5% ermöglicht.

In der Tierhaltung wird ein Herdenmanagementprogramm verwendet, das den physiologischen Zustand der Tiere verfolgt. Daten von der Geburt bis zum Absetzen werden im Informationssystem gespeichert. Darüber hinaus wurden häufig Fütterungszentren genutzt, die je nach physiologischem Zustand und Tierart Futter beschaffen. Es gibt spezielle Farmen, die Futter für mehrere Bezirke liefern. Auf diese Weise kann die Milchleistung um 11% gesteigert werden. Es gibt Empfehlungen für kleine Unternehmen in der Tierhaltung.

Zusammenfassend stellte F.N. Mukhametgaliev fest, dass Digitalisierung eine Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit ist. Es ist notwendig, an diesem Thema zu arbeiten. Um die Landwirtschaft zu einer attraktiven Industrie zu machen, müsse man sich von traditionellen Technologien trennen und die landwirtschaftliche Arbeit attraktiv und prestigeträchtig machen.


[1] http://digital-economy.ru/stati/komplementarnye-zavisimosti-nauki-i-biznesa-neobkhodimoe-uslovie-uspeshnosti-tsifrovizatsii-agrarnoj-ekonomiki

[2] https://innopolis.university/