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Online-Webinar: „Chancen für westliche Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelbranche in Russland“

Am 10. November 2020 organisierten der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog und die SCHNEIDER GROUP gemeinsam ein Online-Webinar zum Thema „Chancen für westliche Unternehmen in der Agrar- und Lebensmittelbranche in Russland.

Am Webinar nahmen u.a. der stellvertretende Gouverneur der Oblast Woronesch Viktor I. Logwinow, die Geschäftsführerin des Länderarbeitskreises Osteuropa der DLG e.V. sowie der Vizepräsident des russischen Getreideverbands Alexander Korbut teil. Die SCHNEIDER GROUP war durch den Partner Thomas Mundry vertreten. Christoph Spank moderierte die Veranstaltung. Kerstin Müller von APOLLO e.V. ging auf das Thema praxisnahe Ausbildung und bilateraler Praktikantenaustausch ein.

In seinem Grußwort betonte der Partner der SCHNEIDER GROUP Thomas Mundry, dass ungeachtet der schwierigen Großwetterlage Russland für westliche Investoren ein sehr attraktiver Standort sei. Russland habe in den letzten Jahren große Fortschritte beim Aufbau der Infrastruktur gemacht. Auch im Zuge der Lokalisierungspolitik ergäben sich gute Chancen für westliche Unternehmen.

Florian Amersdorffer, Projektleiter des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs, hob hervor, dass die Covid-19-Pandemie die Relevanz der internationalen Zusammenarbeit für funktionsfähige globale Wertschöpfungsketten eindrücklich vor Augen geführt habe. Dies eröffne auch Chancen für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Der APD habe die Erfahrung gemacht, dass in den letzten Jahren auch auf regionaler Ebene ein verstärktes Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit geäußert wurde. Der APD sehe ein großes Potenzial im Forschungs- und Wissenschaftssektor sowie im Themenbereich der Ausbildung und Beratung.

Christoph Spank von der SCHNEIDER GROUP gab einen Ausblick auf makroökonomische Indikatoren wie auch auf agrarspezifische Trends in Russland. Beim Doing-of-Business-Index habe Russland große Fortschritte gemacht. Die Tendenz der Importsubstitution seit 2014 sei jüngst in einen weiteren Ausbau der Kapazitäten hin zu einer größeren Exportorientierung übergegangen. Auf dem russischen Lebensmittelmarkt sei angesichts der aktuellen Covid-19-Krise und des damit verbundenen Kaufkraftverlusts eine Konsumverschiebung hin zu Gütern mit niedrigerem Preisniveau erkennbar. Bei Fleischprodukten seien insbesondere kleinere Portionen und Produkte mit einer kürzeren Produktionszeit gefragt.

Thomas Mundry verwies auf deutliche Verbesserungen im russischen Immobilienrecht. Besonders zu begrüßen sei die zuverlässige Registrierung, die nun ähnlich funktioniere wie im deutschen Grundbuchwesen. Besondere Fortschritte habe es auch im Bereich der Digitalisierung gegeben, hier nannte Herr Mundry den Digitalisierungspark „Skolkowo“ als führendes Best-Practice-Beispiel.

Die Geschäftsführerin des DLG-Länderarbeitskreises Osteuropa Olga Hunger hob die hohe Investitionsbereitschaft der russischen Landwirtschaft hervor. Bisher habe sich diese vor allem auf Großbetriebe konzentriert. In nächster Zeit sei zu erwarten, dass auch kleinere Unternehmen hieran anknüpften. Im Pflanzenbau sei von einer weiteren positiven Entwicklung der Produktionsintensität auszugehen. Auch hier ergebe sich großes Potenzial durch den Einsatz moderner und innovativer Technologien. Von entscheidender Bedeutung sei die Entwicklung tragfähiger und nachhaltiger Beschaffungs-, Logistik- und Verarbeitungsstrukturen vor Ort.

Der stellvertretende Vorsitzende des Russischen Getreideverbands „Rossijskij Sernowoj Sojus“ Alexander W. Korbut geht davon aus, dass die Getreideernte in Russland von 133 Millionen Tonnen im Jahr 2020 bald auf 145 bis 155 Millionen Tonnen ansteigt. 2021 wird mit einem Exportvolumen von 50 Millionen Tonnen Getreide, davon 37,5 Millionen Tonnen Weizen gerechnet. Besondere Herausforderungen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Exportorientierung des russischen Getreidesektors bestehen im Ausbau der Verarbeitungskapazitäten und Logistikketten. Für Investoren ergäben sich interessante Perspektiven durch die Stärkung der Wertschöpfung im Bereich der Lagerung und Verarbeitung, auch im Bereich globaler Wertschöpfungsketten. Gemäß einer neuen Regierungsverordnung öffneten sich auch strategische Bereiche, wie z.B. die Selektion, für ausländische Investoren. Dies zeige sich auch am Beispiel der bedeutsamen Investitionen von KWS in Russland.

Kerstin Müller, Vorstand der APOLLO e.V. stellte in ihrem Beitrag die Bedeutung des Praktikanten- und Fachkräfteaustausches für die künftigen bilateralen Wirtschaftsbeziehungen vor. APOLLO e.V. richte bei seinen Dienstleistungen das Hauptaugenmerk vor allem auf Praktika für russische Fachkräfte in Deutschland, allerdings ermögliche das umfangreiche Netzwerk auch die Vermittlung und Betreuung von Praktikanten aus Deutschland in Russland. Frau Müller stellte dabei den Praxisbezug besonders heraus: Das Erleben von Produktionsprozessen vor Ort im jeweils anderen Land stärke den Einblick und die Motivation des Praktikanten und schaffe eine tiefere Bindung. Die Unternehmen von heute stellten hohe Ansprüche an das Verantwortungsbewusstsein, die Selbständigkeit und die interkulturelle Kompetenz ihrer Mitarbeiter. APOLLO e.V. arbeite kontinuierlich an einer engen Zusammenarbeit mit deutschen und russischen Unternehmen um die dynamischen Herausforderungen an ein interkulturell geschultes Fachpersonal gut zu meistern.

Abschließend betonten der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog und die SCHNEIDER GROUP sowie die teilnehmenden Experten der Veranstaltung, für weitere Fragen von Interessenten auch im Nachgang der Veranstaltung gerne zur Verfügung zu stehen.