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Webinar „Moderne Technologien bei der Produktion, Verarbeitung und Lagerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse“

Vom 27. bis 30. Oktober 2020 organisierte der Russische Landjugendverband RSSM ein Webinar zur Weiterbildung von Mitarbeitern landwirtschaftlicher Kompetenzzentren auf dem Gebiet der genossenschaftlichen Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Moderne Technologien bei der Produktion, Verarbeitung und Lagerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse“ erörterten die ca. 150 Teilnehmer aus ganz Russland moderne Innovationen und Technologien rund um den Bereich Digitalisierung (Smart Greenhouse, Smart Gardening und Smart Livestock Farming). Dabei wurden auch innovative Lösungen im Bereich der Datenverarbeitung und -übermittlung für administrative Lösungen und im Kontakt zwischen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen sowie Behörden vorgestellt und diskutiert.

Am 28. Oktober nahm der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog gemeinsam mit dem Experten Dr. Michael Rittershofer, dem Geschäftsführer und Projektmanager der Ökomodellregion Mühldorfer Land, am Webinar teil. Herr Dr. Rittershofer stellte den Teilnehmern dabei die Verbraucher- und Erzeugergenossenschaft „TAGWERK“ als Best Practice-Beispiel vor, die sich seit 1984 auf eine Initiative von 34 Personen hin , darunter v.a. interessierten Verbrauchern, im Bereich der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Waren und landwirtschaftlicher Rohstoffe entwickelt hat.

Als zentrale Erfolgsfaktoren von TAGWERK hob er den Markenaufbau und die Markenpflege für regionale Bioprodukte hervor. Essentiell hierfür seien neben einem strikten Transparenzprinzip der persönliche Kontakt zwischen Verbrauchern, Verarbeitern und Erzeugern. Da sich TAGWERK ohne gesonderte staatliche Förderung entwickelt habe, sei von Anfang an dem dem Prinzip der Kosteneffizienz, z.B. bei Transport und Logistik, große Aufmerksamkeit gewidmet worden.

Zu den Maßnahmen, die sich für die Markenpflege als besonders erfolgreich entwickelt haben, gehören u.a. die vierteljährliche Herausgabe einer Informationszeitschrift für die Verbraucher, die Betriebe, Produkte und Verarbeitungsprozesse vorstellt, die Öffentlichkeitsarbeit über Informationsstände bei öffentlichen Veranstaltungen, via Instagram und weitere Social Media-Plattformen, Informationsveranstaltungen für Verbraucher, wie Feldbegehungen oder Hoffeste mit Vorträgen und der Vorstellung von Produkten (Verköstigungsproben, aber auch durch die sogenannte „kollegiale Beratung“. Dies beinhaltet, dass bei den Veranstaltungen neben dem Betriebsinhaber auch weitere Praxisexperten an einem kollektiven Austausch teilnehmen und somit größtmögliche Transparenz hergestellt wird.

Neben der strikten „Regionalität“ – soweit dies produktions- und absatzmäßig möglich ist – setzt sich die Genossenschaft mit ihrem gemeinnützigen Förderverein gezielt für Maßnahmen der Bildungs- und Projektarbeit zur Vermittlung von Informationen über qualitativ hochwertige Lebensmittel ein. Darüber hinaus bilden Umweltschutz und Biodiversität sowie der Kontakt zu öffentlichen und privaten sozialen Einrichtungen wie Schulen, Seniorenheimen oder Krankenhäusern einen weiteren Schwerpunkt der Aktivitäten.

Alle Lieferanten der TAGWERK-Produkte müssen über einen Ökolandbauverband biozertifiziert sein und somit die EU-Vorgaben übertreffen. 95 % der für die eigene Marke verarbeiteten Produkte stammen aus einem regional eng begrenzten Gebiet nordöstlich von München.

Auf Nachfrage aus dem Publikum erläuterte Dr. Rittershofer, dass die Genossenschaft über ihre Satzung strikt geregelt sei. Jede natürliche Person als Teilhaber habe unabhängig von der Menge der gehaltenen Anteile genau ein Stimmrecht. Jedes Jahr entscheide die Genossenschaftsversammlung neu über die Ausschüttung der erzielten Gewinne. Dabei sei bisher immer die Entscheidung für eine umfassende Thesaurierung gefallen, so dass diese Mittel für weitere Investitionen zur Verfügung stehen. Zur Finanzierung des laufenden Geschäfts seien neben den Einlagen der Genossenschaft als Grundkapital Darlehen von Banken und privaten Gläubigern von entscheidender Bedeutung. Dabei werde stets großer Wert auf eine unmittelbare hohe Rentabilität der Anlagen und Prozesse gelegt.

Mit dem Austausch der zahlreichen Praxisvertreter zu Best Practice-Beispielen soll im Rahmen des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs u.a. die Zusammenarbeit im Bereich des Genossenschaftswesens sowie der Digitalisierung und Innovationen weiterentwickelt werden. Herr Dr. Rittershofer erklärte sich für eine weitere Zusammenarbeit mit den russischen Partnern und dem APD bereit.