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Online-Forum zur digitalen Transformation der russischen Agrarwirtschaft „Forum.Digital Agro 2020“

Am 24. September 2020 veranstaltete der Fonds für die Entwicklung der digitalen Wirtschaft der Russischen Föderation mit Unterstützung der russischen Industrie- und Handelskammer das „Forum.Digital Agro 2020“, ein Online-Forum zur digitalen Transformation der Agrarwirtschaft.

Im Rahmen der Plenarsitzung, von Podiumsdiskussionen und Pitch-Sitzungen erörterten die Teilnehmer ein breites Spektrum von Fachthemen, darunter:

  • aktuelle Trends in der russischen Agrarwirtschaft;
  • Umsetzung des staatlichen Programms "Digitale Landwirtschaft";
  • Entwicklung der digitalen Transformation der Agrarwirtschaft in der digitalen Wirtschaft der Russischen Föderation;
  • Erfahrungsaustausch bei der Integration von IT- Lösungen (unter Beteiligung russischer und internationaler Experten);
  • Entwicklung inländischer Technologien und Plattformlösungen zur Digitalisierung der Agrarwirtschaft;
  • Präsentationen digitaler Lösungen (unter Beteiligung russischer und ausländischer Experten);
  • Zusammenarbeit zwischen führenden IT-Technologieunternehmen und Agrar-unternehmen; Konzept des Smart Farming;
  • Internet der Dinge in der Agrarwirtschaft.

An der Veranstaltung nahmen Vertreter der föderalen und regionalen Behörden Russlands, von IT-Firmen, Branchenverbänden, leitende Vertreter und Experten der nationalen Industriegewerkschaften, verschiedener Unternehmen aus der Land- und Ernährungswirtschaft sowie aus Hochschullehre und Forschung teil.

Die praxisorientierte Anwendung von Precision Farming zur Effektivitätsoptimierung in der Landwirtschaft wurde im Rahmen des Panels "Smart Agro: Projekte der Implementierung digitaler Dienste und Lösungen in der Agrarwirtschaft" erörtert, insbesondere:

- die Bildung einer gemeinsamen Informationsplattform, um Bedürfnisse der Agrarpraxis mit Möglichkeiten der IT-Unternehmen zu verbinden;

- digitale Lösungen für die Agrarwirtschaft: Einführung von KI-, IoT-, Big Data-, Robotisierungs- und Drohnentechnologien in der Agrarwirtschaft;

- neue Trends und Möglichkeiten der Digitalisierung im Pflanzenbau und der Tierproduktion;

- Entwicklung von digitalen Ökosystemen für Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft.

Moderiert wurde das Panel von Sergej Kosogor vom Technologietransferzentrum an der Moscow Higher School of Economics. Bei der Begrüßung ging er auf die Rolle der Digitalisierung in der modernen Landwirtschaft ein und hob die wichtigsten globalen Trends hervor, die zu diesem Prozess beitragen. Auch thematisierte er die staatlichen Interessen sowie die Forschung des Technologietransferzentrums der MHSE in diesem Bereich.

Tatjana Krejtor, Abteilungsleiterin im Bereich Corporate Business Development der Sberbank, stellte das neueste digitale Produkt der Sberbank vor, ein "digitales Ökosystem" für die Landwirtschaft, das sich hauptsächlich an den Bedürfnissen mittlerer und kleiner Unternehmen orientiert und von der Ertragsprognose und Unkrautbekämpfung bis hin zur Kontrolle der Milchleistung und „Smart Livestock Farming“ ein breites Spektrum an verschiedenen Bereichen abdeckt. Sie sprach auch über finanzielle Unterstützungsmaßnahmen der Bank für die Landwirtschaft in Form von Krediten und Subventionen für die Einführung moderner digitaler Technologien im Betrieb. Sie ging auf die Frage des Einsatzes digitaler Technologien bei der Kreditvergabe durch die Bank und das elektronische Dokumentenmanagement ein.

Marat Schoov, ein weiterer Vertreter der Sberbank, erläuterte den Prozess der Express-Kreditwürdigkeitsprüfung und zeigte, wie die Einführung der einheitlichen digitalen Plattform "Digitales Ökosystem" für die Agrarwirtschaft den Zugang zu Krediten für kleine Unternehmen vereinfachen und deren Effizienz steigern wird.

Der Mitbegründer des Cognitive Pilot-Unternehmens Andrej Tschernogorow stellte die neueste Entwicklung seines Unternehmens vor, eines vollständig inländischen Produkts, das das innovative System „Cognitive Agro Pilot“ zur autonomen Steuerung landwirtschaftlicher Maschinen mit autonomen Parallelfahr- und Bildverarbeitungs-technologien beinhaltet. Er erläuterte das technische Konzept und zeigte, wie seine Anwendung zur Produktivitätssteigerung im Ernteprozess beiträgt und die Produktionskosten optimiert.

Der Vertreter der Rostselmash-Unternehmensgruppe, Projektmanager Oleg Alexandrow, präsentierte die Schwerpunkte der Rostselmash-Gruppe im Bereich digitaler Technologien für die Landwirtschaft (hauptsächlich Pflanzenproduktion), einschließlich Bildverarbeitungstechnologien, künstlicher Intelligenz und Big-Data-Analyse sowie autonomer Maschinen (Projekt "Autonomer Betrieb" einschließlich des autonomen Steuerungssystems für landwirtschaftliche Maschinen "Agrotronic Pilot") und sprach über die Besonderheiten der relevanten technischen Lösungen.

Internationale Erfahrung aus Deutschland im Bereich der Implementierung digitaler Technologien präsentierte der Experte des Deutsch-Russischen Agrarpolitischer Dialogs Andreas Schmidt vom EXAgT "Büro für präzise Agronomie" GbR. In seinem Vortrag ging er auf die Durchführung produktionsintegrierter Großparzellenversuche zur Kontrolle des Effekts von Änderungen bzw. Anpassungen von Produktionsmethoden im Pflanzenbau ein. Dies diene einer kontinuierlichen Verbesserung der Produktion durch Anpassungen der zugrundeliegenden Technik und Technologien. Unter praxisorientierten Bedingungen werden die Wirksamkeit und Effizienz neuer Sorten, von Mitteln und Technologien für den Pflanzenschutz, die Düngung, Bodenbearbeitung sowie landwirtschaftliche Maschinen beurteilt. Dies sei möglich durch die konsequente Nutzung moderner Technologien wie DGPS, Sensoren (Pflanzen, Boden, Witterung …), Ertragskartierung, Variable Rate-Technologien (VRT) und präziser geostatistischer Auswertungsverfahren unter Einbeziehung räumlicher Indikatoren (Bodenqualität, Nährstoffstatus, Relief). Hierzu werden auch frei verfügbare digitale Daten (kostenlos bis preiswert) und digitale Instrumente, wie z.B. das Geoinformationssystem QGIS, Python, OpenCV, OpenDroneMap usw. genutzt.

Alexander Lyskowskij, Präsident von iFarm, sprach über die vertikale Landwirtschaft sowie ihre Relevanz und Perspektiven während der aktuellen Pandemie. Trends für einen gesunden Lebensstil, Umweltfreundlichkeit und Konsum außerhalb der Saison eröffneten diesem Sektor bedeutende Perspektiven. Die vertikale Landwirtschaft biete eine Reihe wirtschaftlicher Vorteile gegenüber herkömmlichen Gewächshäusern. Mit dem innovativen und digitalen iFarm-System des Unternehmens liesen sich schlüsselfertige vertikale Farmen erstellen. Die Relevanz dieses Ansatzes für den Anbau von Gemüse und Kräutern sei im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie weiter gestiegen.

Andrej Feoktistow, Direktor für Business Development bei den „Rocky“-Projekten bei CADFEM CIS, sprach über die numerische Modellierung als ersten Schritt zum "Zwilling" von landwirtschaftlichen Maschinen. Die Technologie „Rocky Dem“ ermögliche eine digitale Modellierung von technologischen Prozessen und von Teilen landwirtschaftlicher Maschinen zur Untersuchung des Einflusses verschiedener Faktoren und Konstruktionsmerkmale auf diese Maschinen. Mit der numerischen Simulationstechnologie ließen sich die Design-Projektierung neuer Gerätetypen automatisieren, Engpässe in der Funktionseise vorhandener Maschinen identifizieren und beheben sowie Überlegungen für die Modernisierung der Technik im Vorfeld prüfen, so dass diese für die Erstellung eines "digitalen Zwillings" landwirtschaftlicher Geräte genutzt werden könnten. Bei der Modellierung im Rahmen des "Digital Twin" werden Daten von Automatisierungssystemen (Sensoren, IoT- Komponenten) mit Daten kombiniert, die auf Basis numerischer Modellierung erhalten wurden.

Alexej Bikkinin, CTO bei AI Hardware, berichtete über Erfahrungen seines Unternehmens bei der Digitalisierung der Agrarwirtschaft im Bereich Internet der Dinge (IoT). Das von AI Hardware entwickelte System werde derzeit getestet und könne beispielsweise zum Monitoring des Wohlbefindens von Rindern verwendet werden. Zu weiteren praxisrelevanten Entwicklungen seines Unternehmens im Bereich der Digitalisierung der Landwirtschaft zählten die Ausstattung von Schädlingsfallen mit Kommunikationssystemen und GPS, automatisierte drahtlose Kommunikationssysteme für Sensoren bei Hydroponiksystemen in Gewächshäusern sowie unbemannte Fluggeräte und pflanzengesundheitliche Überwachungsmethoden bei der Bewässerung von Weinbergen.

Am Ende des Panels gab Alexandra Konowka, Vertreterin der Anwaltskanzlei LEO Group, Auskunft über die rechtliche Unterstützung landwirtschaftlicher Erzeuger in Bodenrechtsfragen durch eine digitale Plattform, die es sowohl Anwälten als auch landwirtschaftlichen Unternehmen ermöglicht, einen grafischen Abgleich zwischen den in Liegenschaftskataster eingetragenen und den faktischen Grundstücksgrenzen durchzuführen. Mit diesem System können auch Finanzkennzahlen auf bestimmte Grundstücke projiziert und so die Effizienz der Bodennutzung bewertet werden.