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Fachbeiratssitzung zum Schwerpunktbereich "Digitalisierung und Innovationen"

Am 21. September 2020 fand die konstituierende Online-Sitzung des Fachbeirats für den Projektschwerpunkt „Digitalisierung und Innovationen“ des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs statt. Der Beirat soll den Dialog der im Projektschwerpunkt beteiligten Akteure strukturierend gestalten und fachlich unterstützen, um so zu einer nachhaltigen Verbesserung der Rahmenbedingungen für Digitalisierung und Innovationen in Russland und Deutschland beizutragen.

Projektleiter Florian Amersdorffer erwähnte in seinem Grußwort, dass die Ausweisung eines eigenen Projektschwerpunkts Digitalisierung und Innovationen eine noch recht junge Entwicklung innerhalb der aktuell laufenden Projektperiode bewegt habe, die allerdings durch ihre Interdisziplinarität und ihren grundlegenden Charakter eine sehr umfassende Bedeutung habe.

Dr. Steffen Beerbaum, Referat „Anwendung der Digitalisierung in der Landwirtschaft“ im BMEL und Co-Vorsitzender des Beirats, verwies auf die Schlüsselrolle der Digitalisierung für die weitere Entwicklung der Landwirtschaft und auch der ländlichen Entwicklung. Diese Schlüsselrolle zeige sich auch in der bedeutenden Rolle des Themengebiets in der aktuellen organisatorischen Struktur des BMEL.

Dr. Irina Ganiewa, Abteilungsleiterin für Digitalisierung am VIAPI Nikonow-Institut und Direktorin des Zentrums für Forschung und Lehre in der Region Kusbass sowie Co-Vorsitzende des Fachbeirats, ging kurz die Bedeutung der Grundlagenforschung für die Digitalisierung ein. Die Entwicklung der ökonomisch-mathematischen Modellierung und Prognose sei ein wichtiges und aktuelles Forschungsgebiet in Russland.

Die Vertreter des Beirats auf russischer wie auch auf deutscher Seite stellten im Verlauf jeweils die aktuellen Trends und Schwerpunkte der Digitalisierung in ihren Ländern vor.

Am Beispiel des Experimentierfelds „LandNetz“ ging Professor Dr. Thomas Herlitzius von der TU Dresden auf den Aufbau von Erprobungsfeldern für die mobile Vernetzung im ländlichen Raum in Deutschland ein. Der Fokus liege auf der Schaffung einer 5G-Kommunikations- und Cloudstruktur, der Entwicklung von Technologien zur flächendeckenden drahtlosen Datenübertragung, z.B. durch Etablierung unabhängiger lokaler privater Netze (Vorteil: Verbleiben innerhalb des Netzes ohne Internet möglich) sowie der Gewährleistung einer möglichst übersichtlichen Bedienbarkeit und Entwicklung von Elementen für integrierte Lösungen.

In Russland soll mithilfe der digitalen Plattform „DigitalAgro“ eine effiziente Vernetzung zwischen allen relevanten Stakeholdern des Agrarsektors, wie Landwirten, dem Groß- und Einzelhandel, der Logistik, Finanz- und Versicherungsdienstleistern sowie staatlichen Behörden (Förderpolitik) erfolgen. Im Rahmen zentraler Plattformlösungen sollen u.a. Schnittstellen zwischen Unternehmen und Behörden effizienter vernetzt, aber auch eine „Offene Universität“ zur Ausbildung von Fachkräften etabliert werden.

Im Verlauf der Erörterungen wurden drei inhaltliche Schwerpunktbereiche für die weiteren Aktivitäten des APD und des Fachbeirats evaluiert, die in den kommenden Monaten vertieft werden sollen:

  • Aus- und Weiterbildung,
  • Datentransfer und Datenplattformen
  • Nutzung von Fernerkundungsdaten für agrarbezogene Dienstleistungen mit besonderem Fokus auf der Umsetzung in die Praxis

Moderator und stellvertretender APD-Projektleiter Alexander Djagilew hielt hierzu fest, dass auf beiden Seiten übereinstimmend ein Austausch zu

  • Experimentierfeldern (Modellvorhaben und Pilotprojekten) in beiden Ländern,
  • Datenpolitik und die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen sowie deren Weiterentwicklung unter Einbeziehung von Vertretern aus der Branchenpraxis, Forschung und Wissenschaft sowie Politik und Verwaltung, sowie
  • Themen der digitalisierungsbezogenen Aus- und Weiterbildung

gewünscht werde. Die russischen Vertreter zeigten sich offen für Fachexpertise aus Deutschland und luden dazu ein, über den APD Beiträge für das Projekt der „Offenen Agraruniversität“ („Semlja Snanii“) sowie im Rahmen der Messe „Goldener Herbst 2020“ zu leisten.

Im Nachgang der Veranstaltung werden in beiden Ländern jeweils Schnittmengen und weitere Entwicklungsmöglichkeiten herausgearbeitet, die die Basis für die Konzeption künftiger gemeinsamer Projekte bilden. Die nächste Sitzung des Fachbeirats soll voraussichtlich im Februar 2021 stattfinden.