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Webinar mit dem Russischen Landjugendverband zum Thema "Auswirkungen der Corona-Pandemie auf landwirtschaftliche Betriebe: Risiken und Herausforderungen"

Am 17. Juli 2020 organisierte der Russische Landjugendverband RSSM ein Webinar zum Thema „Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Agrarsektor“. Der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog nahm mit seinem früheren Projektleiter Martin Schüßler vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Expertin für Regionalentwicklung und regionales Marketing Liselotte Unseld an der Veranstaltung teil, bei der 15 Teilnehmer aus verschiedenen Regionen Russlands zugeschaltet waren. Projektleiter Amersdorffer würdigte dabei die langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Russischen Landjugendverband.

Der stellvertretende Vorsitzende des RSSM Dmitrij Pekurowskij begrüßte die Teilnehmer und sprach dem APD und den beiden Experten Liselotte Unseld sowie Martin Schüßler seinen besonderen Dank aus. Das Thema COVID-19 sei weiterhin das prägende Thema in Öffentlichkeit und Politik in beiden Ländern. Für die junge Generation der Landwirte stelle sich die Frage, welche Auswirkungen die Krise auf Betriebe habe und wie der Staat helfe, die negativen Auswirkungen zu mindern. In diesem Zusammenhang seien für die russische Landjugend auch Erfahrungen über die jeweils getroffenen Maßnahmen in Deutschland von großem Interesse. Diese gäben einen wertvollen Input für die weitere Entwicklung von Maßnahmen auch in Russland.

Frau Unseld führte in ihrer Präsentation aus, dass der Absatz der Lebensmittelproduktion in Deutschland in der Akutphase der Corona-Krise im März und April eine bedeutsame Nachfrageverschiebung zugunsten haltbarer Produkte für Privathaushalte und zuungunsten für die Gastronomie und Großküchen typischer Produkte erfahren habe. Zu den temporären Gewinnern hätten demzufolge Nudeln und Kartoffeln gehört, zu den Verlierern u.a. Pommes Frites und Schweinefleisch.

Die Krise habe jedoch zu einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit für die Landwirtschaft als lokalen Produzenten und den Wert von Lebensmitteln geführt. Darin liege eine große Chance für eine langfristige Imagepflege bzw. -verbesserung des Agrarsektors. Auch sei das Interesse an einem klimaschonenden Lebensstil (Verminderung des „CO2-Fußabdrucks“) zusätzlich gestiegen. Die damit verbundene höhere Zahlungsbereitschaft eröffne Chancen für die Sparte der regionalen Produkte.

In der Regionalisierung und Diversifizierung der von den Betrieben angebauten Produkte bzw. angebotenen Dienstleistungen (z.B. Tourismus auf dem Lande) liege auch eine mögliche Antwort für die Unternehmen auf die in Deutschland infolge der der hohen Marktmarkt der Discounter-Ketten ungünstige Marktstellung des Lebensmitteleinzelhandels.

Unternehmenszusammenschlüsse und Genossenschaften leisteten hierzu einen wertvollen Beitrag, da sie mit größerem Einfluss als einzelne Betriebe gegenüber dem Handel auftreten und den für den Handel wichtigen Mindestumfang und Lieferkontinuität gewährleisten können. Darüber hinaus beraten sie teilnehmende Unternehmen und können bei auftretenden Problemen oder rechtlichen Fragen nach außen geschlossen auftreten.

Auf Nachfragen der Teilnehmer erläuterten Liselotte Unseld und Martin Schüßler, dass die Landwirtschaft in der Krise im Rahmen der allgemeinen Hilfe (Sofortmaßnahmen und Überbrückungshilfen) für Unternehmen zügig unterstützt worden sei. Eine gezielte branchenspezifische Maßnahme habe in Sonderregelungen zur Einreise und Beschäftigung von Erntehelfern bestanden. Mittels der innerhalb von vier Tagen ins Leben gerufenen Online-Plattform „Das Land hilft“ konnten der Agrarbranche zahlreiche private Interessenten zur temporären Mitarbeit auf den landwirtschaftlichen Betriebe vermittelt werden. Dies habe auch zu einer stärkeren Integration der Bedeutung der Landwirtschaft in das gesellschaftliche Bewusstsein beigetragen.