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Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Ökolandbaurahmengesetzes: APD informiert zur Öko-Zertifizierung in Deutschland und Europa

Am 28. April 2020 fand eine Videokonferenz der Arbeitsgruppe zur Umsetzung des Ökolandbaurahmengesetzes der Russischen Föderation" statt. An der Veranstaltung unter Leitung von Sergej W. Beloussow, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Agrar- und Ernährungspolitik sowie Naturnutzung des Russischen Föderationsrates, nahm auch der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog mit dem unabhängigen Experten für Öko-Zertifizierung Frank Rumpe teil.

Senator Beloussow bedankte sich beim APD, der in der gegenwärtigen ungewöhnlichen Situation die Konferenz organisatorisch und mit Fachexpertise unterstütze. Beim Ökolandbausektor handelt es sich nach seinen Worten um einen hochdynamischen Sektor mit großem Wachstumspotenzial, der durch das neue Ökolandbaurahmengesetz seit 1. Januar 2020 eine wichtige Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung erhalten habe. Der Dialog mit Branchenexperten sei wichtig für die Konzipierung von Nachbesserungen zur weiteren Vervollkommnung der Gesetzgebung in diesem Bereich zugunsten einer weiteren Beschleunigung der positiven Entwicklung.

APD-Projektleiter Florian Amersdorffer dankte Herrn Beloussow für die Initiative und Einladung zur Konferenz. Gute Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland seien ein für beide Länder eine Bereicherung und können ihm zufolge auch für Produzenten und Verbraucher in der Biobranche große Chancen eröffnen. Dies habe sich zuletzt beim Besuch der vom APD betreuten russischen Delegation zur Messe Biofach im Februar 2020 in Form der zunehmenden Repräsentation russischer Unternehmen und in der vom APD veranstalteten Podiums-Diskussion zum Thema „Rahmenbedingungen für den Ökolandbau, Harmonisierung und gemeinsamer Handel“ gezeigt.

Aus Sicht des APD seien faire, transparente und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Initiativen und staatliche Akteure für einen vielfältigen und den Verbraucher ansprechenden Ökolandbausektor wichtig. Nach ersten erfolgreichen Schritten in der Entwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen stehe Russland in der Umsetzung, insbesondere der Zertifizierung nach internationalen Standards, vor großen Herausforderungen. Die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung im ökologischen Landbau, insbesondere auf praktischer Ebene, beispielsweise für Inspektoren in der Zertifizierung, sei neben dem weiterhin gerne durch den APD unterstützten Austausch auf Expertenebene ein wichtiger Ansatzpunkt für die weitere positive Entwicklung des Sektors.

Die stellvertretende Leiterin von Roskatschestwo (Nicht-kommerzielle Organisation „Russisches Qualitätssystem“), Jelena Saratzewa, bestätigte in ihrem Beitrag, dass der Mangel an Kontrolleuren für die Kontrollstellen generell ein großes Problem darstellte. Roskatschestwo arbeite mit Hochdruck an gezielten Ausbildungs- und Weiterbildungsprogrammen. So würden derzeit Webinar-Angebote für Kontrolleure ausgearbeitet und in Kooperation mit der Staatlichen Agraruniversität Woronesch spezielle Curricula entwickelt. Seit dem 15. April bietet Roskatschestwo Öko-Kleinbetrieben die Möglichkeit einer kostenlosen Zertifizierung an, sofern diese im zentralen Register des russischen Landwirtschaftsministeriums registriert sind.

Wladislaw Nesmejanow, Referatsleiter „Organisation wissenschaftlicher Forschung“ in der Abteilung für Wissenschafts- und Technologiepolitik und Ausbildung des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation stellte fest, dass angesichts der Covid-19-Krise ein Rückgang bei den Anmeldungen weiterer Produzenten im einheitlichen staatlichen Register der Ökolandbauproduzenten zu verzeichnen sei.

Der Vorsitzende des Nationalen Ökolandbauverbandes Oleg Mironenko sprach sich für eine vorläufige allgemeine Subventionierung der Zertifizierungskosten für Ökolandbaubetriebe aus. Das staatlich unterstützte Angebot einer kostenlosen Zertifizierung von Ökolandbaubetrieben durch ein einzelnes Zertifizierungsunternehmen berge die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung, auch wenn diese nur vorübergehend erfolge. Dies sei mit dem gesetzlich verankerten Ziel der Förderung und Entwicklung eines privaten Kontrollstellenwesens nur schwer vereinbar. Ein vordringliches Problem bestehe darin, dass es nach wie vor zu wenige Kontrollstellen mit zu wenigen Kontrolleuren gebe. Der Ausbildung von Kontrolleuren und dem Erhalt privater Kontrollstellen für den Ökolandbau müsse daher vorrangig Priorität eingeräumt werden.

Mit dem Prozess der Zertifizierung in Russland seit dem Inkrafttreten des neuen Ökolandbaurahmengesetzes am 1. Januar 2020 zeigte sich der Generalsekretär der Ökologischen Landbauunion Sergej Korschunow zufrieden. Bedarf sieht er in der Organisation von Praxisseminaren, die für die Entwicklung und den Transfer von Know-how eine wichtige Rolle einnehmen.

Tatjana Wolkowa, Generaldirektorin des Zertifizierungsunternehmens "Оrganic Expert GmbH" betonte, dass die bisherige Anzahl qualifizierter Zertifizierer nicht ausreiche, zumal die Anzahl der zu zertifizierenden Unternehmen weiter steige. In der gegenwärtigen Situation ergebe sich das Problem, dass Kontrollbesuche vor Ort besonders bei Viehbetrieben nur sehr eingeschränkt möglich seien. Daher seien für ihr Unternehmen Informationen sehr wertvoll, wie die europäischen Zertifizierer in einer vergleichbaren Situation arbeiten.

Frank Rumpe, Experte für Ökolandbauzertifizierung des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs, sieht in der gegenwärtigen Situation aufgrund der COVID-19-Krise auch Chancen für den Ökolandbau: Zum einen werde eine höhere Nachfrage nach regionalen Produkten beobachtet, zum anderen werde das Bewusstsein für Umweltschutzmaßnahmen zur Vermeidung künftiger Pandemien gestärkt. Die Know-how-Vermittlung bei Landwirten, Verarbeitern und Kontrollstellen über Methoden und Standards des Ökolandbaus sei von größter Bedeutung für den künftigen Erfolg und erleichtere auch die Kontrolle im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens.

Senator Beloussow betonte abschließend, dass die Unterstützung der lokalen Ökolandbaubetriebe die Selbstversorgung mit Lebensmitteln fördere und das Potenzial für kleine und Nebenbetriebe steigere. Wichtig seien eine Analyse der zentralen Wachstumstrends des russischen Ökolandbaus im internationalen Kontext und verstärkte Bemühungen mit den europäischen Kollegen in Richtung einer gegenseitigen Anerkennung der Branchenstandards und Zertifizierungsverfahren von Ökolandbaubetrieben.