<< zurück

Podiumsdiskussion zum Thema „Grüne Standards“ im Rahmen der Prodexpo-Ausstellung

Am 12. Februar fand im Rahmen der 27. Internationalen Ausstellung für Lebensmittel, Getränke und Rohstoffe „Prodexpo 2020“ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Grüne Standards“ statt.

Die Teilnehmer der Veranstaltung, unter denen Larisa Naumowa, stellvertretende Abteilungsleiterin für Wissenschafts- und Technologiepolitik und Bildung des russischen Landwirtschaftsministeriums, Jelena Resnitschenko, Referatsleiterin für phytosanitäre Überwachung und Saatgutkontrolle bei der Behörde Rosselchosnadsor, Andrej Wolkow, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für die Entwicklung des Agrarsektors bei der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation, Alexander Djagilew, stellvertretender Projektleiter des „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs“, diskutierten Maßnahmen für die Einführung staatlicher Vorschriften für die „Erzeugnisse mit verbesserter ‘grüner‘ Qualität“, die Schaffung der erforderlichen Infrastruktur für deren Qualitätsbewertung sowie mögliche Arbeitsbereiche zur Aufklärung der Verbraucher. Diese Veranstaltungen sollten laut den Teilnehmern dazu beitragen, den Anteil des Greenwashing in Russland zu verringern.

Die Moderatorin der Veranstaltung, Jelena Saratzewa, stellvertretende Leiterin von Roskatschestwo, betonte, dass zur Schaffung eines nachhaltigen Segments „grüner“ Produkte, das sowohl den Kundenbedürfnissen als auch den Anforderungen der Importländer gerecht wird, die Information der Verbraucher notwendig sei und auch die Weiterentwicklung des Umgangs der Verbraucher mit verfügbaren Ressourcen, wie z.B. der Liste „grüner“ Produkte sowie entsprechenden Label. „Somit wird Russland eine weitere Phase von der Verbesserung der Produktqualität bis zur Verbesserung der Lebensqualität durchlaufen“, unterstrich Jelena Saratzewa.

Larisa Naumowa betonte auch, wie wichtig es ist, einen rechtlichen Rahmen für „die grüne Marke“ zu schaffen und die russischen Standards an das weltweite Niveau anzupassen. Derzeit werden in Russland gemäß den Anweisungen des Präsidenten umfangreiche Aktivitäten durchgeführt, die auf die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und die Schaffung moderner grüner Produktionssektoren im Land abzielen. Diese Aktivitäten sehen eine ganze Reihe verschiedener Maßnahmen vor, darunter die Entwicklung nationaler Standards, die Unterstützung der Erzeuger beim Übergang zur integrierten Produktion, die entsprechende Ausbildung junger Fachkräfte und die Förderung der Zusammenarbeit mit ländlichen Schulen.

Alexander Djagilew referierte über bereits gesammelte Erfahrungen bezüglich der Organisation der integrierten landwirtschaftlichen Produktion in Europa am Beispiel Deutschlands und der Schweiz. Die wachsenden Anforderungen der Gesellschaft an die moderne Landwirtschaft, die Notwendigkeit einer nachhaltigen Produktion von Rohstoffen und Nahrungsmitteln, Natur- und Ressourcenschutz, Tierschutz und Tierwohl, Klimaschutz und die Beachtung der wirtschaftlichen Interessen der Landwirte hätten zur Bildung des Konzepts der „integrierten Landwirtschaft“ (engl. „integrated farming“) geführt. Bei der Integrierten Produktion (IP) stehen der ganze Betrieb, die Umwelt und die Bevölkerung im Zentrum. Bei ihr handelt es sich um eine umweltschonende Bewirtschaftungsform zur Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel und Rohstoffe. Es werden weit gehend natürliche Ressourcen und Regulationsmechanismen genutzt und berücksichtigt. Bei möglichst geschlossenen Nährstoffkreisläufen werde der Einsatz betriebsfremden Pflanzenschutz- und Düngemittel auf ein Minimum reduziert und die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten.

Die Integrierte Landwirtschaft bilde demnach eine Art Bindeglied zwischen der konventionellen Landwirtschaft und der ökologischen Landwirtschaft, ohne jedoch alle Beschränkungen aus der ökologisch betriebenen Landwirtschaft zu übernehmen. Die Hauptrichtungen für die Entwicklung einer umweltschonenden Landwirtschaft in Deutschland seien die Verschärfung der staatlichen Umweltanforderungen an die traditionelle Landwirtschaft und die aktive Förderung des Wachstums des ökologischen Landbaus.

Neben dem Beitrag zum Klimaschutz hätten diese Anforderungen vor allem den Erhalt oder die Steigerung der biologischen Vielfalt, die Verbesserung der Bodenstruktur und die Verringerung der Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinträge – auch in der Nähe sensibler Gewässer – oder den Tierschutz zum Ziel.

Im Jahr 1989 sei die Schweizerische Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen (IP-SUISSE) gegründet worden. Sie bezwecke die Förderung einer umweltschonenden und tiergerechten Landwirtschaft in der Schweiz. Ihre Mitglieder erfüllen Mindestanforderungen im Hinblick auf Tierwohlkriterien und können je nach Marktgegebenheit an einzelnen Produktionen nach Labelrichtlinien der IP-Suisse teilnehmen. Das Produktelabel bzw. das Logo von IP-Suisse zeichne Produkte aus, die nach entsprechenden Richtlinien hergestellt werden und deren Produzenten die Biodiversität auf ihren Bauernhöfen fördern. Die Einhaltung der Richtlinien und die korrekte Vermarktung werde durch ProCert AG kontrolliert.

Das Logo und Markenzeichen von IP-Suisse sei der Marienkäfer in verschiedenen Formen. Er gelte gleichermaßen als Glücksbringer und natürlicher Schädlingsbekämpfer.

Der Beitrag von Alexander Djagilew fand sehr großes Interesse bei den Teilnehmern, darunter auch Vertreter öffentlicher und wissenschaftlicher Organisationen, Hersteller von Bio-Produkten sowie Top-Manager internationaler, föderaler und regionaler Einzelhandelsketten, die in der abschließenden Diskussionsrunde angeregt Meinungen und Erfahrungen austauschten.

Mehr Informationen zur Integrierten Landwirtschaft in Deutschland und in der Schweiz finden Sie in den veröffentlichten auf der Homepage des APD Artikeln „Förderung von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen in Deutschland“, „Integrierte landwirtschaftliche Produktion in der Schweiz einschl. Kontrollsystem und Kennzeichnung von Erzeugnissen, Feb. 2020“.