<< zurück

Fachinformationsfahrt zum Thema Ländliche Entwicklung und ländlicher Tourismus

Zur Fortsetzung der Zusammenarbeit im Rahmen des Protokolls über die Zusammenarbeit zwischen dem Ausschuss der ländlichen Frauen der Russischen Föderation und dem Deutschen LandFrauenverband e.V. sowie mit dem Ziel des weiteren Erfahrungsaustauschs und der Erörterung von Fragen der komplexen Entwicklung ländlicher Räume organisierte der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog vom 1. bis 5. April 2019 eine Fachinformationsreise nach Deutschland.

Die Themenbereiche der organisierten Veranstaltung umfassten unter anderem die Rolle der Verbände – Verband der Landfrauen und Landjugendverband - bei der nachhaltigen ländlichen Entwicklung sowie die gesetzliche Regelung des ländlichen Tourismus und die Möglichkeit digitaler Lösungen für den ländlichen Raum.

An der Veranstaltung nahmen die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses des Föderationsrates für Agrar-, Ernährungspolitik und Naturnutzung, die Vorsitzende des Ausschusses der ländlichen Frauen der Russischen Föderation Irina Gecht und deren Mitglieder sowie der stellvertretende Vorsitzende des russischen Landjugendverbands Dmitrij Pekurowskij teil.

Beim Treffen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Michael Stübgen wurden der russischen Delegation aktuelle politische Trends im Bereich der ländlichen Entwicklung in Deutschland vorgestellt. Das Ziel des Koalitionsvertrags für die 19. Legislaturperiode lautet: „Gleichwertige Lebensverhältnisse in handlungs- und leistungsfähigen Kommunen in städtischen und ländlichen Räumen, in Ost und West.“

Unterschiedliche Akteure auf verschiedenen Ebenen - EU, Bund, Länder, Kommunen - sind an der Lösung von Herausforderungen im Zusammenhang mit der ländlichen Entwicklung beteiligt. Die Hauptverantwortung für die Entwicklung des ländlichen Raums übernimmt dabei das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Es koordiniert, vernetzt und begleitet die Aktivitäten der zuständigen Ministerien, abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen, Fachbeiräte und externe Fachkräfte. Der Zweck der politischen Maßnahmen ist es, „Ländliche Räume zu stärken und zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land beizutragen“. Die Bundesregierung bildete mit den Ländern und kommunalen Spitzenverbänden im September 2018 eine Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ in sechs Facharbeitsgruppen. Der Bericht der Kommission soll im Juli 2019 vorgelegt werden.

Das BMEL verfolgt dabei folgende Ziele: bestehende Fördersysteme zu optimieren, neue Ideen zu entwickeln, Daseinsvorsorge zu stärken, Wirtschaftskraft der Regionen zu verbessern, Landschaft und Erholung in Wert zu setzen, digitale Chancengleichheit in allen Regionen zu schaffen, Ortsentwicklung und Nahversorgung zu stärken, Bürokratie zu reduzieren, staatliche Ebenen besser zu vernetzen, Verwaltung bürgernah zu sichern, gesellschaftlichen Zusammenhalt und bürgerschaftliches Engagement zu stärken.

Deutschland führt derzeit ein Bundesprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raums (BULE) durch: „Land. Digital“. Das Programm beinhaltet Modellprojekte in den Bereichen Gesundheit & Pflege, Qualifizierung & Bildung, Engagement & Beteiligung, Wirtschaft & Arbeit, themenübergreifende Plattformen, Mobilität sowie Nahversorgung. Es wird zurzeit eine Digitalisierungsstrategie des BMEL ausgearbeitet.

Beim Treffen mit der Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbands e.V. Brigitte Scherb und der Geschäftsführerin Daniela Ruhe diskutierte die Delegation sowohl Themen einer weiteren Zusammenarbeit im Rahmen der Verbände als auch allgemeine Fragen zur Bildung von Projektinitiativen unter Einbeziehung und aktiver Beteiligung der ländlichen Bevölkerung.

Die Gruppe besichtigte zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe und machte sich dabei mit der Umsetzungspraxis politischer Maßnahmen auf dem Lande vertraut. Es wurden der Biobetrieb Sanddorn- und Wildobstprodukte, geführt vom Landfrauenverbandmitglied Kristine Berger, der Viehzuchtbetrieb von Frank Mertens, Mitglied im Projekt „Offene Höfe in der Nuthe-Nieplitz-Region“ und weitere Agrarunternehmen besucht. Das Projekt „Offene Höfe“ vereint mehrere Landwirte und über 20 Betriebe aus den Landkreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark, die sich zur gemeinsamen Vermarktung ihrer Produkte zusammengeschlossen haben.

Am Beispiel der Spreewaldregion, die auch „deutsches Venedig" genannt wird, lernten die russischen Kollegen die Instrumente des Leader-Programms (LEADER - das EU-Programm zur Förderung der ländlichen Entwicklung), der regionalen Entwicklung und Förderung einer regionalen Marke sowie die Grundlagen der gesetzlichen Regelung des ländlichen Tourismus und seiner praktischen Umsetzung kennen.

Der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog bedankt sich herzlich bei Axel Müller, Geschäftsführer des Spreewaldvereins e.V., und Andreas Traube, Vertreter des Spreewaldvereins e.V. Dachmarke Spreewald & LEADER, für das interessante und sehr informative Programm für die Gäste aus Russland. An einem Tag gelang es uns, einen Agrarbetrieb mit eigener Biogasanlage, eine Milchabfüllanlage, eine Flachsverarbeitungsanlage sowie Hofläden und Restaurants, die alle Mitglieder des Spreewaldvereins e.V. sind, zu besichtigen.

Beim Treffen mit dem Bürgermeister von Luckau Gerald Lehmann diskutierten die Teilnehmer Probleme und Handlungsoptionen der Entwicklung von Kleinstädten und ländlichen Siedlungen. Vor allem sind es Bevölkerungs- und Beschäftigungsrückgang, Arbeitslosigkeit, niedrige Kaufkraft, der Abbau von sozialen und technischen Infrastrukturen und andere Probleme, mit denen Kleinstädte häufig zu kämpfen haben.

Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Seenland Oder-Spree e. V. sowie Kreisvorsitzende der Landfrauen Oder-Spree, berichtete über die Erfolgsfaktoren im ländlichen Tourismus. Dazu gehören vor allem ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis, authentische Erlebnisse (u.a. ein typisches Dorf mit seinen historischen Sehenswürdigkeiten, regionales Essen sowie ein historisches, kulturelles und ethnographisches Erbe) sowie Bräuche, Handwerk und viele andere Dinge.

Irina Gecht fasste die Ergebnisse der Informationsreise zusammen und betonte: „Probleme und deren Lösungen in der ländlichen Entwicklung in Russland und Deutschland sind ähnlich. Der Erfahrungsaustausch und seine Analyse sind daher von großer Bedeutung für die Entwicklung spezifischer Maßnahmen zur Verbesserung wirksamer Mechanismen für eine nachhaltige ländliche Entwicklung. “