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Deutscher LandFrauenverband zu Gast bei der Sitzung des Landfrauenausschusses der Russischen Föderation

Am 14. Mai 2019 fand in Moskau eine Sitzung des Landfrauenausschusses beim zwischenbehördlichen Koordinationsrat zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume des Ministeriums für Landwirtschaft der Russischen Föderation statt. Organisiert wurde die Sitzung von der Abgeordneten des Föderationsrates Irina Gecht unter hochrangiger Beteiligung u.a. des Abteilungsleiters für ländliche Entwicklung des Russischen Landwirtschaftsministeriums Maxim Borowoj.

An der Sitzung nahmen etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil, die sich über aktuelle Fragen der ländlichen Entwicklung mit besonderem Fokus auf der Rolle der Landfrauen und der Verbesserung ihrer Bedingungen informierten. In Vorträgen im Rahmen der Plenarsitzung sowie bei einem Runden Tisch zum Thema „Agrartourismus als Motor der ländlichen Entwicklung“ wurde die aktuelle Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen erörtert, insbesondere die Verlängerung des staatlichen Förderprogramms zur Entwicklung ländlicher Räume bis 2024 mit konkreten Maßnahmen zur Einkommenssicherung und Infrastrukturverbesserung auf dem Lande, zur Bereitstellung und Verbesserung der Wohnsituation sowie Gegenmaßnahmen gegen die negative demografische Entwicklung ländlicher Räume. Auch wurde dabei auf Modellvorhaben zur Einkommensdiversifizierung im Bereich des Agrartourismus, Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungssituation sowie Förderung des Unternehmertums mit besonderer Berücksichtigung der Situation bei Frauen eingegangen.

Die Abgeordnete des Föderationsrates Irina Gecht, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit besonders für die Förderung von Frauen einsetzt, betonte bei der Begrüßung der Teilnehmer die Bedeutung des im September 2018 unterzeichneten Rahmenabkommens zur künftigen Zusammenarbeit mit dem Deutschen LandFrauenverband e.V. Für den Erfolg der ländlichen Entwicklung in Deutschland sei das Engagement der Landfrauen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart ein wesentlicher Treiber, so dass Russland von diesen wertvollen Erfahrungen und einem gemeinsamen Austausch profitieren könne. Sie freue sich auf die Zusammenarbeit und sei überzeugt von dem Potential, das von den gemeinsamen Begegnungen ausgehe.

Der Leiter der Abteilung für ländliche Entwicklung im russischen Landwirtschaftsministerium Maxim Borowoj unterstrich, dass die Regierung die Entwicklung ländlicher Räume als prioritäres Ziel anerkannt habe und dem Thema dementsprechend nicht nur besondere Aufmerksamkeit widme, sondern auch eine besondere finanzielle Förderung in Aussicht stelle. Für die Zielerreichung sei die Unterstützung der Landfrauen essentiell, so dass im gemeinsamen Dialog die beabsichtigten und praktizierten Maßnahmen und im Hinblick auf eine höhere Effektivität begleitend diskutiert werden sollten.

Der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog nahm gemeinsam mit führenden Vertreterinnen des Deutschen LandFrauenverbands e.V. an der Veranstaltung teil. Die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbands e.V. Brigitte Scherb betonte in ihrem Vortrag die Notwendigkeit von Bottom-Up-Ansätzen, da aus deutscher Erfahrung die Herausforderungen weniger in Wissensdefiziten als mehr in Umsetzungsproblemen bestünden. Wichtig sei eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation auf dem Lande, wo Frauen in sozialpolitischen Rollen Funktionen ihre Schlüsselrolle unter erschwerten Bedingungen ausübten. Als Hauptthemenfelder des Verbands nannte sie u.a. gesunde Ernährung, Alltagskompetenzbewältigung bei Kindern in Ernährungsfragen, Verbraucherberatung und -weiterbildung, Potentiale des Internet und Nutzung neuer Medien, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Schritte zur Tätigkeit als selbständige Unternehmerin.

Geschäftsführerin Daniela Ruhe stellte in ihrem Vortrag das Portal für Landfrauen auf der Website des Verbands als Erfolgsmodell für die öffentlichkeitswirksame Kommunikation von Angeboten zur Differenzierung verschiedener Tätigkeiten vor, die mit der Schaffung zusätzlicher Einkommensmöglichkeiten in Rubriken „Produkte und Hofläden“, „Landfrauenservice“, „Urlaub/Freizeit“ einhergehen. Das Portal ermögliche die Förderung von Kreativität, stärke die Identität der Landfrauen, belohne ihr Engagement und sei ein wichtiger Faktor für das Networking untereinander. Entscheidend sei dabei die Bereitschaft, sich auf differenzierte Zielgruppen einzustellen. So könne die hohe Nachfrage nach Regionalität und Qualität erfolgreich vermarktet werden.

Die Vertreterinnen des Deutschen LandFrauenverbands e.V. signalisierten dabei ihre Bereitschaft, die russischen Partner bei der Implementierung von Modellvorhaben mit ihrer Erfahrung zu unterstützen. Eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der ländlichen Entwicklung stelle dabei für alle Partner eine Win-Win-Situation dar.