<< zurück

Regionales Agrar- und Ernährungsforum 2019, Woronesch

Am 04. April 2019 fand in Woronesch das „Agro Prodowolstwennyj Forum 2019“ statt. Organisiert wurde das Forum von der russischen Industrie- und Handelskammer sowie vom Nationalen Russischen Ökolandbauverband mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums des Gebiets Woronesch.

Am Forum nahmen etwa 500 Teilnehmer teil, die sich über Fragen des ökologischen Landbaus von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Handel informierten. In Vorträgen im Rahmen der Plenarsitzung sowie in mehreren Podiumsdiskussionen wurde die aktuelle Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen erörtert, insbesondere das neue Rahmengesetz zum ökologischen Landbau. Neben Behördenvertretern, darunter auch des regionalen Landwirtschaftsministeriums und der Aufsichtsbehörde Rosselchosnadsor, waren auch zahlreiche Vertreter regionaler Unternehmen rund um den ökologischen Landbau vor Ort, die ihre Produkte und Dienstleistungen im Rahmen einer Kontaktbörse vorstellten.

Ein wichtiges Markenzeichen des Forums war auch die Einbindung großer und renommierter Handelsketten („Magnit“, „OKAY“, „X5-Retail“, „Metro“), so dass auch über die Herausforderungen an der Schnittstelle zwischen Weiterverarbeitung und Einzelhandel und damit auch über aktuelle spezifische Marktentwicklungen diskutiert wurde.

Der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog betreute auf Einladung des Nationalen Russischen Ökolandbauverbands den Ehrengast des Forums, Herrn Frank Rumpe, einen brandenburgischen Ökolandbauunternehmer und – durch die langjährige Tätigkeit für Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH“ – ausgewiesenen und praxiserfahrenen Experten für Zertifizierung und Kontrolle von Ökolandbauunternehmen.

Frank Rumpe betonte in seinem Vortrag das Vertrauen der Verbraucher in eine funktionierende Zertifizierung und damit in die Garantie für die Produkteigenschaften, die mit dem Zertifikat verbunden seien. Er veranschaulichte den Zuhörern am Beispiel von Äpfeln, dass äußerlich kein Unterschied zwischen konventionellem und biologischem Anbau erkennbar sei. Ein Label, hinter dem ein verlässliches Kontrollsystem des Produktionsprozesses stehe, sei daher notwendig für die Garantie der Qualitätsreputation, die mit dem höheren Verbraucherpreis einhergehe. Ohne dieses funktionierende Kontrollsystem tendierten Anbieter dazu, durch konventionelle Produktion dem Druck zur Kostensenkung nachzugeben, die Produkte dem Verbraucher aber unter Vortäuschung falscher Eigenschaften des Produktionsprozesses teurer zu verkaufen. Unter diesen Umständen sei ein fairer Preiswettbewerb der Ökobranche nicht möglich.

Der Vorsitzende des Nationalen Russischen Ökolandbauverbands Oleg Mironenko hob in seinem Beitrag hervor, wie wichtig in diesem Zusammenhang die Entwicklung des Binnenmarktes für Ökoprodukte in Russland sei. Das neue russische Rahmengesetz zum Ökolandbau sei hierzu ein Schritt von großer Bedeutung, da er die Grundlage für den nationalen Standard lege, der Begriffe, Definitionen, Abgrenzungen und auch das Verständnis von „Zertifizierung“ regele. Derzeit arbeite der Verband gemeinsam mit der IFOAM (Internationale Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen) eng an der Harmonisierung des geltenden zwischenstaatlichen Standards (Russland, Tadschikistan, Kirgistan, Weißrussland) mit internationalen Richtlinien. Damit sei die Hoffnung auf eine gegenseitige Anerkennung der jeweils nationalen Zertifizierung in einigen Jahren verbunden.

Somit könne die Ökolandbaubranche langfristig einen wichtigen Beitrag nicht nur für den Export von Rohstoffen, sondern auch für die Produktdifferenzierung auf dem Binnenmarkt und den Export verarbeiteter Produkte leisten.