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Tschajanow-Konferenz zum Genossenschaftswesen in Moskau und Mytischtschi

Am 8. und 9. November fand in Moskau und Mytischtsch unter Federführung der Russischen Universität für Genossenschaftswesen die alljährliche Tschajanow-Konferenz statt. Die internationale Fachkonferenz zum Thema Genossenschaftswesen, die gemeinsam von der Russischen Universität für Genossenschaftswesen mit Unterstützung des VIAPI-Nikonow-Instituts, der Zentralen Vereinigung der Konsumgesellschaften der Russischen Föderation Centrosojuz und der Vereinigung der Bildungseinrichtungen der Verbrauchergenossenschaften AsOOP organisiert wurde, stand in diesem Jahr unter dem Motto „Moderne Genossenschaften im System der nachhaltigen Entwicklungsziele“.

Im Plenarteil am 8. November im Gebäude der Gesellschaftskammer der Russischen Föderation in Moskau begrüßte Rektor Sergej Gil ca. 120 Teilnehmer aus dem Fachgebiet des Genossenschaftswesens, darunter auch die Vertreter des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs, den Generaldirektor der International Co-operative Alliance Bruno Roelants, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Fachexperten aus Wissenschaft und Praxis aus Russland, Kasachstan, Brasilien und Bulgarien.

Inhaltlich wurde vor allem über aktuelle Trends und Herausforderungen des Genossenschaftswesens diskutiert. Zum einen stand dabei die Rolle des Genossenschaftswesens zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele im Mittelpunkt, die von der Vollversammlung der Vereinten Nationen 2015 für den Zeitraum bis zum Jahr 2030 festgelegt wurden. Der andere Fokus der Konferenz lag auf der Entwicklung des Genossenschaftswesens in Russland, in diesem Zusammenhang insbesondere auf fördernden Rahmenbedingungen und Erfahrungen des Auslands.

Gegenstand der Debatte waren u.a. die Notwendigkeit einheitlicher internationaler Statistik-Richtlinien für Genossenschaften, Partnerschaftskonzepte mit Public Authorities, Fragen der Digitalisierung und ihrer Auswirkungen auf das Genossenschaftswesen, Trends der Marktnachfrage, sowie die Institutionalisierung von Kompetenzvermittlung und Knowledge-Transfer. Von russischer Seite waren vier Vertreter verschiedener Genossenschaften (Bereiche Milchproduktion, Gewerbe, Handel) anwesend, die betonten, dass ein erfolgreiches Genossenschaftswesen auch in Russland möglich sei. Hierzu seien die Ausrichtung an den Bedürfnissen der Mitglieder sowie die Nutzenstiftung für die Genossenschaftsmitglieder und eine integrierende Kommunikation wichtige Voraussetzungen.

Der APD war mit dem Fachexperten Wolfdieter von Trotha vom Bayerischen Genossenschaftsverband vertreten, der über die Aktivitäten seines Verbands berichtete und dabei den Mehrwert der Verbandsarbeit für die Genossenschaften gerade im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Interessensvertretung, Kompetenzvermittlung und Knowledge-Transfer betonte. Weiterhin ging Wolfdieter von Trotha auf Erfolgsfaktoren für die Gründung und den Betrieb von Genossenschaften ein. Dieses Thema wurde auch im Rahmen des Runden Tisches am 9. November in Mytischtschi an der Russischen Universität für Genossenschaftswesen weiter vertieft. Hier ging es vor allem um die verbindliche Durchsetzung von Regeln mittels Kontrollmechanismen und der Satzung. Dabei wurde auch ausführlich auf die Aufgaben und die Verantwortlichkeit des Genossenschaftsvorstands eingegangen.

Alle Teilnehmer betonten, dass das Genossenschaftswesen in Russland ein beachtliches Wachstumspotenzial aufweist. Die strikte dynamische Ausrichtung an den Bedürfnissen der Genossenschaftsmitglieder, eine integrierende Kommunikationskultur sowie transparente und durchsetzungsstarke Regeln sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.