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ZWEITES EURASISCHES FRAUENFORUM, 19. - 21. SEPTEMBER 2018, ST. PETERSBURG

Vom 19. bis 21. September fand im Taurischen Palais in Sankt-Petersburg zum zweiten Mal das Eurasische Frauenforum statt. Diese Veranstaltung wurde vom Föderationsrat der föderalen Versammlung der Russischen Föderation und der Interparlamentarischen Versammlung der GUS-Teilnehmerstaaten sowie einigen Ministerien und Behörden Russlands organisiert. An dem Forum nahmen fast 2000 Frauen aus 122 Ländern der Welt teil, einschließlich der Delegationen aus Deutschland, USA, Frankreich, Indien, China und weiteren Ländern. Ziel dieser internationalen Diskussionsplattform zur Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft war die Festigung und Entwicklung der Zusammenarbeit von Frauen zur Lösung dringender Probleme und Förderung einer Atmosphäre des Vertrauens und gegenseitigen Verständnisses in der Welt auf der Grundlage der universellen Werte des Humanismus und der Rechte und Würd der Menschen.

Der Höhepunkt des Forums war die Plenarsitzung am 20. September zum Thema „Frauen für globale Sicherheit und nachhaltige Entwicklung“. Das Grußwort hielt der russische Präsident Wladimir Putin, der betonte, dass die wichtigsten Aufgaben der heutigen, sich schnell veränderten Welt, unter anderem in der Schaffung besserer Bedingungen für Frauen, ihre berufliche Tätigkeit und Existenzgründung liegen. Gleichzeitig seien aber auch traditionelle Werte, wie Familie und Mutterschaft, von großer Bedeutung. „Es ist im gemeinsamen Interesse, das Problem der Gender-Ungleichheit zu lösen, viele Klischees und Berufseinschränkungen abzuschaffen, die es leider immer noch gibt“, so Putin.

Das breitgefächerte Forumsprogramm umfasste mehr als 100 verschiedene Veranstaltungen, darunter Diskussionsplattformen, Sitzungen und offene Präsentationen. Die Teilnehmerinnen dieser Events diskutierten den Ausbau der Perspektiven von Frauen und die Steigerung ihrer Rolle in der Politik, in der Entwicklung der digitalen Wirtschaft, bei einer innovativen Entwicklung der Gesellschaft, in der ökologischen Sicherheit, bei der Stärkung der internationalen Zusammenarbeit und Förderung wohltätiger und humanitärer Projekte. Auf Grundlage der Ergebnisse der Forumsdiskussionen wurde ein gemeinsames Kommuniqué verfasst.

Auf Einladung der stellvertretenden Vorsitzenden des Föderationsausschusses für Agrar- und Ernährungspolitik und Naturschutz von Irina Geсht nahmen die Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes e.V. (DLV) Brigitte Scherb und Geschäftsführerin des DLV Daniela Ruhe am Eurasischen Frauenforum teil. Mit aktiver Unterstützung des APD wurden im Rahmen des Forums eine erweiterte Sitzung des russischen Ausschusses der Landfrauen zum Thema „Landfrauen in der Entwicklung ländlicher Räume“ und eine Sonderveranstaltung zur Unterzeichnung der bilateralen Absichtserklärung zur engeren Kooperation der beiden Verbände organisiert.

Bei der Eröffnung der Sitzung betonte Irina Gecht, dass an der Spitze von fast 6000 ländlichen Siedlungen in Russland (das entspricht 30 % der kommunalen Gebietskörperschaften) Frauen stehen. Gerade bei den angehenden Landwirten, die erst kürzlich einen staatlichen Zuschuss erhielten und ihre Arbeit aufnahmen, wird fast jeder vierte Viehzuchtbetrieb von Frauen geleitet. Gleichzeitig sind Frauen im ländlichen Raum die sozial verletzlichste Bevölkerungsgruppe, was für alle Länder typisch ist.

Grundsätzliches Ziel der Landfrauenarbeit war es immer, Frauen bei ihren familiären und beruflichen Aufgaben zu unterstützen, sowie durch ein vielseitiges Bildungs- und Weiterbildungsangebot dazu beizutragen, die Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern, so DLV-Präsidentin Brigitte Scherb. Das breit gefächerte Bildungsangebot der Landfrauenvereine sei die beste Grundlage, Mitglieder zu sensibilisieren und zu motivieren und ihre Verantwortung im Hinblick auf neue, zukunftsorientierte Aufgaben wahrzunehmen.

Es wurde bereits viel erreicht, aber nach wie vor gibt es viele Aufgaben, insbesondere beim Abbau frauenspezifischer Vorurteile, bei der Verbesserung der Einkommenssituation, beruflichen Perspektiven für qualifizierte Frauen, bei der stärkeren Absicherung von Frauen und der Unterstützung von Unternehmen und Existenzgründungen. Eine flächendeckende Infrastruktur von Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Ärzten, und Betreuungsmöglichkeiten sollte gewährleistet werden.

Hier setzt die verbandliche Interessenvertretung an. „Der DLV ist ein wichtiger Verband (500.000 Landfrauen sind ehrenamtlich tätig) und im öffentlichen Leben durchaus ein Machtfaktor, den wir aber bisher zu wenig nutzen. Es muss daher in unserem Verband wesentlich stärker als bisher der Wunsch entstehen, auf politische Entscheidungen mehr Einfluss zu nehmen.“

Beim deutsch-russische Treffens stellte Daniela Ruhe Ziele, Themen und Aktivitäten ihres Verbandes vor (Präsentation zum Thema hier). Der Deutsche LandFrauenverband wurde im Jahr 1948 gegründet, heute vereint er 22 Landes-Landfrauenverbände. Seine Mitglieder sind Landfrauen, die im ländlichen Raum leben, darunter auch Bäuerinnen. Viele gehen anderen Berufen und Beschäftigungen nach. Ihre Interessen sind das Anliegen des DLV. Zu den aktuellen Kernkompetenzen der Landfrauen gehören u.a. das Engagement für Lebensqualität in ihrem Umfeld, nachhaltige und flächendeckende Landwirtschaft, chancengerechte Lebensbedingungen auf dem Land und in der Stadt sowie Bildung und Qualifizierung speziell für Frauen (LandFrauenvereine und -verbände sind die größten Bildungsträger im ländlichen Raum mit über 100.000 Veranstaltungen im Jahr mit etwa 2,3 Millionen Teilnehmerinnen).

Während des Dialogs betonten die Frauen beider Länder, wie wichtig es sei, die Rolle der Landfrauen im öffentlichen und politischen Leben zu stärken und insbesondere sie bei der Lösung ihrer sozialen Probleme und der Förderung günstiger Bedingungen für das weibliche Unternehmertum und die Kindererziehung zu unterstützen.

Abschließend unterzeichneten beide Seiten die Absichtserklärung „Über die Zusammenarbeit zwischen dem Ausschuss der Landfrauen beim Koordinierungsrat für die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation und dem Deutschen LandFrauenverband e.V.“ mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zum beidseitigen Vorteil aktiv zu entwickeln. Die Unterzeichnung wurde für die russische Seite von Frau Irina Gecht und von der deutschen Seite von Frau Brigitte Scherb vorgenommen.

Hintergrund: Das Forum findet alle drei Jahre in St. Petersburg statt. Im Rahmen des am II. Eurasischen Frauenforum verabschiedeten Abschlussdokuments wurde vorgeschlagen, das nächste Forum im Jahr 2021 abzuhalten und ihm den Status des Globalen Frauenforums zu verleihen.

Bildquellen: Fonds „Roskongress“ und „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“