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INTERNATIONALES BUSINESS-MILCHFORUM, 10. – 14. SEPTEMBER 2018, REGION KRASNODAR

Die Russische Milchunion (www.dairyunion.ru) ist eine von zwei landesweit aktiven Verbänden, die übergreifend Milcherzeuger sowie nachgeordnete Verarbeitungssektoren der milchverarbeitenden Wertschöpfungskette umfasst und deren Interessen gegenüber der Öffentlichkeit und politischen Organen vertritt.

An der 18. Internationalen Jahreshauptkonferenz der Russischen Milchunion vom 11. bis 13. September 2018 in Sotschi nahmen ca. 270 Vertreter der Milchbranche teil, die landesweit die beiden Branchenzweige Milcherzeugung und -verarbeitung umfassten. Auch waren Vertreter des Agrarausschusses des Föderationsrats, der Aufsichtsbehörde Rosselchosnadzor sowie Vertreter auf einschlägige Laborgeräte- und Untersuchungstechnik spezialisierter Unternehmen vor Ort.

Die Veranstaltung bot die Gelegenheit zu einem öffentlichen Austausch über aktuelle Probleme und Herausforderungen der milcherzeugenden und –verarbeitenden Branche auf wirtschaftlicher und politischer Ebene, darunter auch im Hinblick auf Trends in den nationalen und internationalen Märkten, technische Innovationen im Bereich der Lebensmittelqualität sowie im Hinblick auf Änderungen der gesetzlichen Grundlagen.

Zu den Hauptthemen der Konferenz zählten die allgemeine Marktentwicklung und Trends im milcherzeugenden und –verarbeitenden Sektor, Möglichkeiten der Leukose-Prophylaxe und
-Behandlung von Rindern, Maßnahmen zur Sicherstellung einer ausreichenden Lebensmittelqualitäts-kontrolle in der Verarbeitung von Milch und Milchprodukten im Binnenmarkt und im Außenhandel sowie damit verbunden die Umsetzung der rechtlichen Vorgaben auch vor dem Hintergrund technischer Innovationen.

In ihrem Eröffnungsvortrag gab die Vorsitzende der Russischen Milchunion Ludmila Nikolajewna Manizkaja einen Überblick über die Entwicklung des Milchmarktes. Sie hob dabei die wichtige Bedeutung der staatlichen Förderung, insbesondere im Bereich der Investitionen in Anlagen und Technik hervor. Der Anteil der Milchwirtschaft am gesamten Agrarfördervolumen habe 2017 etwa 22 % betragen (31,4 Mrd. Rubel). Der Selbstversorgungsgrad bei Milch konnte seit 2013 trotz einer Verringerung des Viehbestands bei Milchkühen um 5,3 % um 5,9 % auf 82,4 % erhöht werden. Die Verringerung des Viehbestands wurde insbesondere durch kleine und mittelständische Betriebe abgefedert. Ein großes Entwicklungspotenzial besteht insbesondere in der Herstellung von Fertigprodukten wie Butter, Käse, Milchpulver und Sauerrahmprodukten. Die Gesamtproduktionsmenge von Milchprodukten konnte 2017 im Vergleich zum Vorjahr nur um 0,5 % gesteigert werden. Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegenüber der EU und anderen westlichen Staaten nahm der (mengenbezogene) Import von Milchprodukten nach Russland im Jahr 2017 um 12,5 % im Vergeich zum Vorjahr ab.

Die relativ niedrige Steigerung der Produktionsmenge in Verbindung mit dem deutlichen Rückgang der Importe ist zum einen erklärbar mit der in den vergangenen fünf Jahren gesunkenen Kaufkraft der Bevölkerung, die seit 2015 zu einem Rückgang der Nachfrage nach Milcherzeugnissen um 20 % geführt hat. Zum anderen sind Veränderungen in der Struktur der Importländer beobachtbar: Vorteilhaft ist diese Situation besonders für Weißrussland, das bei Milchprodukten seine Exportmengen nach Russland bei Milchprodukten mit Ausnahme von Butter und Milchpulver im 3-Jahres-Vergleich deutlich steigern und somit seine Position unter den Handelspartnern ausbauen konnte.

Neben der geringen Kaufkraft der Bevölkerung sieht die Milchunion in der Gewinnung von Fachkräften mit einer hochqualifizierten Ausbildung, die die Verbraucherorientierung im Produktionsprozess berücksichtigt, gegenwärtig eine weitere zentrale Herausforderung der Branche.

Auch nahmen Maßnahmen zur Sicherstellung und Kontrolle der Lebensmittelqualität im Verlauf der Diskussion eine wichtige Rolle ein, darunter die seit dem 01.07.2018 obligatorische elektronische Zertifizierung, die Produktionsabläufe in der Wertschöpfungskette transparenter dokumentieren soll. Die Milcherzeuger brachten dabei ihre Befürchtung kostenintensiver und schwer umzusetzender Verwaltungsvorschriften mit unklaren Nachweis- und Haftungsregelungen zum Ausdruck. Die Bemühungen um eine Steigerung des Tierwohls sollten als eine gemeinsame Aufgabe von Staat und Wirtschaft wahrgenommen und die diesbezüglichen normativen Grundlagen im Hinblick auf ihre Umsetzung mit den Milcherzeugern und –verarbeitern konstruktiv erörtert werden.

Der Deutsch-Russische Agrarpolitische Dialog nahm auf Einladung der Russischen Milchunion mit drei Experten aus Deutschland an der Konferenz teil. Dr. Markus Albrecht vermittelte den Konferenzteilnehmern in seiner Funktion als Geschäftsführer des Milchwirtschaftlichen Vereins Baden-Württemberg aus der Perspektive milchverarbeitender Betriebe einen Einblick in den Aufbau der Qualitätskontrolle und die Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette bei Milcherzeugung und –verarbeitung in Baden-Württemberg.

Dieter Schlunke als Ehrenvorsitzender des Sächsischen Rinderzuchtverbands und Torsten Schlunke als Co-Betriebsleiter des Milchhof Diera KG in Sachsen informierten jeweils über die Chancen genossenschaftlicher Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen Betrieben, über deutsche Erfahrungen bei der Leukosebekämpfung sowie über unternehmensbezogene Erfahrungen und Herausforderungen der Lebensmittelsicherheit und -kontrolle in Deutschland aus der Perspektive eines milcherzeugenden Unternehmens.

Bei den begleitenden Diskussionen und Randgesprächen wurde das große Interesse russischer Milcherzeuger und –verarbeiter an den deutschen Erfahrungen deutlich. Besonders aufmerksam wurde verfolgt, dass deutsche Milchverarbeiter infolge einer strikten Orientierung am Verbraucher die gesetzlich festgelegten Grenzwerte bei verschiedenen Qualitätsparametern mit einer Selbstbindung nochmals deutlich unterschreiten. Ein effizientes Qualitätskontrollsystem ist dabei unabdingbar für einen fairen Wettbewerb zwischen den Anbietern und auch für das Vertrauen der Verbraucher.