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Delegationsreise der AbsolventInnen der Fachschule Weilheim im Rahmen des Kooperationsprojekts „Deutsch – Russischer Agrarpolitischer Dialog“

Beim Besuch einer russischen Delegation in der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung Ökologischer Landbau, in Weilheim in Oberbayern im Februar 2018 lud der Landwirtschaftsminister der Republik Baschkortostan Ilschat Fasrachmanow die Schülerinnen und Schüler zu einem Besuch nach Russland ein. Bereits im März/April 2018 statteten daraufhin mit organisatorischer Unterstützung des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs Moskau junge Absolventen gemeinsam mit einer Lehrkraft Baschkortostan und der Oblast Jaroslawl einen Besuch ab.

Das Ziel des Besuchs bestand darin, sich mit der Praxis des ökologischen Landbaus in Russland vertraut zu machen und sich gegenseitig über die Kenntnisse und Erfahrungen in diesem Sektor auszutauschen. Im Programm der Besuchergruppe waren zahlreiche Treffen mit Vertretern des ökologischen Landbaus vorgesehen, ebenso der Besuch landwirtschaftlicher Betriebe, Diskussionen mit russischen Experten und Studierenden sowie Kulturveranstaltungen.

Am ersten Besuchstag in Moskau organisierte der Nationale Ökolandbauverband Russlands (NOS) eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des russischen Ökolandbaus, darunter auch Mitgliedern der Russischen Landjugend (RSSM). Die Diskussionsteilnehmer tauschten sich über ihre eigenen Erfahrungen im Ökolandbausektor aus. Alle Absolventen der Fachschule stammen aus landwirtschaftlichen Betrieben und bewirtschaften mit ihren Eltern Familienunternehmen, von denen die Mehrheit bereits zum Ökolandbau gewechselt ist. Nach Einschätzung der Schüler handelt es sich beim ökologischen Landbau um einen Trend sowohl bei der Erzeugung als auch im Verbrauch mit der spezifischen Herausforderung, den Kollegen aus der konventionellen Landwirtschaft zu zeigen, dass sich im Ökolandbau vergleichsweise bessere Ergebnisse erzielen lassen. „Dennoch ist es nicht einfach und im Übergang zum Ökolandbau sind Verluste und ein Ernterückgang zu erwarten. Wir möchten aber auch eine andere Einstellung der Gesellschaft zur Umwelt erreichen. Wozu brauchen wir sterile Felder? Es ist nicht schlimm, wenn zwischen den Pflanzenkulturen auch vereinzelt Unkraut wächst.“ Das ist natürliche Pflanzenvielfalt, die man nicht zu fürchten braucht, so die Absolventen.

An der Podiumsdiskussion nahm auch Landwirt Alexander Lagutin teil, Mitglied des Russischen Landjugendverbands, der nach dem Abschluss einer Agrarhochschulausbildung zunächst in der konventionellen Landwirtschaft beschäftigt war, nun aber nach der Zupachtung von 30 Hektar brachliegendem Land den traditionellen Anbau von Gurken in Luchowizy wiederbelebt hat.

Die Landwirte aus diesem Landkreis haben die Erzeugergemeinschaft „Luchowizer Gurken“ gegründet und eine Markenlizenz für die geografische Herkunft der Ware erworben. Damit konnten sie dieser zu einem Popularitätsschub verhelfen. „Ich habe fünf Jahre lang ausprobiert und nicht alles hat geklappt. Wenige haben an mein Konzept geglaubt, aber nun hat sich alles zum Guten gewendet.“

Zwar arbeitet Alexander Lagutin bisher noch nicht unter einem Ökosiegel, aber seine Erzeugnisse erfreuen sich im Kreis Luchowizy einer großen Nachfrage, obwohl sie im Vergleich zu konventionellen Produkten um etwa 20 bis 30 % teurer sind. In diesem Jahr plant der Landwirt die Verdopplung der bewirtschafteten Fläche.

Während ihres Besuchs wurden die Absolventen der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft Weilheim auch an der Staatliche Agrarakademie Jaroslawl empfangen, wo sie der Inhaber des kürzlich ins Leben gerufenen Lehrstuhls für Ökolandbau Sergej Schtschukin über die einschlägigen Lehrinhalte informierte. Bereits heute seien ihm zufolge 10 % aller Hersteller auf dem Land bereit zum ökologischen Landbau zu wechseln.

Mit der Praxis des Ökolandbaus machten sich die Absolventen bei einem Besuch der Holding „AgriWolga“ in der Stadt Uglitsch vertraut. Dieser landwirtschaftliche Betrieb erstaunte die Gäste nicht nur mit seiner Größe, sondern auch damit, dass ca. ein Drittel seiner Angestellten junge Leute sind. Insgesamt arbeiten etwa 1000 Personen bei AgriWolga, zu der etwa 40 Tierproduktionsbetriebe gehören, aber auch milch- und fleischverarbeitende Betriebe.

Die zweite Woche ihres Russlandbesuchs verbrachte die Delegation in der Republik Baschkortostan. Dort besuchten die Gäste die Baschkirische Staatliche Agraruniversität, in der zurzeit ein eigenes Fortbildungsprogramm für Landwirte auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus konzipiert wird. Auch soll im Rahmen der Hochschule ein spezielles Labor gegründet werden um Analysen im Kontext des ökologischen Landbaus durchzuführen. Die in Deutschland in diesem Bereich bereits gesammelten Erfahrungen stoßen hier auf besonders großes Interesse.

Auch während des Aufenthalts in Baschkortostan fanden Treffen mit Junglandwirten, mit Studenten und Lehrkräften des Baschkirischen Forschungsinstituts für Saatgutentwicklung, Tierhaltung, Acker- und Pflanzenbau sowie Pflanzenschutz statt. Auch besuchten die Gäste die Sowchose „Alexejewskij“, die auf den ganzjährigen Anbau von Gemüse in entsprechenden Anlagen und darüber hinaus unter anderem auch Tierhaltung spezialisiert ist.

Zum Abschluss ihrer Reise versicherten die Gäste, dass sie sich immer sehr gerne an diese spannende Reise erinnern werden. Sie sind überzeugt, dass der Ökolandbau in Russland vor einer großen Zukunft steht und ein großes Potenzial für die deutsch-russische Zusammenarbeit birgt. Ihnen zufolge, trägt der Austausch von Know-How und Erfahrung zwischen deutschen und russischen Fachleuten ebenso wie eine intensive Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen beider Länder zu einer positiven Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland wie auch in Russland bei.