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Internationale Konferenz zum Thema:„Ökolandbau in der Russischen Föderation: aktueller Stand, Probleme und Perspektiven der Entwicklung“ Wladimir, Suzdal

Im Rahmen der 35. Europäischen Pflügermeisterschaft veranstalteten das Landwirtschaftsministerium der Russischen Föderation, der Nationale Ökolandbauverband (NOS), die Verwaltung der Region Wladimir und das Allrussische Forschungsinstitut für Biodüngemittel und Torf im Dorf Glebovskoje (Gebiet Wladimir) ein Internationales Forum zum Thema: „Ökologisch nachhaltige Landwirtschaft: Aktueller Stand, Probleme und Lösungen“.

Oleg Mironenko, Moderator des Forums und Geschäftsführer des Nationalen Ökolandbauverbands, betonte in seiner Rede zur Begrüßung, es komme nicht oft vor, dass Praktiker (Produzenten von Ökoerzeugnissen) und Wissenschaftler (u.a. aus dem Bereich der Biodüngerentwicklung) eine gemeinsame Veranstaltung organisieren. Hauptziel der jetzigen Entwicklung des ökologischen Landbaus in Russland sei die Entwicklung einer weltweit anerkannten Reputation seiner Produkte. Deshalb sei die gesetzgeberische Tätigkeit in diesem Bereich so wichtig. „Wir möchten, dass unser Standard in die Liste der von IFOAM anerkannten Standards aufgenommen wird. Zurzeit sind 26 von 48 Standards anerkannt und wir hoffen, dass unser Standard der 27. wird. Sobald unser Ökolandbaugesetz verabschiedet und das Ökozeichen gesetzlich geschützt wird, wird auch das Vertrauen zu Bio-Produkten wachsen“, so Oleg Mironenko.

Am Forum nahm eine Delegation des Kooperationsprojekts „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ teil. Projektleiter Martin Schüßler bemerkte bei der Eröffnung der Veranstaltung, es gebe in Russland bereits eine ganze Reihe von Bio-Erzeugern, daher bestehe die Hauptaufgabe darin, die Verbraucher über besondere Merkmale der ökologischen Landwirtschaft zu informieren. „Auf der einen Seite geht es um eine gesunde Ernährung - das ist für den Verbraucher verständlich - auf der anderen aber geht es vor allem um den Schutz der Natur, des Klimas, der Ökologie und des Tierwohls, das gerade jetzt in Europa große Beachtung findet“.

Harald Ulmer, Experte für ökologischen Landbau und bis Februar 2017 Geschäftsführer der für die Entwicklung des Ökolandbaus in Deutschland wichtigen Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), betonte, dass in der Praxis des ökologischen Landbaus nicht nur der wirtschaftliche Nutzen wichtig sei, sondern darüber hinaus soziale und umweltschützende Aspekte. Er unterstrich auch, dass der Ökolandbau eine wichtige Rolle beim (Trink-)Wasserschutz einnehme. „Wasser ist das Öl des 21. Jahrhunderts. Es ist nicht ersetzlich und wird zu einer Schlüsselressource. Die ökologische Landwirtschaft schützt Wasser und Gewässer auf einfachste und effektivste Art“. Vom sozialen Standpunkt aus gesehen sichere der Ökolandbau gleichzeitig neue Arbeitsplätze und Perspektiven für das Leben in ländlichen Räumen. „Wir brauchen junge, lebendige ländliche Gebiete, um der Urbanisierung ein anderes Lebensmodell entgegensetzen zu können“.

Welche Vorteile haben Landwirte, die Ökolandbau praktizieren? „Der Vorteil besteht darin, dass ich mir den Kauf von üblichen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln spare, und dies ermöglicht mir, unabhängig zu sein. Darüber hinaus erreichen Produzenten von Bio-Produkten über ihr großes Ansehen in der Gesellschaft eine höhere Zahlungsbereitschaft bei Kunden.“ Letzteres sei besonders wichtig, weil Bio-Produzenten lediglich etwa 60 bis 70 % der Ernte einfahren, die sie vor der Umstellung mit chemischen Düngern erzielt haben. Das Saatgut für Biobetriebe wird auf Betrieben, die nach den Richtlinien der Biologischen Landwirtschaft arbeiten, vermehrt. Die beliebtesten Ökoerzeugnisse in Deutschland seien heute die Bio-Milchprodukte. (Die Präsentation von Harald Ulmer zum Thema "Ökologischen Landbau entwickeln – Biolebensmittel produzieren und kaufen")

Die Bundesregierung fördert und unterstützt Bio-Produzenten sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler Ebene. Über die Erfahrungen Bayerns auf diesem Gebiet berichtete Christian Novak vom Institut für ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern. Seit vier Jahren wird in Bayern ein Projekt zur Förderung von Öko-Modellregionen umgesetzt, in dessen Rahmen von einer Jury zwölf Öko-Modellregionen ausgewählt und vom Ministerium designiert wurden. Ein wichtiger Projektaspekt besteht in der auf acht Jahre befristeten staatlichen Teilfinanzierung eines Projektmanagements vor Ort. Aufgabe des Projektmanagers ist es, die Arbeit der gesamten Produktionskette zu überwachen und Ökomarketing zu betreiben. Somit wird keine direkte Förderung geleistet, sondern mehr das allgemeine Management von Rahmenbedingungen weiterentwickelt. Durch solche Maßnahmen werden die Landwirte auch bei ihrem Bestreben unterstützt, Genossenschaften oder andere Vereinigungen für eine gemeinsame Verarbeitung und/oder einen gemeinsamen Absatz zu bilden und dadurch gerade regionalen Mehrwert zu generieren. Nach Meinung des Experten trägt die ökologische Landwirtschaft u.a. positiv zur Entwicklung des ländlichen Tourismus bei. (Die Präsentationen von Christian Novak zu Themen "Staatlich anerkannte Öko-Modellregionen in Bayern – eine Zwischenbilanz" und "Düngung im Ökologischen Landbau
- Beispiel Kompetenzzentrum"
).

Vertreter föderaler und regionaler Behörden sowie von Wissenschaft und Bildung, die an dem Forum teilnahmen, betonten die Bedeutung der Verabschiedung des föderalen Gesetzes über organische Erzeugung, vor allem für die Entwicklung einer neuen Marktstruktur, die Notwendigkeit staatlicher Förderung, insbesondere in der Anfangsphase, und die Rolle von Ausbildung, Wissenschaft und Forschung für die Entwicklung dieses neuen Landwirtschaftszweigs.