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Agrarforum und die 28. Internationale Ausstellung – „Agrarkomplex“ 13-16 März 2018, Republik Baschkortostan, Ufa

Am 13. März fand mit Unterstützung des Ministeriums für Landwirtschaft der Russischen Föderation in der Hauptstadt der Republik Baschkortostan Ufa die Eröffnung des Agrarforums und der 28. Internationalen Messe „AgroKomplex“ statt. An der offiziellen Eröffnungsfeier nahmen der Staatssekretär-Stellvertretende Minister für Landwirtschaft der Russischen Föderation Iwan Lebedew, der Vizepremierminister und Landwirtschaftsminister der Republik Baschkortostan Ilschat Fasrachmanow und Vertreter ausländischer Delegationen, darunter aus Deutschland, Österreich und Tschechien teil. Bei der Eröffnung begrüßte Vizeminister Lebedew die Teilnehmer des Agrarforums und bemerkte, dass er über die Größe der Veranstaltung überrascht sei. Die allgemeine Ausstellungsfläche der „Agrokomplex“ betrug mehr als 15.000 m². Mehr als 300 Unternehmen aus allen Föderationskreisen Russlands sowie etwa 50 ausländische Unternehmen nahmen an der Messe teil. Im Laufe von drei Tagen wurden im Rahmen des Agrarforums mehr als 30 Diskussionsforen organisiert, an denen mehr als 5.000 Gäste teilnahmen.

Zu den wichtigsten Veranstaltungen des Forums gehörten die Plenarsitzung zum Thema „Neue Technologien im Agrarsektor: Industrie 4.0“ sowie der Runde Tisch „Ökoprodukt – Mythos oder Realität? – Ökologischer Landbau im Agrarsektor“, bei dem u.a. das Landwirtschaftsministerium der Republik Baschkortostan, der Nationale Ökolandbauverband der Russischen Föderation und das Kooperationsprojekt des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft „Deutsch-Russischer Agrarpolitischer Dialog“ vertreten waren.

Der Präsident der Republik Baschkortostan Rustem Chamitow hob bei der Eröffnung der Plenarsitzung besonders hervor, dass die Regierung der Republik einen besonderen Imperativ in der fortgesetzten Steigerung der Lebensqualität für die Bevölkerung sehe, was unter anderem durch die Entwicklung der Landwirtschaft erreicht werde. Die Republik Baschkortostan sei im Hinblick auf die Einwohnerzahl unter den (autonomen) Republiken führend und nehme in der Liste aller Föderationssubjekte hier den siebten Platz ein. 38 % der Bevölkerung lebten im ländlichen Raum. Privatlandwirte entwickelten sich zu den dynamischsten Unternehmern der Republik. Ihr Anteil am Gesamtumfang der landwirtschaftlichen Produktion verdoppelte sich in den vergangen fünf Jahren von 6 auf 12 % und erreichte im vergangenen Jahr ein Volumen von 20 Mrd. Rubel. In diesem Zusammenhang wurde die wichtige Rolle von Genossenschaften bei der Entwicklung des Agrarsektors erwähnt. „Natürlich sind wir eine starke Agrarregion. Vielen Indikatoren zufolge gehören wir zu den Branchenführern und im Hinblick auf den Umfang der landwirtschaftlichen Produktion nehmen wir in ewa Platz 7 oder 8 ein. Wir tun gegenwärtig und auch in der Zukunft viel dafür, dass sich unsere landwirtschaftliche Erzeugung positiv weiterentwickelt.“

Im weiteren Verlauf der Diskussion im Rahmen der Plenarsitzung führte der Premierminister der Republik Baschkortostan Rustem Mardanow zentrale Entwicklungsrichtungen des regionalen Agrarsektors aus. Seinen Worten zufolge sind dies laut eines Entwicklungsplans der Regierung bis zum Jahr 2030 hauptsächlich Viehzucht und Milcherzeugung. Hierzu unterstützt die Regierung nachdrücklich Kleinunternehmer, insbesondere Nebenerwerbs- und privatbäuerliche Betriebe. Dem Runden Tisch zum Thema Ökologischer Landbau vorgreifend erklärte Ministerpräsident Mardanow, dass die Republik Baschkortostan bereit sei finanzielle Aufwendungen für die Produktion, Verarbeitung und Umsetzung nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus mit Fördermaßnahmen zu unterstützen.

Am Runden Tisch zum Thema „Ökoprodukt – Mythos oder Realität? – Ökologischer Landbau im Agrarsektor“ nahmen unter anderem der Staatssekretär-Stellvertretende Landwirtschaftsminister der Russischen Föderation Iwan Lebedew, der Vizepremierminister und Landwirtschaftsminister der Republik Baschkortostan Ilschat Fasrachmanow sowie die Experten des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs Birgitt Boor (Abteilungsleiterin für Ost- und Südosteuropa und die GUS-Staaten bei der Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH) und Harald Ulmer (unabhängiger Berater für Ökolandbau) teil. Moderiert wurde der Runde Tisch vom geschäftsführenden Direktor des Nationalen Ökolandbauverbands der Russischen Föderation Oleg Mironenko.

An die mehr als 100 Teilnehmer gewandt bemerkte Vizeminister Lebedew, dass ungeachtet aller Konkurrenzvorteile („wir verfügen über große Flächen, die für eine Nutzung im Sinne des ökologischen Landbaus bereit stehen“) die ausländische Ökolandbauproduktion z.B. in Deutschland oder Österreich ein sehr hohes Niveau erreicht habe. Deshalb sei es notwendig „auf ihre Erfahrungen zurückzugreifen und dabei etwas über die eigenen spezifischen Rahmenbedingungen zu lernen.“ Auch betonte er die Bedeutung landwirtschaftlicher Kooperationsformen und versicherte, dass das föderale Ministerium in dieser Hinsicht größtmögliche Hilfe und Unterstützung gewährleisten wird.

Am Beispiel des regionalen bayerischen Förderprogramms zur Entwicklung des Ökolandbaus und der Kooperation von Herstellern stellte Harald Ulmer Kernelemente vor, die für ein regionales Förderprogramm charakteristisch sind. Zu ihnen gehören vor allem die regionenspezifische Konzipierung von Wertschöpfungsketten im ökologischen Landbau, das Zusammenwirken aller bedeutenden Stakeholder in einer Region, die Unterstützung durch die Politik und die Behörden, der Umstieg bisher konventionell wirtschaftender Betriebe auf Ökolandbau bzw. die Gründung neuer Betriebe, die von Anfang an nach den entsprechenden Ökolandbaurichtlinien arbeiten und die Beteiligung von Vertretern aller im Förderprogramm vorgesehenen Produktionsstufen der Wertschöpfungskette.

Aus Sicht des Experten liegt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Umsetzung des Förderprogramms für ökologischen Landbau in der Gründung eines entsprechenden Kompetenzzentrums. Darüber hinaus spielt die Tätigkeit von Beratern auf dem Gebiet der Ausbildung und Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis eine wichtige Rolle, ebenso die Kooperation zwischen den Herstellern von Ökolandbauprodukten untereinander (Die Präsentation „Regionales Länderprogramm für die Entwicklung des Ökolandbaus und Kooperation der Bio-Erzeuger am Beispiel Bayern“ in deutscher Sprache finden Sie hier).

Birgitt Boor, Expertin auf dem Gebiet der Öko-Zertifizierung, informierte die Teilnehmer über die Kontrollaufsicht im Bereich des ökologischen Landbaus, über das System der Zertifizierung und die Vorgehensweise bei der Durchführung von Kontrollbesuchen in Deutschland und den EU-Ländern sowie in Nicht-EU-Staaten. Vor der Hintergrund der aktiven Forcierung russischer Produzenten auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus teilte Frau Boor mit, dass das Unternehmen Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH noch im Jahr 2018 eine eigene Vertretung in Russland eröffnen wolle (Die Präsentation „Kiwa BCS – Inspektion und Zertifizierung in Deutschland und der EU“ in deutscher Sprache finden Sie hier).

Im Rahmen des Besuchs seines regionalen Partners, der Republik Baschkortostan, führte die Delegation des Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs zahlreiche Gespräche, darunter mit dem Vizepremierminister und Landwirtschaftsminister der Republik Baschkortostan Ilschat Fasrachmanow, mit dem Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer der Republik Baschkortostan Asat Faslajew, dem Rektor der Baschkirischen Staatlichen Agraruniversität Ildar Gabitow, in denen die weiteren Schritte in der Zusammenarbeit auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus und der Förderung von Ökolandbaugenossenschaften ebenso festgelegt wurden wie auf dem Gebiet der ländlichen Entwicklung und des Studentenaustausches.