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Fachinformationsfahrt zum Thema „Agrarausbildung“

Vom 27. bis 30. November 2017 besuchte eine russische Delegation, zu der Vertreter des föderalen russischen Landwirtschaftsministeriums und Rektoren verschiedener Hochschulen gehörten, das Bundesland Baden-Württemberg im Rahmen einer Fachinformationsreise zum Thema Agrarausbildung. Die Fachinformationsreise behandelte Fragen des praxisorientierten Aus- und Weiterbildungssystems im Agrarbereich und bot gleichzeitig Gelegenheit, Möglichkeiten der künftigen deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Agrarforschung und -wissenschaft zu diskutieren.

Im Verlauf der Veranstaltung besuchten die Delegationsmitglieder Agrarhochschulen und fachspezifische Aus- und Weiterbildungs-einrichtungen, darunter die Universität Hohenheim und die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen.

An der Universität Hohenheim wurden die Teilnehmer über das Internationale Programm „Sustainable Agriculture and Rural Development“ (SARUD) informiert, in dessen Rahmen Masterprogramme an Partnerhochschulen in Russland und Kasachstan eingeführt wurden. Auch ging es um gegenwärtige Trends in der Agrarverfahrenstechnik. Aus Sicht von Prof. Dr. Martin Diederich besteht zurzeit bedauerlicherweise ein Defizit an gemeinsamen Forschungsprogrammen mit russischen Hochschulpartnern. Die Einführung englischsprachiger Studiengänge in Russland sei jedoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

An der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen wurden den Teilnehmern konzeptionelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Universitäten und (Fach-)Hochschulen sowie Spezifika des Bildungssystems erläutert. Demnach besteht eine der charakteristischen Besonderheiten der Hochschule in ihrer praxisorientierten Ausrichtung, zu deren Betonung eigens ein eigenes verpflichtendes Praxissemester eingeführt wurde.

Beim Treffen mit dem Leiter der Unterabteilung für Forschung und Innovation im BMEL Martin Köhler diskutierten die Delegationsmitglieder mögliche Themen der weiteren bilateralen Kooperation, darunter Fragen der internationalen Zusammenarbeit in der Agraraus- und weiterbildung sowie bei gemeinsamen Forschungsprojekten. Aus der Sicht von Martin Köhler sind dabei Themen wie (vorbeugende) Seuchenbekämpfung, Lebensmittellagerung, Saatgutentwicklung und Zucht (besonders bei Getreide) sowie Optimierung der Flächennutzung besonders vielversprechend.

Im Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg erhielten die Teilnehmer Informationen zu allgemeinen Struktur der Agrarausbildung in Deutschland, zu staatlichen Fördermöglichkeiten der praxisbezogenen Fach- und Weiterbildung sowie zu Grundlagen und Besonderheiten der Flächenregulierung im Agrarbereich des Bundeslandes. Darüber hinaus stellte der Leiter der Abteilung für Landwirtschaft Joachim Hauck den Gästen grundlegende langfristige wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Entwicklung der ländlichen Räume vor. Hierzu gehören die Verbesserung der Infrastruktur, eine gleichmäßige Förderung der Regionen sowie eine zielorientierte Weiterentwicklung der ländlichen Gegenden, z. B. mithilfe der Gründung von Hochschulen in kleineren Städten, Maßnahmen zum Umweltschutz oder zur Tourismusförderung.

Während der Fachinformationsreise machten sich die Teilnehmer ein Bild auch von fachqualifizierenden Ausbildungseinrichtungen, darunter dem Kompetenzzentrum für Ökolandbau Baden-Württemberg und dem überbetrieblichen Fachaus- und –weiterbildungszentrum Deula Baden-Württemberg gGmbH.

Zu den grundlegenden Prinzipien der Ausbildung von Fachkräften in diesen Zentren gehören eine praxisorientierte Ausbildung als Basis für Fachkompetenz, eine überbetriebliche Ausbildung sowie Programme zur Weiterbildung.

Die vom „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialog“ organisierte Fachinformationsreise wird zu einer Vertiefung der deutsch-russischen Beziehungen in Fragen der Agrarausbildung und bei Lösungsansätzen zur Behebung des Mangels an qualifizierten Fachkräften ebenso wie bei der Kooperation in Wissenschaft und Forschung beitragen.