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Runder Tisch zum Thema „Deutsch-russische Zusammenarbeit im Bereich Ökolandbau:Die Gründung von Ökolandbau-Cluster und Kompetenzzentren in den Regionen Russlands“

Der ökologische Landbau entwickelt sich heute in 179 Ländern der Erde und ist das Tätigkeitsgebiet für mehr als 2 Millionen Menschen weltweit. Die jährliche Wachstumsrate der Produktion beträgt 12 bis 15 % und wird voraussichtlich bis zum Jahre 2025 in dieser Größenordnung bestehen bleiben.

Am 21. November 2017 fand im Landwirtschafts-ministerium der Russischen Föderation im Rahmen des „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs“ ein Runder Tisch zu Fragen der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Ökolandbaus sowohl auf föderaler als auch auf regionaler Ebene statt. Am Runden Tisch nahmen u. a. der Abteilungsleiter für EU-Politik, internationale Zusammenarbeit und Fischerei im BMEL Dr. German Jeub, der Abteilungsleiter für Pflanzenbau im Landwirtschaftsministerium der Russischen Föderation Pjotr Tschekmarjow sowie die Leitungen weiterer Fachabteilungen teil, was die Möglichkeit einer Fortsetzung des Dialogs über die gemeinsame Zusammenarbeit auf dem Gebiet des ökologischen Landbaus eröffnete. In seinem Eröffnungsstatement über die gegenwärtige Lage des ökologischen Landbaus in Deutschland betonte Dr. Jeub, dass die Nachfrage nach Ökolandbauprodukten in Deutschland schneller wachse als das inländische Angebot. Daher erhöhe sich bei Ökolandbauprodukten auch der Importanteil kontinuierlich. Dies eröffne ausländischen – darunter auch russischen – Unternehmen, die Möglichkeit eine Nische im europäischen Markt zu erschließen. Darüber hinaus habe eine Kooperation auf dem Markt für Ökolandbauprodukte das Potenzial zu einem herausragenden Präzedenzfall für offenen und ungehinderten bilateralen Handel in beide Richtungen.

Auf Einladung des „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs“ informierte der Experte Harald Ulmer über seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Ausarbeitung regionaler Förderprogramme für ökologischen Landbau, beim Aufbau regionaler Kompetenzzentren sowie auf dem Gebiet des Wissenstransfers und der Beratungssysteme. Aus seiner Sicht zählen zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für ökologische Landwirtschaft das eigenständige Denken, Strukturieren und die gegenseitige Vernetzung der Akteure sowie die Schaffung von ökologisch nachhaltigen Wertschöpfungsketten. Besonders im Zusammenhang mit der nachhaltigen Wertschöpfungskette entstünden neue, höherwertige Produkte, für die eine höhere Zahlungsbereitschaft vorhanden sei. Am Beispiel des regionalen Ökolandbauförderprogramms BioRegio Bayern 2020 stellte der Experte grundlegende Maßnahmen zur Entwicklung des ökologischen Landbaus in der Region vor und bezog sich dabei auf Maßnahmen der staatlichen Struktur-, Ausbildungs- und Beratungsförderung.

Die Teilnehmer des Runden Tisches erörterten sodann am Beispiel der Republik Baschkortostan und der Region Jaroslawl Möglichkeiten der Ausarbeitung und Umsetzung regionaler Entwicklungsprogramme zum ökologischen Landbau. So nimmt die Region Jaroslawl bereits heute den Spitzenplatz in der Russischen Föderation hinsichtlich der von für den Ökolandbau zertifizierten Flächen (12 % bzw. 41.800 ha), des landesweiten Anteils an ökologisch produziertem Fleisch und Fleischprodukten (31,7 % bzw. 100 Mio. Rubel) sowie des landesweiten Anteils an ökologisch produzierter Milch und Milchprodukten (37 % bzw. 150 Mio. Rubel) ein.

Auch wurden Fragen der Ausbildung von Fachkräften und Spezialisten sowie der Gründung von Kompetenzzentren zum ökologischen Landbau in der Russischen Föderation behandelt. Die Teilnehmer der Veranstaltungen stimmten darin überein, dass die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die Entwicklung des ökologischen Landbaus eine der wichtigsten Fragen für die Entwicklung der Branche ist.

Darüber hinaus zählen zu den wichtigen Erfolgsfaktoren das Vertrauen der Verbraucher, eine professionelle Aus- bzw. Weiterbildung der Landwirte sowie ein gut funktionierendes Kontroll- und Zertifizierungssystem, das sich an internationalen Standards orientiert.

Das Themengebiet des ökologischen Landbaus wird auch im kommenden Jahr eines der wichtigsten Themengebiete in der Arbeit des „Deutsch-Russischen Agrarpolitischen Dialogs“ bleiben.