<< zurück

Fachinformationsfahrt zum Thema „Ländliche Entwicklung“

Die Verbesserung der Lebensqualität in ländlichen Räumen ist eine der wichtigsten strategischen Aufgaben nicht nur der heutigen Agrarpolitik, sondern der Gesellschaft allgemein – für Russland gilt dies genauso wie für Deutschland. Zur erfolgreichen Problemlösung ist ein systemischer Zugang erforderlich, zu dessen Teilbereichen unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur, die Erhöhung des durchschnittlichen Einkommens der lokalen Bevölkerung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Ausbildung von qualifiziertem Personal, die Förderung und Erhaltung von Traditionen und Brauchtum sowie der Umweltschutz zählen.

Der nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume war eine Fachinformationsreise des „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialogs“ im November 2017 nach Deutschland gewidmet. An der Reise nahmen Abgeordnete der Staatsduma, Senatoren des Föderationsrats, Mitarbeiter des Ministeriums für Landwirtschaft der Russischen Föderation und führende Vertreter von Hochschulen in Russland teil.

Ein wichtiger Höhepunkt der Reise der russischen Delegation war das Treffen mit Staatssekretär Hermann Onko Aeikens im BMEL. Probleme und Perspektiven der Entwicklung ländlicher Räume sind auch für die Agrarpolitik in Deutschland von zentraler Bedeutung. Etwa 90 Prozent der Bundesfläche zählen zu ländlichen Regionen. In diesen Regionen leben mit etwa 47 Millionen Menschen mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Mehr als 80 Prozent der Bundesfläche werden für Land- und Forstwirtschaft genutzt und damit für die Herstellung von Umweltrohstoffen und Lebensmitteln. Die Mitarbeiter im BMEL berichteten ihren Kollegen aus Russland ausführlich, wie der Begriff der ländlichen Räume in Deutschland definiert ist, welche Tendenzen in Gebieten mit ländlicher Entwicklung zu beobachten sind, welche Ziele die Bundesregierung verfolgt und welche Rolle in diesem Zusammenhang das BMEL einnimmt. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer grundlegende Probleme der ländlichen Entwicklung und ihre Lösungsansätze, insbesondere, welche staatliche Förderungsmaßnahmen und eigene Möglichkeiten für ländliche Bewohner existieren (Präsentation in deutscher Sprache hier).

Fortgesetzt wurde die Diskussion in München beim Bayerischen Genossenschaftsverband, der heutzutage 1.279 Genossenschaften mit knapp 3 Mio. Mitgliedern umfasst. Allein in den vergangenen 7 Jahren hat der Verband 400 neue Genossenschaften aufgenommen. Während der Fachinformationsreise besuchten die Delegationsteilnehmer auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die sich in staatlicher Trägerschaft durch das Land Bayern befindet. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf umfasst 6.350 Studierende, 146 Professoren und 650 Mitarbeiter. Ihr gehören Flächen im Umfang von 284 ha, die zu Forschungs- und Lehrzwecken eingesetzt werden. Professor Dr. Ralf Schlauderer stellte der Delegation das deutsche Hochschulausbildungssystem vor und erläuterte es am Beispiel der Fakultät für Landwirtschaft. Dabei ging er auch auf Möglichkeiten und Anforderungen für ein Gaststudium bzw. Kurzaufenthalte Studierender aus Russland ein.

Am Beispiel von Vorwerk Podemus, einem Erzeugerring im ökologischen Landbau mit einem jährlichen Umsatz von 23 Mio. Euro, sowie dem Genossenschaftsunternehmen Südstärke im Bereich der Stärkeproduktion in Schrobenhausen mit einem jährlichen Umsatz von 96 Mio. Euro konnten sich die Teilnehmer ausführlich mit der Organisation von Produktion, Verarbeitung und Verkaufsmodellen für landwirtschaftliche Produkte vertraut machen.

Resümierend hielten die Teilnehmer der Fachinformationsreise fest, dass Probleme der nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume und ihre Lösungsansätze in beiden Ländern viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Der Erfahrungsaustausch und die Ursachenanalyse habe dabei enorme Bedeutung für die Erarbeitung konkreter Maßnahmen zur Weiterentwicklung effektiver Mechanismen einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume.