<< zurück

Allrussische Versammlung der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften (SPKK)

Am 9. Juni 2017 fand auf den Feldern des Zweiten Allrussischen Forums „Russisches Dorf“ die Allrussische Versammlung der landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaften (SPKK) statt. Die Veranstaltung wurde organisiert von den beiden gesamtrussischen Dachverbänden „Agrokontrol“ und „Tschajanow“, die gemäß dem föderalen Gesetz „Über das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen“ das Gesamtsystem landwirtschaftlicher Genossenschaftsformen und ihrer Verbände vorstellten. An der Versammlung nahmen Vertreter des Landwirtschaftsministeriums der Russischen Föderation, der Leitung der Russischen Zentralbank sowie der Staatsduma der Russischen Föderation teil, darüber hinaus mehr als hundert Vertreter der SPKK aus dreißig Regionen des Landes.

Zu den Kernfragen, die auf der Tagesordnung der Versammlung standen, zählten eine Bewertung des staatlichen Regulierungssystems im Hinblick auf die Tätigkeitsfelder von Genossenschaften sowie die Diskussion des Gesetzesentwurfs „Über das Genossenschaftswesen“ des föderalen Justizministeriums. Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass sich das staatliche Regulierungssystem im Hinblick auf die Tätigkeitsfelder von Genossenschaften für landwirtschaftliche Genossenschaften und die agrarindustrielle Branche bisher insgesamt verheerend auswirkt.

Zum einen wird dies durch die quantitative Verringerung der Anzahl an SPKKs und das zeitgleiche Fehlen von Neugründungen bestätigt, zum anderen ist die Anzahl der operativ tätigen Kreditgenossenschaften in den drei Jahren der Regulierung durch die Russische Zentralbank auf ein Drittel des Ausgangswertes geschrumpft (von 1800 auf 600; im ersten Quartal 2017 wurden lediglich drei Genossenschaften gegründet). Neue Maßnahmen im vom föderalen Gesetz vom 13.07.2015 Nr. 223-F3 „Über selbstregulierende Organisationen auf dem Finanzmarkt“ regulierten Sektor, darunter die verpflichtende Mitgliedschaft der Genossenschaften in selbstregulierenden Finanzmarktorganisationen, beschleunigen diesen negativen Prozess zusätzlich.

Seit vielen Jahren unterstützt der Deutsch-Russische agrarpolitische Dialog die Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Russland. Auf Wunsch der Organisatoren nahm an der Versammlung auch der Experte des Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialogs Uwe Schöne teil, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Fragen des Genossenschaftswesens in Deutschland, insbesondere in Ostdeutschland befasst. Am Beispiel der Gründung und Entwicklung von Kreditgenossenschaften in Ostdeutschland zeigte Uwe Schöne einige charakteristische Eigenschaften auf, die für das Genossenschaftswesen von besonderer Bedeutung sind. Seiner Meinung nach würden heutzutage ohne die verpflichtende Mitgliedschaft der Teilnehmer und ohne verpflichtende gegenseitige Kontrolle keine selbständigen Kreditgenossenschaften in Ostdeutschland mehr existieren. Die gegenseitige Verbindung durch das Audit und die gegenseitige Konsultation sei für Genossenschaften geradezu überlebenswichtig. Für eine erfolgversprechende langfristige Tätigkeit benötigten Genossenschaften engagierte Mitglieder, stabile gesellschaftliche Rahmenbedingungen – darunter ein Genossenschaftsgesetz, ein transparentes Steuersystem sowie Förderung besonders bei der Gründung – und eine genossenschaftliche, selbstverwaltete Dienstleistungsorganisation, die auch die Prüfungs- und die Beratungsleistung beinhaltet.