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Das internationale Expertenpanel zum Thema „Russland auf dem Weltmarkt für Ökolandbauprodukte“ im Rahmen des Goldenen Herbsts

Am 4. Oktober 2017 fand im Rahmen der Messe „Goldener Herbst“ eine wichtige Veranstaltung für Teilnehmer am Markt für Ökolandbauprodukte statt. Sie wird seit 2012 jährlich durchgeführt und gibt den bedeutendsten Experten der Branchengemeinschaft russland- und weltweit die Möglichkeit zum Meinungsaustausch. Organisiert wurde das internationale Expertenpanel zum Thema „Russland auf dem Weltmarkt für Ökolandbauprodukte“ vom „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialog“ und der nationalen Ökolandbauvereinigung (NOS).

In seinem Begrüßungswort bemerkte Iwan Lebedew, Staatssekretär – Stellvertretender Minister für Landwirtschaft der Russischen Föderation, dass gegenwärtig die Produktion im ökologischen Landbau in Russland einen steilen Anstieg verzeichnet und die Rahmenbedingungen zur weiteren Produktionsentwicklung für alle Produzenten landwirtschaftlicher Erzeugnisse dank staatlicher Unterstützung günstig sind. In diesem Zusammenhang stellt dem Staatssekretär zufolge der Staat Flächen für Investitionsprojekte zur Verfügung, realisiert den Bau der notwendigen Infrastruktur, kompensiert einen Teil der Investitionsausgaben und garantiert die Gewährung vergünstigter Kredite mit einem jährlichen Zinssatz von maximal 5 %.

Der Unterabteilungsleiter für Internationale Zusammenarbeit im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland Friedrich Wacker übermittelte den Teilnehmern in seinem Grußwort die besten Wünsche des Bundesministers für Landwirtschaft und Ernährung Christian Schmidt, dankte dem Team des „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialogs“ für seinen Beitrag zur Entwicklung der bilateralen Beziehungen und betonte das große Potenzial Russlands auf dem Weltmarkt für Ökolandbauprodukte. Er unterstrich die Bereitschaft des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu einer weiteren fruchtbaren Zusammenarbeit mit Russland auf dem Gebiet der Landwirtschaft und bemerkte, dass möglicherweise gerade der Ökolandbau und der Handel mit Ökolandbauprodukten neue Perspektiven der deutsch-russischen Zusammenarbeit eröffnen können.

Der geschäftsführende Direktor der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen IFOAM Markus Arbenz skizzierte die Entwicklung des ökologischen Landbaus weltweit und stellte die aktuelle Situation anhand einschlägiger Daten vor. Ungeachtet dessen, dass ökologischer Landbau lediglich ein Prozent der weltweiten Landwirtschaft einnimmt, zeigt sich ein langfristig enormes Wachstum: seit 1999 ist der ökologische Landbau in Bezug auf Marktanteil um 360 % gewachsen. Im Jahr 2000 wurde das Marktvolumen für Ökolandbauprodukte auf 17,9 Mrd. US-Dollar beziffert; dieses wuchs bis 2010 auf 59,1 Mrd. US-Dollar und erreichte 2015 81,6 Mrd. US-Dollar. Die Landfläche, auf der ökologischer Landbau betrieben wird, vergrößerte sich von 14,9 Mio. Hektar im Jahr 2000 auf 50,9 Mio. Hektar im Jahr 2015.

Bei der Nachfrage nach Ökolandbauprodukten nimmt Deutschland in der Europäischen Union den ersten und weltweit den zweiten Platz ein. Über die aktuelle Entwicklung des ökologischen Landbaus in Deutschland referierte der Experte des „Deutsch-Russischen agrarpolitischen Dialogs“ Wolfgang Neuerburg, Referatsleiter für ökologischen Landbau im nordrhein-westfälischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft Natur- und Verbraucherschutz. Den Schwerpunkt seines Vortrags bildeten zum einen rechtliche Grundlagen der Regulierung im ökologischen Landbau, insbesondere grundlegende rechtliche Normen und Vorschriften, und zum anderen Rahmenbedingungen für den Export von Ökolandbauprodukten nach Deutschland und in die Europäische Union.

Der Vorsitzende des Direktoriums der Unternehmensgruppe „Agranta“ Sergej Batschin, einer der Pioniere des ökologischen Landbaus in Russland, betonte die Relevanz der Implementierung nationaler Standards im ökologischen Landbau in den Jahren 2015 bis 2017 und zeigte sich zuversichtlich, dass in der nahen Zukunft der Gesetzgebungsprozess über die Herstellung und das Inverkehrbringen von Produkten des ökologischen Landbaus abgeschlossen wird. Darüber hinaus erhält seinen Ausführungen zufolge die Frage der Zertifizierung besondere Bedeutung, da ausschließlich ein „redliches Zertifikat“ Russland Reputation und somit Zutritt zum Weltmarkt verschaffen könne. Diesbezüglich nehmen Sergej Batschin zufolge sowohl Zertifizierungsorgane als auch der Lebensmittelhandel eine relevante Rolle im Hinblick darauf ein, wie der gegenwärtige Produktionsprozess ausgestaltet wird.

Der geschäftsführende Direktor der Firmengruppe „EkoNiva-APK Holding“ Stefan Dürr, einer der führenden Agrarproduzenten in Russland (ca. 240.000 Hektar Land, 36.000 Milchkühe, Produktion von ca. 880 Tonnen Milch täglich) und einer der ersten Hersteller von Ökolandbauprodukten in Russland, ist davon überzeugt, dass die Verbraucher in Russland Lebensmittelqualität zu schätzen wissen und bereit sind diese Produkte hoher Qualität zu kaufen. Schon zu Beginn der 1990er Jahre begann „EkoNiva“ mit dem Anbau von ökologischem Buchweizen, allerdings wurde dieser bedingt durch die allgemeine wirtschaftliche Situation in Russland wieder gestoppt. Bereits 2012 wurde allerdings das zur „EkoNiva-APK Holding“ gehörende Unternehmen „Savinskaja Niva“ in der Region Kaluga auf Standards umgestellt, die den Anforderungen an den ökologischen Landbau genügen. Heute stellt „Savinskaja Niva“ Biogetreide für den Export nach Deutschland her sowie Rindfleisch für die Herstellung von ökologischen Nahrungsmitteln für Kinder in einem Werk des Unternehmens HiPP in Kaliningrad.

Stefan Dürr ist überzeugt, dass die Rückkehr zum ökologischen Landbau nicht nur die Verwirklichung eines lang gehegten Traums bedeutet, sondern auch die Bereitschaft beinhaltet der heutigen wirtschaftlichen Realität Rechnung zu tragen. So führten die umfangreichere Produktion von Getreide, Fleisch usw. zu einem Preisrückgang auf dem Lebensmittelmarkt. Deshalb entstünde die Unverzichtbarkeit einer Nischenproduktion, die reale positive Perspektiven auf dem Binnen- genauso wie auf dem Auslandsmarkt beinhaltet. Im Zusammenhang mit dem Defizit an Ökolandbauprodukten auf dem Weltmarkt habe Russland beste Chancen zu einem der größten Anbieter gesunder und hohen Qualitätsanforderungen genügender Lebensmittel aufzusteigen. Für eine weitere erfolgreiche Entwicklung des ökologischen Landbaus ist nach Auffassung von Stefan Dürr auch ein starker Branchenverband notwendig. In der Zukunft beabsichtigt er eine schrittweise Umstellung seiner Betriebe auf Ökolandbau.